--- title: "Erste Skizze der „Säule der Unendlichkeit“ ausgestellt" url: "https://adz.news/artikel/artikel/erste-skizze-der-saeule-der-unendlichkeit-ausgestellt" subtitle: "Premiere in Temeswar: Brâncuși-Zeichnung zum ersten Mal in der Öffentlichkeit" author: "Iulia Sur" date: "2015-11-06" modified: "2018-10-22" category: "Kultur" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Erste Skizze der „Säule der Unendlichkeit“ ausgestellt ![](https://adz.news/fileadmin/news_import/branc.jpg) *Die erste Skizze der „Säule der Unendlichkeit“ von Constantin Brâncuși ist zum ersten Mal in Temeswar ausgestellt. Foto: Ovidiu Micșa* Die ursprüngliche Skizze der „Säule der Unendlichkeit” (Coloana Infinitului) von Constantin Brâncuși wird zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt, und dies anlässlich der ersten Biennale für zeitgenössische Kunst – Art Encounters/Kunstbegegnungen in Temeswar/Timișoara, so die Veranstalter. Gezeigt wird die Zeichnung bis zum 31. November in der Ausstellung „Șiruri secvențiale” (Sequenzreihen) im Temeswarer Kunstmuseum. Mittelpunkt der Ausstellung ist eben diese Skizze von Brâncuși. Alle anderen Arbeiten gehen von einem Bezug zu diesem Werk aus. Die Zeichnung ist im Besitz von Sorana Georgescu-Gorjan, der Tochter des Ingenieurs Ștefan Georgescu-Gorjan, der für die technische Konzeption und den Guss der „Säule der Unendlichkeit“ zuständig war. Sie hat sie für die Ausstellung in Temeswar zur Verfügung gestellt. Die im August 1937 geschaffene Zeichnung präsentiert die Skizze des Denkmals und die Silhouetten einiger Pappeln, die mit Tinte auf eine Fotografie aufgemalt sind, die den Hintergrund des zukünftigen Standorts der Säule in Târgu Jiu wiedergibt. Auf der Zeichnung hat die „Säule der Unendlichkeit“ drei Elemente weniger als in der letztlich realisierten Variante. Die Fotografie in Kleinformat (9x6 cm) – ein Geschenk des Bildhauers an den Ingenieur Ștefan Georgescu-Gorjan – ist nun Teil des Archivs von dessen Tochter. Außer der Zeichnung umfasst das Archiv der Familie Georgescu-Gorjan auch den gesamten während der Aufstellung des Denkmals geführten Briefwechsel zwischen dem in Paris lebenden Bildhauer und dem Ingenieur. „Die Skizze, die Brâncuși meinem Vater geschenkt hatte, wurde gleich einer Reliquie in der Familie aufbewahrt“, so Sorana Georgescu-Gorjan dazu. „Das vergrößerte Bild wurde unzählige Male vervielfältigt, die Fotografie mit der Skizze jedoch nie in der Öffentlichkeit ausgestellt. In dieser Hinsicht sind die Events von Art Encounters eine Premiere“, ergänzt die Besitzerin des Kleinods. Die „Säule der Unendlichkeit“, ursprünglich „Säule der unendlichen Dankbarkeit“ betitelt, gedenkt der im Ersten Weltkrieg, 1916, im Kampf an den Ufern des Schil/Jiu gefallenen rumänischen Soldaten. Zusammen mit dem „Tor des Kusses“ (Poarta Sărutului) und dem „Tisch des Schweigens“ (Masa Tăcerii) bildet die „Säule der Unendlichkeit“ das Ensemble von Târgu Jiu – eine Bestellung der Nationalen Liga der Frauen aus Gorj (Liga Națională a Femeilor din Gorj), geleitet von Arethia Tătărescu, der Gattin des damaligen rumänischen Premierministers Gheorghe Tătărescu. Leider kann heute das Ensemble nicht mehr so gesehen werden, wie es sich der weltberühmte Bildhauer seinerzeit gewünscht hatte – als Achse, welche die Stadt am Schil teilt – weil nach der Wende mitten auf der Achse eine orthodoxe Kirche gebaut wurde, welche nun den Blick vom Skulpturenpark am Ufer des Schil im Westteil der Stadt in Richtung „Unendliche Säule“, die im Ostteil der Stadt steht, verwehrt. Brâncușis Interesse für das Thema der Säule kann weit zurückverfolgt werden. Fotos mit dem Pariser Atelier des Bildhauers, 1917 von Brâncuși persönlich aufgenommen, zeigen bereits eine Säule mit drei Modulen. Bis zur Verwirklichung des Projektes der „Säule der Unendlichkeit“ in Târgu Jiu sollten jedoch über 20 Jahre verstreichen, währenddessen er mit verschiedenen Varianten von „Endlosen Säulen“ experimentierte, wie beispielsweise die drei Holzsäulen, die „das Himmelszelt stützen sollen“ (Brâncuși) und die er 1933 in einer Ausstellung in der Brummer Gallery in New York zeigte.