--- title: "Buchtipp der Woche" url: "https://adz.news/artikel/artikel/buchtipp-der-woche-1945" subtitle: "„Zwei an einem Tag“ von David Nicholls" author: "Ana Săliște" date: "2011-12-03" modified: "2018-10-22" category: "Banater Zeitung" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Buchtipp der Woche ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/6/3/csm_bz_st_3_Nicholls_73b6ba324b.jpg) Es ist entweder eine alte Liebe, ein einzigartiger Augenblick oder ein bestimmtes Ereignis – es ist dieses etwas, das im Hinterkopf bleibt und das, bei Bedarf, die gewisse Melancholie oder das traurige süße Lächeln hervorrufen kann. Diese Stille, die wir manchmal für uns selbst brauchen. Eine Konstante, eine Hoffnung, ein Hauch Optimismus. All diese hat der englische Schriftsteller David Nicholls in seinem Roman „Zwei an einem Tag“ verführerisch verpackt. Es sollte eine Liebesgeschichte sein, die nicht nur Frauen, sondern auch Männer verzaubern kann. Und tatsächlich vermeidet das Buch die offensichtlichen Klischees, die aufregenden Verwirrungen und Abenteuer. Auch die Verpackung scheint originell zu sein: Zwanzig Mal dasselbe Datum: der 15. Juli. Zwei Jahrzehnte, eine Liebe. Immer am 15. Juli sucht Nicholls die beiden Hauptgestalten Emma und Dexter auf und gleitet Jahr um Jahr durch die Höhen und Tiefen ihrer Freundschaft, die eigentlich sehr viel mehr sein sollte. Über einen Zeitraum von 20 Jahren gewährt das Buch Einblicke in die Leben zweier Menschen, und zwar immer am 15. Juli. Was in den Zeitspannen zwischen diesen Tagen passiert, wird nur durch die Gedanken und Unterhaltungen der Personen vermittelt. Die Geschichte beginnt 1988, da verbringen Em und Dex eine Nacht zusammen – ohne miteinander zu schlafen. Am nächsten Morgen gehen beide ihrer Wege. Es entwickelt sich aber ein Briefwechsel, ein Wechsel von Gefühlen, dem die beiden nie mehr entkommen werden. Der charmante Dex muss immer wieder an Emma denken, wenn er was Verrücktes anstellt. Dass sich Emma eine Beziehung erhofft, geht bereits von Anfang an aus ihren langen detaillierten Briefen hervor. Und obwohl Dexter vom Wunsch nach einer festen Beziehung noch weit entfernt ist und sein Partyleben genießen will, so kann er nie von der klugen, witzigen Emma lassen. Mit dem Sprung von einem Juli zum anderen lässt Nicholls auch seine zwei Gestalten wachsen: er retuschiert ihre Persönlichkeiten, schleift sie und lässt sie sich im Zeitraffer weiterentwickeln. Dieses Erwachsenwerden, das man nur aus den Zeilen herauslesen kann, unterscheidet das Buch von den typischen Liebesgeschichten. Man spürt die Sanftheit Emmas und wie Dexter schrittweiser vom wilden Leben abschaltet. Zwar kann man das Ende irgendwie schon deuten, das Buch verzaubert aber viel mehr durch den witzigen und charmanten Erzählstil, durch die alltäglichen Kleinigkeiten und die Ehrlichkeit, auf die die Freundschaft der beiden basiert. „Zwei an einem Tag“ steht für Liebe – jedoch nicht für die leidenschaftliche stürmische Liebe, sondern für das konstante warme Gefühl, das einem manchmal das lebensnotwendige Gleichgewicht verleiht, um voran zu kommen. Das Buch kann man in der Temeswarer deutschen „Buchhandlung am Dom“ bestellen.