--- title: "Bistrabahn streckenweise wiederbelebt" url: "https://adz.news/artikel/artikel/bistrabahn-streckenweise-wiederbelebt" subtitle: "Bald können von Karansebesch Richtung Ferdinandsberg und Siebenbürgen wieder Züge verkehren" author: "Werner Kremm" date: "2026-09-12" modified: "2026-09-11" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Bistrabahn streckenweise wiederbelebt **Ferdinandsberg** – Seit mehr als einem Jahrzehnt waren auf der Bahnstrecke zwischen Karansebesch und Ferdinandsberg (sowie weiter hinauf ins Bistratal Richtung Eisernes Tor Siebenbürgens) keine Züge mehr verkehrt. Demzufolge war die Bahnstrecke allmählich verbuscht und überwuchert worden. Bis durch Willen und entgegenkommende Einladung der PSD (damals, 2023-24, an der Spitze mit Partei- und Regierungschef Ion Marcel Ciolacu und seinem Famulus und heutigen Parteichef sowie Regierungschef in spe, Sorin Grindeanu) der rumänische Asphaltkönig Dorinel Umbrărescu auf die Idee gebracht wurde, seinen enormen Baustahlbedarf aus eigenen Ressourcen zu decken und dafür das überschuldete und deswegen stillgelegte Stahl- und Walzwerk „Oțelul Roșu“ (es hatte in den Jahren nach der Wende die diversesten Namen und Besitzer) zu kaufen. Was auch geschah, und Umbrărescu, ganz finanzpotenter und auf Profit erpichter Unternehmer, begann durch einen seiner Söhne, dem er die Aufgabe überantwortet hatte, umgehend mit der Sanierung, dem Umbau und der Neuausstattung des Werks – das im kommenden Jahr seinen Betrieb aufnehmen soll, zum Teil mit völlig neuer, aus Deutschland importierter Ausstattung (ADZ berichtete). In dem Maß, wie sich allerdings der Fertigstellungstermin der Generalüberholung und Neuausstattung des jetzt UMB Steel genannten Werks voranschreitet, wächst auch der Druck auf die Infrastruktur des Raums, was wieder Partei- und Verwaltungspolitiker oder –bevollmächtigte auf den Plan bringt. Denn einerseits braucht der mächtige Umbrărescu-Clan die weit mehr als ein Jahrzehnt lang aufgegebene Eisenbahnlinie in gutem Zustand, um effiziente Baustahltransporte (nebenbei wohl wieder auch kostengünstigen Pendlerverkehr) gewährleisten zu können, andrerseits die Westautobahn (die Überquerung der südlichen Randgebirge des Marosch-Tals von bzw. in Richtung Lugosch nach bzw. aus Richtung Siebenbürgen ist immer noch nicht vollendet!), aber auch die ominöse Umgehungsstraße von Karansebesch muss in innerhalb eines Jahres zuverlässig erneuert werden, nachdem es bisher zwei extrem zweifelhafte Anläufe dazu gegeben hat (ADZ berichtete). Hoher Druck herrscht auf CFR Infrastructură Temeswar, denn die anstehenden Arbeiten fallen gerade in eine Periode, wo man das rechtzeitige Appellieren an EU-Finanzierungen verpasst hat und mit eigenen Mitteln herummurksen muss. Im Kommuniqué von CFR Infrastructură Temeswar heißt es: „Die durchzuführenden Arbeiten haben den Zweck, den technischen Zustand der Bahnstrecke zu verbessern. Wir müssen wieder entsprechende Verkehrsbedingungen auf dieser Bahnstrecke schaffen. Die Arbeiten begannen mit einem radikalen Kahlschlag entlang der gesamten Strecke Karansebesch – Ferdinandsberg und der Herbizidierung des Bahndamms – kurz gesagt: mit der Befreiung der Strecke und ihres gesamten Sicherheitsraums von jeglicher pflanzlicher Überwucherung. Ersetzt werden 70.000 Dübel und Schrauben sowie alle Traversen, die keine Sicherheit mehr bieten. Sämtliche Arbeiten werden vom eigenen Personal der Instandhaltung des Streckenabschnitts L1 Karansebesch durchgeführt.“ Gegenwärtig wird an der Neuverschraubung der Bahnschwellen gearbeitet, sowie an „Finissage“-Arbeiten, wofür Spezialgeräte eingesetzt werden, welche die endgültige Geometrie der Strecke fixieren. Ein Datum für die Wiederinbetriebnahme der Strecke wurde bisher nicht angegeben. Man darf aller-dings davon ausgehen, dass die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Ferdinandsberg – Karansebesch (ebenso wie die Fertigstellung des Neubaus der Karansebescher Umgehungsstraße) in engstem Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Betriebs des Stahl- und Walzwerks UMB Steel gestellt ist. Zur Erinnerung: die Bahnstrecke, die jetzt zum Teil wieder instandgesetzt wird, führte bis in die 1970er Jahre von Karansebesch nach Hatzeg, ins südwestliche Siebenbürgen, über das Eiserne Tor Siebenbürgens. Die Strecke war ab Băuțar im Oberen Bistratal eine Zahnradbahn, die Mitte der 1980er Jahre demontiert wurde – aus welchen Gründen auch immer …