--- title: "Deutsche Akzente bei „MulticulTim“" url: "https://adz.news/artikel/artikel/deutsche-akzente-bei-multicultim" subtitle: "Minderheitenfestival brachte Sprachen, Musik und Traditionen in die Temeswarer Innenstadt" author: "Astrid Weisz" date: "2026-10-15" modified: "2026-10-14" category: "Lokales" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Deutsche Akzente bei „MulticulTim“ ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/MulticulTim_2026_-_Bericht.jpg) *Mit einer zweisprachigen Lesung verließ die „Stafette“ das AMG-Haus und begab sich unter die Temeswarer am Sankt-Georgs-Platz. Foto: Lorette Cherăscu* **Temeswar** – Mit Musik, Tanz, Literatur und Begegnungen hat das Minderheitenfestival „MulticulTiM“ Ende September und Anfang Oktober erneut die kulturelle Vielfalt Temeswars in den öffentlichen Raum gebracht. Mehrere Plätze und Kultureinrichtungen der Stadt wurden zu Bühnen für die ungarische, serbische, tschechische, deutsche, jüdische, ukrainische, Roma- und bulgarische Gemeinschaft. Einen besonders sichtbaren Platz nahm in diesem Jahr das deutschsprachige Programm ein. Veranstalter war das Kulturhaus der Stadt Temeswar gemeinsam mit Vertretern der ethnischen Gemeinschaften. Den ersten deutschsprachigen Beitrag setzte bereits am 24. September das österreichische freie Theater InterACT. In der Lira-Halle zeigte die Gruppe das Forumtheaterstück „Geteiltes Leben“ in deutscher Sprache. Damit begann das Festival noch vor der offiziellen Eröffnung mit einer Produktion, die Theater und gesellschaftliche Diskussion miteinander verband. Literarisch wurde die deutsche Sprache wenige Tage später auf dem Sankt-Georgs-Platz hörbar. Mitglieder des deutschsprachigen Literaturkreises „Stafette“ des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar lasen eigene Texte auf Deutsch und in rumänischer Übersetzung. Mit dabei waren Bianca Barbu, Henrike Brădiceanu-Persem, Lorette Brădiceanu-Persem, Arthur Funk, Sandra Hoyer und Arnold Schlachter. Gerade durch die zweisprachige Form konnten sich die Autoren auch einem Publikum vorstellen, das nicht Deutsch spricht. Der Schwerpunkt der deutschen Beteiligung lag jedoch am Freitag, dem 2. Oktober. Nach einer Trachtenparade durch das Stadtzentrum präsentierten sich auf dem Freiheitsplatz Ensembles mehrerer Minderheiten. Die deutsche Gemeinschaft wurde von der Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar, Beatrix Ferencz-Gross, und den Temeswarer Tanzgruppen „Banater Kranz“ und „Die lustigen Lenauschüler“ unter der Leitung von Daniela Malanciuc vertreten. Sie zeigten deutsche Volkstänze und reihten sich damit in ein Programm ein, das von ungarischen und serbischen bis zu tschechischen, ukrainischen, Roma- und bulgarischen Traditionen reichte. Unmittelbar anschließend wurde der Freiheitsplatz für eine Stunde zum Freiluftstudio von Radio Temeswar. Mit einer Live-Sendung feierte die deutsche Redaktion 70 Jahre seit der ersten Sendung in deutscher Sprache. Zu den Ehrengästen zählten der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț, die Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Anja Zougouari sowie der Vorsitzende des Banater Forums Benjamin Neurohr. Aufgezeichnete Grußbotschaften gab es von Bürgermeister a.D. Dominic Fritz und dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Banater Schwaben in Deutschland, Peter-Dietmar Leber. Ein Grußlied für den an dem Tag 100 Jahre alt gewordenen Ignaz Bernhard Fischer, historische Aufnahmen über Russlanddeportation, lyrische Einlagen mit Ildiko Jarcsek-Zamfirescu, die Kooperation mit dem Deutschen Staatstheater Temeswar und der Temeswarer Germanistik, die ähnlich „alt“ wie die Sendung sind, gehörten des Weiteren zum Programm. Für einen musikalischen Abschluss des deutschen Programmblocks sorgten Madame Brell & Die Filous aus Deutschland. Die Formation verbindet Chanson und Unterhaltungsmusik mit Elementen aus Swing, Musette und anderen europäischen Musiktraditionen. Ihr Konzert auf dem Freiheitsplatz schloss unmittelbar an die Jubiläumssendung an und wurde auf Deutsch und Englisch moderiert. Einen besonderen Banater Touch verlieh dabei der Jazz-Musiker Tony Kühn aus Totina, der auf seiner Melodika für den Akkordeonisten der Gruppe Erik Buhne einsprang. MulticulTiM beschränkte sich jedoch nicht auf die Präsentation von Folklore. Workshops für Kinder und Jugendliche, Klezmermusik, Tanzkurse, Literatur und der als alternativer Kulturraum eingerichtete „Multicultibus“ sollten vor allem Begegnungen zwischen den Gemeinschaften ermöglichen. Das Festival endete am 3. Oktober im Temeswarer Dom mit dem Abend „Die Bulgaren im Banat: Menschen, Orte und Kultur“, den die Union der Banater Bulgaren gemeinsam mit der römisch-katholischen Diözese Temeswar gestaltete.