--- title: "Bisher wenig dokumentierte siebenbürgisch-sächsische Erinnerungskultur" url: "https://adz.news/artikel/artikel/bisher-wenig-dokumentierte-siebenbuergisch-saechsische-erinnerungskultur" author: "Nina May" date: "2026-10-02" modified: "2026-10-02" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Bisher wenig dokumentierte siebenbürgisch-sächsische Erinnerungskultur ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/Hinta_Scan.jpg) *Erzählungen von Joachim Wittstock in ungarischer Übersetzung sind unter dem Titel „Hinta. Erdélyi történetek” (Schaukel. Siebenbürgische Geschichten) im Bookart Verlag in Miercurea Ciuc erschienen. Der Übersetzer Bács Béla János traf auch die Auswahl der Texte. Prof. Dr. Balogh F. András vom Germanistikdepartement der Babeș-Bolyai-Universität in Klausenburg/Cluj geht in einem ausführlichen Nachwort auf die Bedeutung des siebenbürgischen Schriftstellers ein. Das Buch kann unter der ISBN 978-630-6769-10-0 in Buchhandlungen mit ungarischem Buchangebot und beim Book-art Verlag (Tel.: +40 (0)366 401 230, E-Mail: office@bookart.ro) gekauft oder bestellt werden.* **Von Dr. Gerhard Puri ist vor Kurzem das Buch „Reps – meine Siebenbürgische Wiege. Blätter eines verlorenen Tagebuchs“ wie auch die Version in rumänischer Sprache „Rupea - leagănul meu transilvan. File dintr-un jurnal regăsit” im Coresi-Verlag in Bukarest erschienen. Das Buch, das im Oktober gleich dreimal präsentiert wird – in Hermannstadt/Sibiu, Reps/Rupea und Zeiden/Codlea illustriert auf humorvolle und manchmal philosophisch reflektierende Weise einen wichtigen und bislang wenig dokumentierten Teil der siebenbürgisch-sächsischen Erinnerungskultur.** „Gerhard Puri ist ein Erzähler von seltener Sprachkraft“, so die Beschreibung von Amazon. In diesem Buch formt er die Bilder seiner Kindheit in Reps zu einer Prosa von großer Dichte – „poetisch, präzise und von leiser Melancholie durchzogen“. Doch es ist mehr als eine Aneinanderreihung von Erlebnissen, sondern literarisch verdichtete Chronik des „langsamen Abschieds der Siebenbürger Sachsen von einer Heimat, die über achthundert Jahre Bestand hatte“. Was dieses Buch trägt, ist Puris Fähigkeit, das Persönliche mit dem Historischen zu verweben: Kirche und Widerstand, Schule und Erwachsenwerden, die letzten Monate in Reps – „all das entfaltet sich nicht als bloße Aufzählung, sondern als ein sorgfältig komponiertes Geflecht aus Bild, Erinnerung und Reflexion“, heißt es dort weiter. Der evangelische Zeidner Pfarrer Danielis Mare beschreibt das Werk als „Vermächtnis aus Präzision und Herzblut“. Puri sei damit ein glänzendes Zeitzeugnis gelungen. Mit der „Akribie des Ingenieurs und großem literarischem Feingefühl“ beschreibt er seine Kindheit und Jugend in der alten Hauptstadt des Repser Stuhls. „Besonders eindrucksvoll ist, wie er die Familiengeschichte und das Schicksal eines ganzen Volkes sichtbar werden lässt – vom farbigen Alltag unter der Burg bis zu den bedrückenden Erfahrungen der Diktatur.“ Auch Personen, die in seinem Buch vorkommen, äußern ihre Meinung. Etwa Götz Teutsch, ein ehemaliger Schulkamerad aus den Klassen 1.–7. in Reps. „Gestern Abend habe ich das Buch bis zum Ende gelesen und lange danach noch wach gelegen, weil so vieles in mir nachgeklungen hat.“ … „Mit einer einfachen, klaren Sprache erzählst du, Gerhard, eindrucksvoll von unserem kleinen Volk und von uns Kindern, die in einer Welt aus Lügen und Angst groß wurden – einer Welt, die auf der einen Seite verzaubert und auf der anderen von der Furcht vor jedem überflüssigen Wort beherrscht war. Dieser Zwiespalt hat mich lange verfolgt, hartnäckig und lautlos – und nur mein Cello konnte mich aus dieser Dunkelheit he-rausheben. Das Buch ist eine berührende Schilderung einer Jugend in einer Diktatur: die tiefen, furchtbaren Verbiegungen in den Kinderseelen – und gleichzeitig dieses unverlierbare Gefühl von Geborgensein in der Welt der Kinder und der Familie. So klar und berührend habe ich selten etwas gelesen.“ Ieronim Badiu, ein ehemaliger Klassenkamerad im Lyzeum Reps, schreibt: „Diese ansprechende, autobiografisch geprägte Bucharbeit ist ein Spiegel-Dokument vergangener Zeiten.“… „Auf dem Faden der Erzählung entdeckt der Leser einen Teil des sächsischen Universums, das über Jahrhunderte hinweg würdevoll auf diesen Landstrichen Bestand hatte. Bis zu jenem Moment, als die Sachsen beschlossen, zu ihren Wurzeln zurückzukehren.“ Die rumänische Schriftstellerin Lucia Negioță lobt den „stets lebendigen Raum seiner inneren Projektion“: „Für den Autor wird Reps, durch die magische Kraft der Literatur, zu einem Mittelpunkt der Welt – ein Ort der Aufbrüche und der Heimkehr. Ein Ort prägender Lebenserfahrungen, die die ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts durchwandern – Erfahrungen, die sich wie leise Strömungen durch die Zeit bewegen und den inneren Raum des Erzählers formen, während sie zugleich das Bild einer Welt bewahren, die im Rhythmus jener Jahre gewachsen ist.“ Sie hege die Hoffnung, dass auch die jüngere Generation darin „jenen Fragen und Dilemmata begegnet, die einst ihre Vorfahren im Strudel der ihnen gegebenen Zeit bewegt haben“. Auch Vasile Poenaru, Eigner des Coresi-Verlages Bukarest, äußert sich begeistert: „Schon von der ersten Seite an führt uns Gerhard Puri beinahe körperlich in die Küche des Hauses in der Strada Cetății, wo der Holztisch, der offene Schrank und die Stühle als ‚stille Zeugen‘ darauf warten, dass jemand sich setzt.“… „Es ist ein seltenes Geschenk – die Fähigkeit, Erinnerung in Szene zu verwandeln und die Szene in eine Geschichte, die man in einem Atemzug liest. Gerhard Puri besitzt den Sinn für das Detail, das leuchtet: das Blau der Augen der Großmutter, die Geste eines russischen Offiziers, der mitten im Krieg die Wange eines Kindes streichelt, die Scham und das Mitleid, die eine Frau auslöst, die auf der Straße weint. Jede dieser Szenen wird mit einer Wärme und Präzision wiedergegeben, die man nicht nur sieht – man trägt sie im Herzen wie ein Erbe.“ … „Die große Geschichte – Bombardierungen, Frontwechsel, Deportationen, die schweren frühen kommunistischen Jahre – erscheint in diesen Seiten nicht als kalte Information, sondern als gelebte Erfahrung, gesehen aus der Höhe eines Kindes und später eines Jugendlichen, der Schritt für Schritt lernt, ein Mensch zu werden. Doch gerade, weil es erzählt ist, lässt uns der Autor nicht nur mit der Schwere der Geschichte zurück. Neben dem Leid gibt es Momente der Freude: Sommerlager der 1950er Jahre, Fahrradausflüge durch Rupea und das Burzenland, die Legende der Burg, die die Großmutter beim Sonnenuntergang erzählt, die ersten Faszinationen für die Welt jenseits der Mauern.“ *Das Buch kann in Rumänien sowohl in schwarzweiß, wie auch in Farbe über die Internet-Verbindung der Buchhandlung des Coresi-Verlages www.librariacoresi.ro bezogen werden.* --- **Buchpräsentationen** **Zeiden/Codlea** - am 14. Oktober um 17 Uhr In der Evangelischen Kirche Zeiden, Strada Lungă 110 **Reps/Rupea** - am 15. Oktober um 17 Uhr In der Aula des „St. O. Iosif“-Lyzeums, Strada Cetății 115 **Hermannstadt/Sibiu** - Am 16. Oktober um 17 Uhr Im Spiegelsaal des Forumshauses, Strada Magheru 1 Mit jeweils anschließenden Autogrammstunden