--- title: "Geschichte, um die Welt von heute zu verstehen" url: "https://adz.news/artikel/artikel/geschichte-um-die-welt-von-heute-zu-verstehen" subtitle: "Dokumentarfilmprojekt mit Jugendlichen in Hermannstadt" author: "Aurelia Brecht" date: "2026-10-23" modified: "2026-10-22" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Geschichte, um die Welt von heute zu verstehen ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/Gruppenfoto_Goethe-Projekt_Hermannstadt.jpg) *Die Hermannstädter Schülergruppe mit den Organisatorinnen Dana Stanciu-Păscărița (Bildmitte, stehend), Regisseurin Laura Căpățâna (vordere Reihe, links) und Smaranda Sofran (vordere Reihe, rechts) und Susanne Becker (hintere Reihe) vom Goethe-Institut Bukarest Foto: Goethe-Institut* **Hermannstadt** – Unter dem Motto „Meine Familie und meine Nachbarn. Ein Dokumentarfilmprojekt für Jugendliche zur Geschichte der Deutschen in Rumänien“ trafen sich Ende vergangener Woche zwölf Schülerinnen und Schüler des Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt/Sibiu. Vom 12. bis 16. Oktober fand nunmehr der zweite Teil des Projekts statt, eine Kooperation des Goethe-Instituts, des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt und der Hermannstädter Lucian-Blaga-Universität. Der erste Teil hatte bereits im Juni mit einem Workshop stattgefunden, an dem Schülerinnen und Schüler von der Honterus-Schule in Kronstadt/Brașov mitarbeiteten. Neben der Vermittlung eines Theorieteils, in der die Geschichte der Siebenbürger Sachsen, aber auch die Deportation sowie das Alltagsleben im Kommunismus und die Wende thematisiert wurden, lernten die Jugendlichen auch Praktisches: Interviewführung mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Bildgestaltung, Kameraarbeit, Tonaufnahme und dokumentarisches Erzählen. Auch das Drehen von Filmszenen und Schnittarbeit standen auf dem Programm. Die Jugendlichen in Hermannstadt befragten vier Zeitzeuginnen und Zeitzeugen: Monika Hay, Direktorin der Brukenthalschule, sprach über Bildungsarbeit in deutscher Sprache, die Journalistin und Forscherin Hannelore Baier über den Freikauf der Rumäniendeutschen. Der ehemalige Vorsitzende des Hermannstädter Forums, Hans Klein, referierte über die Wende in Rumänien und darüber, wie die deutsche Gemeinschaft in Rumänien heute organisiert ist. Mit dem Historiker Zeno Pinter sprachen die Jugendlichen über das mittelalterliche Siebenbürgen. Die Gesprächspartner der Kronstädter Jugendlichen waren der Journalist Dieter Drotleff, die Geschäftsführerin des Geschäfts „Inspiratio“ Edith Olosz, die Besitzerin des Lokals „Waldkafe“, Mihaela Pop, und der Vorsitzende des Kreisforums, Uwe Leonhard. „Für uns ist es toll, wenn sich Jugendliche von einem frühen Alter an in der Gemeinschaft, in der sie leben, engagieren. Da hier die siebenbürgisch-sächsische Minderheit sehr stark präsent ist, war das für uns eine schöne Gelegenheit, dass sich die Schüler künstlerisch damit auseinandersetzen. Dabei erfahren sie etwas über die Geschichte der Minderheit, wie wichtig das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Ethnien ist und dass sie eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ziehen“, so Smaranda Sofran, Koordinatorin für Projekte der Deutschen Minderheit am Goethe-Institut Bukarest. Für Dana Stanciu-Păscărița, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Lucian-Blaga-Universität, war die Vermittlung des historischen Kontextes an die Jugendlichen zentral: „Ich kann mir vorstellen, dass sie mehr über Geschichte lernen und realisieren, wie wichtig sie auch für unser Alltagsleben heute ist. Ich finde es wichtig, dass sie die Gesellschaft und die Welt heutzutage verstehen.“ Aus den insgesamt acht Interviews der Hermannstädter und der Kronstädter Schülerinnen und Schüler entsteht nun ein Film, der eine Geschichte bildet. Der fertige Film soll noch dieses Jahr in einem Kino in Kronstadt oder Hermannstadt gezeigt werden.