--- title: "„Es ist keine Zeit zum Warten bei gutem Wetter und Wind“" url: "https://adz.news/artikel/artikel/es-ist-keine-zeit-zum-warten-bei-gutem-wetter-und-wind" subtitle: "Musikalisch begeisterte die Renaissance auch Siebenbürgen" author: "Klaus Philippi" date: "2026-10-03" modified: "2026-10-02" category: "Lokales" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # „Es ist keine Zeit zum Warten bei gutem Wetter und Wind“ ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/0/8/csm_Konzert_Renaissance_Caius_Hera_Hermannstadt_a004746fd3.jpg) *Szilágyi Emese, Gyüdi Eszter, Alina Rotaru, Caius Hera und Arthur Balogh (v.l.n.r.) schauten alle individuell auf ihre Notenständer und fanden im Klang doch genau zusammen. Foto: Klaus Philippi* **Hermannstadt** – Der Moderation nach zu schließen, die Caius Hera auch im Konzert von Dienstagabend, dem 22. September, in der Abteilung des Brukenthalmuseums für Zeitgenössische Kunst selber in die Hand nahm, zählt das mündlich packende Vermitteln musikgeschichtlicher Informationen an ein Laienpublikum nicht zu seinen Stärken. Dafür aber baut er eigenhändig all die Lauten, und im Einladen von Kolleginnen und Kollegen zu Ensemble-Auftritten erweist der künstlerische Leiter der jüngst durch Siebenbürgen und das Banat führenden Tournee „Iter Musicum Europae“ sich als sehr geschickter Interpret Alter Musik: ein so unangestrengt klangvolles Timbre wie das von Sängerin Gyüdi Eszter aus Ungarn kann keine Musikhochschule Rumäniens recht ausbilden, und selbst noch das Suchen einer Blockflöte spielenden Person, die ein Vergleichen mit Bläserin Szilágyi Emese aus dem gleichem Nachbarland im Westen nicht zu fürchten braucht, ist in der heimischen Szene nicht immer ganz einfach. Kirchenmusikerin Alina Rotaru aus ihrer Wahlheimat Bremen am begleitenden Virginal und der Temeswarer Kontrabass-Profi Arthur Balogh an der Viola da gamba leisteten vor stimmiger Kulisse in Hermannstadt/Sibiu ihr Übriges für den Erfolg, den sich das um Caius Hera versammelte Renaissance-Quintett während 12 Konzerten an ebenso vielen Tagen und Orten erarbeitete. Auch für diesmal hatten alle Aufführenden sich samtrote Kleidung auf Maß mit goldfarbenen Verzierungen im anspruchsvollen Schnitt früher Jahrhunderte übergestreift, und noch dazu äußerte sich das Musik-Programm leichtgängiger als die sperrigere Kost des Traktats von Hans Judenkünig aus ähnlicher Epoche, womit Caius Hera sowie drei Mitspieler eine Gastspielreise im Sommer 2025 unternommen hatten. Vielleicht wäre es von Vorteil gewesen, den Zuhörern die Bitte ans Herz zu legen, sich allen Applaus für das Finale aufzuheben. Denn das instrumental wie gesanglich durch Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, England, Polen und Transsylvanien leitende Konzert bestand aus nicht weniger als 25 Tänzen, Liedern, Paradestückchen und Fantasien. Das häufige Klatschen unterbrach den Fluss – oder war es instinktive Reaktion eines Publikums, das sich nach so etwas wie Auflockerung zwischendurch sehnte, um aufmerksam bis zum Schluss eines Programms durchhalten zu können, das sich auf das 16. und 17. Jahrhundert beschränkte? Die Entscheidung von Caius Hera, als Zugabe noch ein weiteres Mal das Madrigal „A lieta vita“ singen und spielen zu lassen, saß genau richtig – und dürfte Ohren, die immer schon den protestantischen Choral „In dir ist Freude” zu hören gewohnt sind, mitunter überraschend über seinen Ursprung in schmissigem statt andächtigem Tempo aufgeklärt haben. Auch das kostenlose Anbieten einer ausführlichen Broschüre und einer CD mit gleichem Programm zum Nachhören daheim erlebte sich als wunderbares Präsent der Aufführenden an ihre Zuhörer. Solch freigiebiges Bewerben könnte der Domäne von Caius Hera bestens in die Karten spielen. Das Publikum mag zwar klein gewesen sein, doch um die Qualität stand es hoch.