--- title: "„Befreiung des Karasch-Flusses“" url: "https://adz.news/artikel/artikel/befreiung-des-karasch-flusses" subtitle: "WWF Romania baut die Karasch-Habitate forellen- und wildfischfreundlich zurück" author: "Werner Kremm" date: "2026-10-21" modified: "2026-10-20" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # „Befreiung des Karasch-Flusses“ **Reschitza** – Die Mitglieder des Vereins WWF Romania gaben bekannt, dass sie über sämtliche Genehmigungen und Vorlaufstudien verfügen zur „Befreiung des Karasch-Flusses“. „Durch dieses Projekt werden 42 Flusskilometer von sämtlichen künstlich geschaffenen Hürden/Barrieren befreit und den Forellen der Weg zu allen ihren ursprünglichen Habitaten wieder eröffnet, die sie benötigen könnten, um sich wieder heimisch zu fühlen!“ Allerdings geht es den Umweltschützern nicht nur um Forellen (Salmo tutta) – die einen relativen wirtschaftlichen Nutzen als Speisefische haben. Mindestens drei weitere Fischarten, egal ob unter Schutz stehend oder nicht, sollen ein „befreites“ Habitat bekommen, was in deren Fall vor allem heißt: sich sauberer, sauerstoffreicher fließender Gewässer – hier: die Karasch – zu „erfreuen“, die nicht mehr verbaut sind. Das wirtschaftliche, auch angelsportliche Interesse, das diese Fischarten wecken – abgesehen vom Forellenfang und einem eventuell wieder beabsichtigten Aussetzen des Huchens, der hier einmal lebte (das Vorhaben wird bei der Forstamtsverwaltung in Reschitza diskutiert, ist aber noch ziemlich umstritten) – ist gering: die drei weiteren Fischarten erreichen Größen zwischen 8 und maximal 15 cm, sind stromlinienförmig langgestreckt, farblich kaum auffällig und sehr grätenreich. Dafür aber sind sie Stammgäste in (schnell und weniger schnell fließenden sauberen) Gewässern mit sandigem oder feinkieseligem Grund: der Steingreßling (Gobio uranoscopus, auch Romanogobio uranoscopus aus der Familie der karpfenartigen, die einzige beschuppte Gründlingsart), die Balkan-Barbe (Barbus balcanicus) und der Balkan-Goldsteinbeißer (Sabanejewia balcanica) aus der Familie der Cobitidae/Steinbeißer, der tagsüber im Sand oder feinkieseligen Grund vergraben lebt und nachts auf Futtersuche geht, indem er Sand und Feinkiesel vom Flussgrund „kaut“ und Nichtfutterhaltiges durch die Kiemen „aussondert“/„ausfiltert“. Alle von den Umweltschützern als „Befreiungsziele“ genannten Fischarten sind durch die anthropogenen Habitatveränderungen vergangener Jahre bedroht, manche sogar aus der Karasch verschwunden und sollen nun durch den Rückbau der menschlichen Verbauungen ihren ursprünglichen Lebensraum zurückerhalten und gegebenenfalls wiederangesiedelt werden. WWF Romania hat die Genehmigung erhalten, sämtliche „Barrieren“, die einmal – wohl in bester Absicht, weil meist auf Initiative der Forst- und Gewässerverwaltung – ins Flussbett gebaut wurden, einzureißen und dem Fluss seine ursprüngliche Konfiguration in etwa zurückzugeben. Dabei sind sich die Umweltschützer bewusst, dass „die Beseitigung der Hürden nicht automatisch die Forellen zurückbringen wird in die Karasch. Vor allem nicht über Nacht! Doch damit geben wir der Natur die Chance, Prozesse der Selbstheilung in Gang zu setzen. Ein `befreiter` Fluss muss allerdings sauber und geschützt bleiben, um seine neue Chance nutzen zu können. Das heißt: ohne Wilderei, mit Achtung für und Pflege der Habitate. Nur so wird die Forelle eine neue Chance im Flussbett der Karasch bekommen.“ Und die anderen Fische mit. Machbarkeitsstudien und alle sonstigen – oft ausufernden – Genehmigungen sind fertig zur „Befreiung der Karasch“, die sich in einem Natura-2000-Areal befindet. Auch die nicht rückzahlpflichtige Finanzierung des Vorhabens – seitens der European Open Rivers Programme der Niederlande, eine Einrichtung, die eigens geschaffen wurde, um den Rückbau von verbauten fließenden Gewässern, inklusive Entfernung von „Barrieren“, zu finanzieren – steht. Einer künftigen „Konnektivität“ der Fischzüge sollte damit nichts mehr im Weg stehen.