--- title: "Belarussische Oppositionsführerin erhält Europapreis" url: "https://adz.news/artikel/artikel/belarussische-oppositionsfuehrerin-erhaelt-europapreis" subtitle: "Swjatlana Zichanouskaja wird in Temeswar ausgezeichnet" author: "Raluca Nelepcu" date: "2026-10-29" modified: "2026-10-28" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Belarussische Oppositionsführerin erhält Europapreis ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/rex_a40c1856d5ae_1_858a65ded96c.jpg) *Die belarussische Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja Foto: primariatm.ro* **Temeswar** – Die belarussische Oppositionsführerin Swjatlana Zichanouskaja ist die diesjährige Trägerin des „Timișoara Award for European Values“. Der von der Stadt Temeswar ins Leben gerufene Preis wird am Freitag, dem 6. November, im Rahmen einer feierlichen Gala überreicht, die anlässlich des Temeswarer Forums für Europäische Werte stattfindet. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung wird zum dritten Mal vergeben. Mit der Entscheidung würdigt die Jury den Mut der Oppositionspolitikerin, einem autoritären Regime mit friedlichen Mitteln Widerstand zu leisten, sowie ihren unermüdlichen Einsatz für Freiheit, Menschenwürde und ein demokratisches Belarus. Die Preisverleihung soll zugleich die Solidarität Temeswars und Rumäniens mit der belarussischen Bevölkerung zum Ausdruck bringen. Die ehemalige Englischlehrerin und zweifache Mutter wurde 2020 zur Symbolfigur der Demokratiebewegung in Belarus. Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen, die von massiven Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko begleitet wurden, musste sie ins Exil gehen. Von dort aus setzte sie ihren politischen Kampf fort. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 gründete sie das Vereinigte Übergangskabinett, das gemeinsam mit dem Koordinierungsrat eine demokratische Alternative zum Lukaschenko-Regime bilden soll. Ihr Büro in Vilnius fungiert inzwischen als eine Art diplomatische Vertretung. 2026 wurde die Tätigkeit auf ein weiteres Büro in Warschau ausgeweitet. Zichanouskaja setzt sich insbesondere für die Freilassung politischer Gefangener und einen friedlichen demokratischen Wandel in Belarus ein. Im Juni 2025 wurde ihr Ehemann Siarhej Zichanouski nach mehr als fünfjähriger Haft gemeinsam mit weiteren politischen Gefangenen freigelassen. Im Dezember folgte die Freilassung von 123 weiteren Inhaftierten, darunter Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki. Die Jury sieht in der Auszeichnung auch eine symbolische Verbindung zur Geschichte Temeswars. Im Dezember 1989 stellten sich die Bürger der Stadt unbewaffnet der kommunistischen Diktatur entgegen und riskierten ihr Leben für Freiheit und Demokratie. Über die Vergabe entschied eine Jury, der unter anderem die Richterin am Internationalen Strafgerichtshof Iulia Motoc, der Dirigent Cristian Măcelaru, die Diplomatin Simona Miculescu, die Regisseurin Anca Miruna Lăzărescu, die Literaturwissenschaftlerin Adriana Babeți sowie Temeswars damaliger Bürgermeister Dominic Fritz angehören. Bisherige Preisträgerinnen sind die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, und die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola.