--- title: "Online, doch voller Leben" url: "https://adz.news/artikel/artikel/online-doch-voller-leben" subtitle: "Wissenschaftliche Tagung von Germanistikstudierenden der Universität Bukarest" author: "Dr. Markus Fischer" date: "2020-06-13" modified: "2020-06-12" category: "Kultur" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Online, doch voller Leben Am Dienstag vergangener Woche fand eine vom Department für Germanische Sprachen und Literaturen der Universität Bukarest veranstaltete ganztägige wissenschaftliche Tagung von Studierenden der Germanistik statt, die aus Gründen der Pandemie nicht in den Räumlichkeiten der Fremdsprachenfakultät, sondern in Form einer Online-Videokonferenz durchgeführt wurde. Im Gegensatz zu den jährlich stattfindenden Studierendenkongressen der Bukarester Fremdsprachenfakultät, die immer in rumänischer Sprache abgehalten werden, wurde diese Tagung ausschließlich in deutscher Sprache veranstaltet. Die Herausforderung, in einer Fremdsprache wissenschaftlich zu argumentieren und kritisch zu diskutieren, wurde von sämtlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an dieser Tagung hervorragend gemeistert: von den Studierenden im Master- wie im Lizenzstudiengang, von den Studierenden im Haupt- wie im Nebenfach, von den Studierenden der Germanischen Philologie wie auch von den Studierenden in den Studiengängen „Moderne Angewandte Sprachen“ und „Übersetzen und Dolmetschen“. Eine große Sorge der Veranstalter im Vorfeld der Tagung war, ob nicht durch deren Abhaltung in einem Online-Medium die Spontaneität der Diskussion, die Ungezwungenheit der Kommunikation, kurzum der wissenschaftliche Austausch behindert werden würde. Und in der Tat ist es nicht sehr inspirierend, wenn man, anstatt den Teilnehmenden leibhaftig als einem interessierten Kreis oder einer fröhlichen Korona junger Menschen zu begegnen, ihrer vielmehr medial in Form eines mit Passfotos beklebten Adventskalenders ansichtig wird. Andererseits hat die Veranstaltung einer Tagung im audiovisuellen Online-Medium auch Vorteile. Da man sich von Anbeginn an bereits im medialen Kontext bewegt, fallen die Probleme automatisch weg, die auf herkömmlichen Kongressen immer von der Arbeit ablenken: das zeitraubende Hantieren mit Laptops, USB-Speichersticks, Video-Beamern und Mikrophonen. Im Online-Medium ist man eben nur einen Klick von einem Film, einem Bild oder einem Text entfernt, welche man dem Publikum qua Screen-Sharing, d. h. mittels der synchronen Übertragung des eigenen Bildschirminhaltes, sogleich zugänglich machen kann. Eröffnet wurde die deutschsprachige Studierendentagung der Bukarester Germanistik am Vormittag des 2. Juni 2020 durch ein Grußwort der Prodekanin der Bukarester Fremdsprachenfakultät, Frau Doz. Dr. Ileana-Maria Ratcu, die bei dieser Tagung gleich in mehrfacher Funktion in Erscheinung trat: als wissenschaftliche Betreuerin beitragender Studierender, als technische Ko-Betreuerin der Online-Konferenz und als Mitglied des Organisationskomitees. Auf ihre Begrüßung folgte die erste Session, die von Frau Prof. Dr. Ioana Crăciun-Fischer moderiert wurde. Bogdan Burghelea sprach in dieser thematisch zusammengestellten literaturwissenschaftlichen Session über die kindliche Perspektive auf die Erotik im Roman „Wa-rum das Kind in der Polenta kocht“ von Aglaja Veteranyi, Ștefania Stoica analysierte die Kameraperspektive auf die weibliche Sexualität in der Wedekind-Verfilmung „Die Büchse der Pandora“ von G.W. Pabst, Ioana Mărăndici untersuchte das Verhältnis von historischer Realität und literarischer Fiktion in Rolf Hochhuths Roman „Eine Liebe in Deutschland“ wie in dessen gleichnamiger Verfilmung durch Andrzej Wajda, und Cipriana Matei beleuchtete die Kassandra-Figur in der Weltliteratur am Beispiel von Texten Homers, Schillers und Christa Wolfs. Auf diese thematisch bestimmte Session folgten drei sprachwissenschaftliche Vorträge, die von Frau Doz. Dr. Ileana-Maria Ratcu moderiert wurden. Beatrice Manole sprach über deutsche Entlehnungen im Rumänischen am Beispiel der Historismen, also über Wörter wie „felcer“ (