--- title: "Giorgio de Chirico erstmals in Rumänien zu sehen" url: "https://adz.news/artikel/artikel/giorgio-de-chirico-erstmals-in-rumaenien-zu-sehen" author: "Raluca Nelepcu" date: "2026-10-27" modified: "2026-10-26" category: "Lokales" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Giorgio de Chirico erstmals in Rumänien zu sehen **Temeswar** – Werke des italienischen Malers und Bildhauers Giorgio de Chirico (1888–1978) werden erstmals in Rumänien in einer umfangreichen Ausstellung präsentiert. Unter dem Titel „Giorgio de Chirico: Der Sinn des urbanen Raums. Pittura metafisica“ zeigt das Nationale Kunstmuseum Temeswar/Timișoara (MNArT) vom 27. November bis zum 11. April nächsten Jahres rund 50 Originalwerke aus der Sammlung der Giorgio-und-Isa-de-Chirico-Stiftung in Rom. Zu sehen sind Ölgemälde und Bronzeskulpturen eines der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung findet im Rahmen des Kulturjahres Italien-Rumänien 2026 statt und gehört zum Museumsprogramm „Europäische Wurzeln – Geschichte und Mythos“. Finanziert wird das Projekt vom Temescher Kreisrat und organisiert vom Nationalen Kunstmuseum Temeswar in Zusammenarbeit mit Civita Mostre e Musei. Die Schirmherrschaft übernehmen unter anderem die italienische Botschaft in Bukarest, die rumänische Botschaft in Rom sowie der Kulturausschuss der italienischen Abgeordnetenkammer. Kuratiert wird die Ausstellung von Professor Fabio Benzi, Präsident der Giorgio-und-Isa-de-Chirico-Stiftung, und Museumsdirektor Filip Petcu. Giorgio de Chirico gilt als Begründer der metaphysischen Malerei, der sogenannten „pittura metafisica“. Seine Werke zeichnen sich durch menschenleere Plätze, monumentale Architektur, ungewöhnliche Perspektiven und lange Schatten aus. Vertraute städtische Räume verwandeln sich darin in geheimnisvolle Szenerien, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Seine Bildsprache beeinflusste maßgeblich die Entwicklung des Surrealismus. Die Temeswarer Ausstellung widmet sich vier zentralen Themen seines Schaffens: den italienischen Plätzen, dem metaphysischen Raum, der Schaufensterpuppe als künstlerischem Motiv sowie dem Dialog mit der Vergangenheit. Gleichzeitig soll eine Verbindung zwischen de Chiricos Bildwelten und der Architektur Temeswars hergestellt werden. Insbesondere der Domplatz mit seinen barocken Fassaden und der Dreifaltigkeitssäule sowie der Opernplatz dienen dabei als Bezugspunkte. Die architektonischen Perspektiven, das Zusammenspiel von Licht und Schatten und die monumentalen Gebäude der Stadt weisen Parallelen zu den imaginären Plätzen des italienischen Künstlers auf. „Wir möchten, dass die Temeswarer zu Hause Zugang zu Ausstellungen erhalten, für die sie sonst in die großen europäischen Städte reisen müssten“, erklärte der Temescher Kreisratsvorsitzende Alfred Simonis. Investitionen in die Kultur seien ebenso notwendig wie jene in Infrastruktur, Gesundheit oder Bildung.