--- title: "Diplomatie zwischen Beruf, Kultur und Begegnung" url: "https://adz.news/artikel/artikel/diplomatie-zwischen-beruf-kultur-und-begegnung" subtitle: "Österreichs Botschafterin Ulla Krauss-Nussbaumer zu Gast in Temeswar" author: "Astrid Weisz" date: "2026-10-10" modified: "2026-10-09" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Diplomatie zwischen Beruf, Kultur und Begegnung ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/Krauss-Nussbaumer_in_Temeswar.jpeg) **Temeswar** – Wie sieht der Alltag einer Diplomatin tatsächlich aus, welche Anforderungen bringt dieser Beruf mit sich und welche Hürden mussten und müssen Frauen auf diesem Karriereweg überwinden? Darüber sprach Österreichs Botschafterin in Rumänien, Ulla Krauss-Nussbaumer, am Donnerstag an der West-Universität Temeswar. Ihr Vortrag „Traumberuf Diplomatin“ in der Aula Magna „Ioan Curea“ gehörte zu den Österreichischen Kulturtagen in Temeswar. Die Veranstaltung fand auf Deutsch mit rumänischer Übersetzung statt. Vor Studierenden der Fakultäten für Sprachen und Politikwissenschaften, Schülern und Begleitlehrern von der Nikolaus-Lenau-Schule, Hochschullehrern, Diplomaten und Kulturschaffenden schilderte Krauss-Nussbaumer ihren beruflichen Werdegang und sprach aus persönlicher Perspektive über Verantwortung, Belastungen und Möglichkeiten des diplomatischen Dienstes. Besonderes Augenmerk legte sie auf die Situation von Frauen in einem Berufsfeld, das bis weit ins 20. Jahrhundert fast ausschließlich Männern vorbehalten war. Diplomatie, so eine der Botschaften des Vortrags, bedeute nicht nur Repräsentation, sondern vor allem Gespräch, Vermittlung und das Herstellen von Verbindungen zwischen Gesellschaften. Für junge Frauen, die eine internationale Laufbahn anstreben, sollte der Einblick zugleich Ermutigung sein. Ulla Krauss-Nussbaumer ging auf die österreichisch-rumänischen Beziehungen ein, auf wirtschaftliche, wie politische und soziale, schaffte es aber immer wieder mit einem richtigen Wiener Schmäh den informativen Vortrag sehr locker, persönlich, unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern zu halten. Unter den Gästen waren auch Bernhard Faustenhammer vom österreichischen Außenministerium, die Leiterin des Österreichischen Kulturforums Bukarest, Vera Ben Bouzid, deren Stellvertreter Andrei Popov sowie Österreichs Honorarkonsul in Temeswar, Georg Bardeau. Seitens der West-Universität nahm Prorektorin Valy-Geta Ceia teil. Krauss-Nussbaumer war bereits im Dezember vergangenen Jahres an der UVT zu Gast gewesen. Der Aufenthalt der Botschafterin führte am selben Tag auch an die Polytechnische Universität. Dort besuchte sie unter anderem das Mühle-Haus, das vor Kurzem in den Besitz der Universität übergegangen ist und zu einem Kultur- und Bildungszentrum entwickelt werden soll. Die Geschichte der aus Böhmen stammenden Gärtnerfamilie Mühle bildet dabei eine direkte historische Verbindung zu Österreich. Wilhelm Mühle, der sich 1867 in Temeswar niederließ, wurde später Hoflieferant in Wien und Budapest. Bei dem Besuch sagte Krauss-Nussbaumer Unterstützung bei der Suche nach alten, heute in Temeswar verschollenen Mühle-Rosensorten in österreichischen Sammlungen zu. Weitere Stationen waren ARChA, der neue Raum der Fakultät für Architektur und Städtebau, sowie das Kunst- und Technologiezentrum MV Sci Art. Dort besichtigte die Botschafterin die Ausstellung „Behind the Pavilion“ des österreichischen Künstlers Hubert Hasler, die sich mit Umwelt, Ressourcenverbrauch und Klimawandel auseinandersetzt. Auch ARChA verweist auf eine österreichisch-temeswarische Verbindung: In dem Gebäude fand vor 70 Jahren eine der ersten Studentenprotestaktionen im kommunistischen Rumänien statt; unter den Beteiligten war Ioan Holender, der später über viele Jahre die Wiener Staatsoper leitete. Am Abend nahm die Botschafterin schließlich am Abschluss der Österreichi-schen Kulturtage in der Synagoge in der Innenstadt teil, nachdem sie auch kurz bei der Oktoberfeier des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat DWC vorbeigeschaut hatte. Sie eröffnete das Konzert „Hymne à l’amour“ des österreichischen Duo Minerva mit Johanna Gossner, Klarinette, und Damian Keller, Akkordeon. Die vom Österreichischen Kulturforum, der Botschaft und dem Honorarkonsulat gemeinsam mit lokalen Partnern veranstalteten Kulturtage hatten seit dem 25. September Film, Literatur, bildende Kunst und Musik aus Österreich nach Temeswar gebracht. Botschafterin Ulla Krauss-Nussbaumer befindet sich für mehrere Tage in Westrumänien, hat diese Woche auch das Banater Bergland besucht und dabei mit Begeisterung das neue Bergbaumuseum in Steierdorf/Anina besichtigt. Die Reise führt weiter nach Großwardein und Arad, wo sie zum Festempfang anlässlich des österreichischen Nationalfeiertags einlädt und die Temeswarer Anwältin Ioana Hațegan für den Bundespräsidenten der Republik Österreich mit dem Verdienstorden ausgezeichnet.