--- title: "Alles neu von Abtsdorf bis Zuckmantel" url: "https://adz.news/artikel/artikel/alles-neu-von-abtsdorf-bis-zuckmantel" subtitle: "Neues Werk zu siebenbürgischen Ortschaften vorgestellt" author: "Aurelia Brecht" date: "2026-09-30" modified: "2026-09-29" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Alles neu von Abtsdorf bis Zuckmantel ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/5/5/csm_20260924_Micu_Laura_DSC_2192_web_8224676cfa.jpg) *Buchvorstellung im Spiegelsaal des Forums in Hermannstadt. V.l.n.r.: Prof. Dr. Hans Stricker, Dr. Paul-Jürgen Porr (Vorsitzender des DFDR), Dr. Gerhild Rudolf (ehemalige Leiterin des Begegnungs- und Kulturzentrums Friedrich Teutsch), Rudolf Girst und Benjamin Józsa (Geschäftsführer des DFDR) Foto: Laura Micu* **Hermannstadt** – Selten froher sei er gewesen, dass ein Buch fertig gestellt worden sei, betonte Benjamin Józsa zum Auftakt der Buchvorstellung am vergangenen Donnerstag. Lange sei nicht klar gewesen, ob die finanziellen Mittel für das Projekt bereitgestellt würden. Nachdem aber alle Beteiligten hartnäckig daran festgehalten hätten, sei es möglich geworden, das Buch schließlich doch noch zu realisieren. Zugleich sprach der Geschäftsführer des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) und Leiter des Honterus-Verlags eine Warnung aus: Es handele sich um schwere Literatur, das Buch sei zwar leicht zu lesen, aber schwer zu tragen. Das neue Werk mit dem Titel „Sächsische Orte in Siebenbürgen. Lage, Geschichte, Namen, Kirchen, Kirchenburgen, Orgeln – Eine Annäherung“ wiegt tatsächlich rund zweieinhalb Kilo. Der Vorsitzende des DFDR, Paul-Jürgen Porr, sprach von „einer akribisch verfassten Monografie über alle siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften“: Die geografische Lage, Geschichte und ältere Namensformen der Ortschaften sowie deren Entwicklung seien äußerst detailliert aufgeführt. Zur Entstehungsgeschichte des neuen Nachschlagewerks hielt Prof. Dr. Hans Stricker zur Überraschung des Publikums eine beeindruckende Ansprache auf Siebenbürgisch-Sächsisch, Deutsch, Rumänisch und Ungarisch. Er wolle damit ausdrücken, dass sein Interesse, seine Zuneigung und sein Respekt sich auf alle hier lebenden Völker erstrecke, deren harmonisches Zusammenleben sie alle stärker mache. Auch er selbst habe das historische Siebenbürgen wie ein Neuland entdeckt: „Die Recherchen wurden im Laufe der Zeit mehr und mehr zu fesselnden Erlebnisreisen, die man nicht ohne Anteilnahme unternahm“, so Stricker. Seit über zwanzig Jahren reist der Schweitzer Linguist und Romanist mit seiner Frau, die aus Siebenbürgen stammt, nach Seiden/Jidvei. Das Dorf ist zugleich der Jugendort seiner Frau Marianne und war somit für ihn Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit Siebenbürgen: „Was schon lange vorher am Familientisch in der Schweiz mit Fragen, Gesprächen, Berichten und Erinnerungen begonnen hat und was ich dann in landeskundlicher und geschichtlicher Literatur vertiefte, dies alles fand dann hier im Land seine Fortsetzung in neuen Erkundungen mit Fahrten, Besichtigungen, menschlichen Kontakten.“ Geschichte und Sprachgeschichte Siebenbürgens seien im europäischen Westen lange wenig bekannt gewesen, betonte Stricker weiterhin. Es habe länger gedauert bis die Nachwirkungen des Eisernen Vorhangs auch im akademischen Bereich abgebaut worden seien. Das sei ebenfalls ein Grund für ihn gewesen, eine persönliche Annäherung an die Geschichte und Kultur Siebenbürgens in eine Publikation fließen zu lassen – auch um den Zugang dazu zu erleichtern. Rudolf Girst, aufgewachsen in Viktoriastadt/Victoria, reist ebenfalls seit Jahren nach Siebenbürgen, um die sächsischen Ortschaften und deren Kirchen fotografisch zu dokumentieren. Mit Hilfe seiner Fotografien konnte das neue Nachschlagewerk reich illustriert werden. Das 500 Seiten starke Nachschlagewerk versammelt 264 siebenbürgische, in der Regel sächsische Siedlungen. Diese werden von 640 Fotos untermalt, darunter zahlreiche Drohnen-Aufnahmen. Das zwischen 2020 und 2025 entstandene Buch enthält zudem ein Geleitwort sowie einen einleitenden historischen Überblick zu Siebenbürgen, seiner Bevölkerung und seinen Bauwerken. Auch die Entstehungsgeschichte des Buches findet hier ihren Platz. Der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Siebenbürgens wird nicht zuletzt dadurch Rechnung getragen, dass die Ortsnamen auf Deutsch, Sächsisch, Rumänisch und Ungarisch aufgeführt sind. Das Buch enthält ein Glossar, eine Liste der Herrscher Siebenbürgens, eine Liste der Orgelbauer in Siebenbürgen sowie Wortregister zu deutschen, sächsischen, rumänischen, ungarischen, slawischen, türkischen, kumanischen, petschenegischen, tatarischen, französischen und altsprachlichen Begriffen, die Aufschluss über die Ursprünge der Ortsnamen geben. Eine Übersicht zu den Schutzheiligen der Ortschaften ist ist beigefügt (Patrozinien).