--- title: "Fritz fordert Entschuldigung von AfD-Chefin Weidel" url: "https://adz.news/artikel/artikel/fritz-fordert-entschuldigung-von-afd-chefin-weidel" subtitle: "USR-Vorsitzender weist Vorwürfe gegen Rumänen in Deutschland zurück" author: "Dan Cărămidariu" date: "2026-11-05" modified: "2026-11-04" category: "Lokales" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Fritz fordert Entschuldigung von AfD-Chefin Weidel **Temeswar** – Der frühere Temeswarer Bürgermeister und heutige USR-Vorsitzende Dominic Fritz hat die AfD-Chefin Alice Weidel wegen ihrer Äußerungen über rumänische Zuwanderer in Deutschland scharf kritisiert. In einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft auf Deutsch warf er ihr vor, Rumänen pauschal als Sozialbetrüger darzustellen, und forderte eine Entschuldigung. Zugleich kritisierte er die AUR-Partei, die enge Beziehungen zur AfD unterhält. Auslöser war ein Beitrag Weidels auf der Plattform X vom 28. Oktober. Darin schrieb die AfD-Vorsitzende: „Immer mehr Migranten aus Rumänien plündern unser Sozialsystem.“ Als Beispiel nannte sie Magdeburg, wo sich die Sozialausgaben für rumänische Staatsangehörige auf jährlich drei Millionen Euro verzwanzigfacht hätten. Weidel verwies dabei auf eine Fernsehreportage über die Folgen der innereuropäischen Freizügigkeit und forderte eine grundlegende Wende in der deutschen Migrationspolitik. Fritz widersprach dieser Darstellung entschieden. Hunderttausende Rumänen arbeiteten in Deutschland, zahlten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge und trügen damit gerade zu dem System bei, dessen Ausnutzung Weidel ihnen vorwerfe. Als Beispiele nannte er rumänische Ärzte in deutschen Krankenhäusern sowie Pflegekräfte, die ältere Menschen betreuten. Deren Ausbildung sei häufig vom rumänischen Staat finanziert worden. Viele Pflegekräfte ließen zudem ihre eigenen Kinder bei den Großeltern in Rumänien zurück, um in Deutschland arbeiten zu können. Auch die von Weidel angeführten Zahlen aus Magdeburg stellte Fritz in einen größeren Zusammenhang. Die Sozialausgaben für rumänische Staatsangehörige seien zwar deutlich gestiegen, im selben Zeitraum habe sich jedoch auch die Zahl der in der Stadt lebenden Rumänen ungefähr verzwanzigfacht. Die große Mehrheit gehe einer Beschäftigung nach, erklärte der USR-Vorsitzende. Missbrauch im Sozialsystem komme durchaus vor und müsse bekämpft werden. Daraus lasse sich jedoch kein pauschaler Vorwurf gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe ableiten. Fritz warf Weidel vor, Deutschland wolle von den wirtschaftlichen Vorteilen der europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit profitieren, ohne die damit verbundenen sozialen Verpflichtungen anzuerkennen. Die Arbeitskraft rumänischer Beschäftigter sei willkommen, während deren Herkunft zum Gegenstand politischer Angriffe gemacht werde. Selbst ein Rumäne, der täglich zehn Stunden in einem deutschen Schlachthof arbeite, um preiswerte Lebensmittel zu ermöglichen, zeige mehr Anstand als die AfD-Politikerin, erklärte Fritz. Der gebürtige Deutsche verwies dabei auch auf seinen eigenen Lebensweg. Er sei nach Rumänien ausgewandert und von den Bürgern Temeswars zweimal zum Bürgermeister gewählt worden. Inzwischen stehe er wie Weidel an der Spitze einer Oppositionspartei. Er kenne deshalb sowohl die deutsche als auch die rumänische Gesellschaft und wolle nicht hinnehmen, dass Rumänen in Deutschland öffentlich herabgesetzt würden. Die Videobotschaft beschränkte sich allerdings nicht auf die Sozialpolitik. Fritz griff auch eine frühere Äußerung Weidels zur Sicherheitslage in Osteuropa auf. Sie hatte behauptet, die NATO habe in Rumänien nahe der russischen Grenze atomwaffenfähige Raketensysteme stationiert. Fritz bezeichnete dies als Übernahme russischer Propaganda und verwies auf das Raketenabwehrsystem von Deveselu, das dem Schutz der NATO-Ostflanke diene. Rumänien leiste damit auch einen Beitrag zur Sicherheit Deutschlands. Zum Schluss wandte sich Fritz an die AUR. Er warf ihr vor, die AfD als politischen Verbündeten zu betrachten, zugleich aber zu schweigen, wenn deren Vorsitzende rumänische Staatsbürger angreife. Die AUR müsse sich fragen lassen, weshalb sie ihre deutschen Partner nicht zur Rede stelle. Er selbst werde zu solchen Äußerungen nicht schweigen, erklärte Fritz.