--- title: "Friedrich Ridely, 1835-1899" url: "https://adz.news/artikel/artikel/friedrich-ridely-1835-1899" subtitle: "Kaufmann und später Privatmann, Namensgeber des Ridelygartens" date: "2023-05-07" modified: "2023-05-05" category: "Karpatenrundschau" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Friedrich Ridely, 1835-1899 ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/S_3_Foto_1_RRR.jpg) *Friedrich Ridely* ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/5/4/csm_S_3_Foto_2_Elternhaus_75e2653675.jpg) *Das Elternhaus in der Neugasse.* 110 Jahre nach Friedrich Ridelys Tod hatte unser fleißiger Historiker Gernot Nussbächer einen Nachruf verfaßt und in der „Neuen Kronstädter Zeitung“ veröffentlicht. Gernot Nussbächer hatte eine besondere Beziehung zu Friedrich Ridely. Der Schnittwarenhändler Friedrich Nussbächer, bei dem Ridely in die Lehre ging, Rossmarkt Nr. 8, war ein Ururgroßvater Gernots. Dessen Sohn Viktor Nussbächer war der Hausarzt von Friedrich Ridely und hat ihn aufopferungsvoll bis zu seinem Tod gepflegt. Die Predigt an seinem Grab hat der Stadtprediger Carl Friedrich Nussbächer, Gernots Urgroßonkel, ein Neffe des Händlers, gehalten. Der Stadtpfarrer Franz Obert, Gernots Urgroßvater hat auch ein Abschiedswort an Ridelys Grab gesprochen. Was Gernot Nussbächer in seinem Nachruf vergessen hatte, muss noch gesagt werden,nämlich, daß der sogenannte „Ridelygarten“ auch zum Nachlass Ridelys, zugunsten der Honterusgemeinde gehörte. Der „Ridelygarten“ ist der westliche Teil des Raupenberges der ungefähr zur gleichen Zeit wie der Presbyterialgarten (das ist der östliche Teil des Raupenberges oberhalb der Postwiese und Nachlass des Senators Friedrich Honigberger), verkauft wurde. Der Erlös wurde auch zur Renovierung des Blauen Hauses verwendet. Für den Schreiber dieser Zeilen war der Ridelygarten unser Spielparadies, bis in den Jahren um 1960 der neue Weg zur Schulerau mitten durch den Ridelygarten gebaut wurde. Heute ist nur noch ein kleiner Teil davon Garten. Ebenfalls zu Ridelys Nachlass gehören drei Wohnungen im Haus Marktplatz 21. Man kann sagen, daß er der größte Erblasser für die Honterusgemeinde war. Gernot Nussbächer verfasste folgenden Text. Wer aufmerksam durch die Straßen der Inneren Stadt von Kronstadt wandelt, dem werden drei rote Marmortafeln auffallen, auf denen der gleiche Text steht:Stiftungshaus des Friedrich Ridely, geboren 5. Januar 1835, gestorben 6.Mai 1899. Diese Tafeln befinden sich an den Häusern Obere Neugasse (Str.Cerbului, heute Kindergarten) Nr. 23; Roßmarkt (Str. Gheorghe Baritiu heute Bella Muzica) Nr. 2 und Purzengasse (Str. Republicii heute Columbia Sportswear) Nr. 52. Alle drei Gebäude sind Eigentum der Honterusgemeinde. So erscheint es wohl angebracht, daß die Mitglieder der Honterusgemeinde über den Stifter dieser Häuser einiges erfahren. Friedrich Ridely wurde am 5. Januar 1835 in Kronstadt in der Oberen Neugasse Nr. 171 (heute Nr. 23) geboren als Sohn des aus Mergeln stammenden Tuchmachers Daniel Ridely (1798 - 1872) und seiner Frau Anna Christina, geb. Stamm (1807 - 1883). Bis zum Jahre 1848 besuchte Friedrich Ridely das Honterusgymnasium und wurde dann zuerst Lehrling in der Werkstatt seines Vaters. Später arbeitete er als Handlungsgehilfe in dem Schnittwarengeschäft des Kronstädter Kaufmanns Friedrich Nussbächer am Roßmarkt Nr. 31 (heute Nr. 8), dessen Geschäftspartner er von 1858 - 1870 wurde. Am 3. Mai 1859 heiratete Friedrich Ridely als Kaufmann und Handelsmann die 18-jährige Luise Friederike, eine Tochter des Wollenwebermeisters Josef Gräf. Am 31. Januar 1860 wurde dem jungen Ehepaar eine Tochter geboren. Die junge Mutter erkrankte aber bald darauf und starb am 7. Dezember 1860, vier Monate später starb auch das kleine Mädchen. Dieser große Verlust traf Ridely so stark, daß er keine zweite Ehe mehr einging, sich aber sonst aktiv in das öffentliche Leben seiner Vaterstadt einbrachte. So wurde er Mitglied des 1861 gegründeten Kronstädter Sächsischen Turnvereins und später auch anderer Vereine. Ab 1870 wurde er Oberbuchhalter der 1868 gegründeten Ersten Siebenbürgischen Bank in Kronstadt und blieb es bis zum Jahre 1882, als er Privatier wurde. Nachdem sein Vater im Jahre 1872 gestorben war, erwarb Friedrich Ridely das Haus am Roßmarkt Nr. 2, und nach einigen Jahren ein weiteres Haus in der Purzengasse Nr. 52, das er in den Jahren 1878 - 1879 ganz neu errichten ließ durch den Stadtingenieur Peter Bartesch (1842 - 1914, der auch den Altar der Schwarzen Kirche und das Chorgestühl entworfen hatte). Im Jahre 1873 wurde Friedrich Ridely Mitglied des neugegründeten Siebenbürgischen Alpenvereins zu Kronstadt, der im Jahre 1880 geschlossen dem Siebenbürgischen Karpatenverein beitrat, wobei Ridely eines der Gründermitglieder war. Als im Jahre 1877 in Kronstadt die Freimaurerloge „Zu den drei Säulen“ gegründet wurde, wurde er dort aufgenommen und blieb bis an sein Lebensende der Kassier dieser Vereinigung. Er stellte sein Haus in der Oberen Neugasse für die Versammlungen der Freimaurer zur Verfügung und gab ihnen auch nach seinem Tode Nutzungsrecht dort. Bei Friedrich Ridely und manchen seiner Zeitgenossen stand das Freimaurertum in keinem Gegensatz zum sächsischen Volkstum und zum evangelischen Glauben. Als im Jahre 1881 Franz Obert (1828 - 1908) neuer evangelischer Stadtpfarrer von Kronstadt wurde, schloß sich Ridely ihm an und wurde sein freiwilliger Privatsekretär. Seit 1877 war Friedrich Ridely auch Mitglied des Presbyteriums der Honterusgemeinde und seine Tätigkeit in dieser Eigenschaft ist aus den Presbyterialprotokollen ersichtlich. Als dann 1882 auf Anregung von Obert der Verein zur Unterstützung eines Erziehungshauses für unbemittelte sächsische Schüler in Kronstadt gegründet wurde, war Ridely bis zu seinem Tode auch Kassier dieses Vereines. Ebenso wirkte er als Kassier des Vereins für die Errichtung des Honterus- Denkmals und erhielt nach dessen Einweihung im Jahre 1898 einen Ehrenbecher mit der Widmung „Dem treuen Hüter des Schatzes aus dem die Denkmalskosten bestritten wurden“. Ridely wurde auch Mitbegründer des im Jahre 1884 gegründeten Kronstädter Sträflings-Unterstützungsvereins. Neben seiner öffentlichen Tätigkeit war Friedrich Ridely im Privatleben auch ein großer Kronstädter Sammler. Er sammelte sowohl ausgestopfte Vögel, als auch Mineralien, Bilder, Bücher, Fotografien zeitgenössischer Männer und Frauen aus Kronstadt, Postkarten und Briefmarken. Schon im Jahre 1880 erschien ein erster gedruckter Katalog Friedrich Ridelys über die Sammlung ausgestopfter Vögel, und in den Stadtführern aus den Jahren 1886 und 1898 wird diese Vogelsammlung als Kronstädter Sehenswürdigkeit erwähnt. Sein großes Fotoalbum schenkte Ridely 1891 dem Museum des Kronstädter Gymnasium und heute befindet es sich im Archiv der Honterusgemeinde. Die Krönung seines Lebens stellt jedoch sein Testament dar, das er am 8. März 1888 verfaßte und am 25. April 1899 - wenige Tage vor seinem Tod - mit einem Kodizill( Nachtrag) versah, das vor allem die Vermietung des rechten Teils seines Hauses in der Oberen Neugasse an die Freimaurerloge betrifft. Das Testament beginnt mit den Worten:Zum Universalerben bezüglich meines ganzen Vermögens setze ich hiemit die (der siebenbürgisch-sächsischen Nationalität angehörige) Kronstädter evangelisch-lutherische Kirchengemeinde der Inneren Stadt und zwar unter folgenden Bedingungen ein: Die Bedingungen sind im Wesentlichen, daß das hinterlassene Vermögen in seinem Haupt- oder Kapitalsstamme niemals angegriffen oder vermindert werden sollte, insbesondere sollen die Realitäten (Liegenschaften) niemals veräußert werden. Das für die Kirchengemeinde bestimmte Vermögen soll für alle Zeiten als selbständige Stiftung unter dem Namen „Friedrich-Ridely-Stiftung” verwaltet werden. Als erste zu unterstützende Anstalt wird bestimmt das Alumnat oder Erziehungshaus für arme evang.-sächsische Knaben. Weitere Legate waren bestimmt für die Freimaurerloge, den Feuerwehrverein, Gewerbeverein, Gustav-Adolf-Verein, Evang. Kirchenmusikverein. Dem Museum des Honterusgymnasiums vermachte Ridely mehrere Bilder, Krüge und Schüsseln aus Eisen, Zinn, Ton und Glas, sämtliche Münzen und Medaillen u. a. Besonders reich wurde die Innerstädtische evangelisch-sächsische Mädchenschule bedacht. Sie erhielt die reiche ornithologische Sammlung (545 Stück), weiter Säugetiere, Vogeleier und andere Gegenstände aus dem Tierreich, Gesteine und Mineralien, mehr als dreihundert Bücher, die beiden Postkartenalben und Bilder. Die Verzeichnisse dieser Gegenstände wurden in dem Programm der Kronstädter evangelischen Mädchenschule Nr. 16 - 1899/1900 und Nr. 17 - 1900/1901 veröffentlicht. Weitere Schenkungen erhielten der evangelisch-sächsische Schulkinderbekleidungs-Verein, der evangelische Schulfondverein und der sächsische Schützenverein. Mit dem 1. September 1901 trat die Ridely-Stiftung in Wirksamkeit. Schon vorher waren aus ihren Mitteln die beiden an das Alumnat anstoßenden Häuser am Breiten Bach gekauft worden (heutige Hausnummer Paul-Richter- Straße Nr. 5) und das Erziehungshaus in Honterushaus benannt, wie die Marmortafel über dem Haustor seit 1899 anzeigt. Im Jahre 1924 wurde die Friedrich-Ridely-Stiftung nach dem neuen rumänischen Gesetz beim Kronstädter Gerichtshof in das Register der Stiftungen eingetragen. Auch mehr als hundert Jahre nach seinem großzügigen Vermächtnis ist sein Andenken wert, gewürdigt zu werden. Soweit der Text von Gernot Nussbächer aus dem Jahr 2009. Dem Tagebuch des Dr. Eduard Gusbeth entnehmen wir den folgenden Absatz. „Am 7. Mai 1899 wurde seine Leiche unter zahlreicher Beteiligung auf den Friedhof in die Leichenhalle überführt, und von dort am 8. Mai nachdem ihm Prediger Nussbächer die „offizielle“ Leichenrede gehalten, von folgenden 8 seiner Freunde zum Grabe getragen: Schlandt Heinrich, Porr Emil, Kühlbrandt Ernst und Dick Eduard, Schnell Carl und Porr Heinrich, Eder Hans und Dr. Gusbeth Eduard. Vor seinem Grabe hielt Stadtpfarrer Franz Obert ihm eine schwungvolle Leichenrede, in der er seine Anspruchslosigkeit, Wohltätigkeit und Liebe zu seinem Volk hervorhob. Dann wurde der Sarg in die Erde hinabgesenkt und ein schönes, reiches Menschenleben hatte hiermit seinen Abschluss gefunden“. An seinem Grab gibt es keinen Hinweis des Dankes für seine Stiftungen, nur die drei roten Marmortafeln an den Häusern sprechen von seinem Nachlaß.