--- title: "Großwardein rüstet gegen Vandalismus mit künstlicher Intelligenz auf" url: "https://adz.news/artikel/artikel/grosswardein-ruestet-gegen-vandalismus-mit-kuenstlicher-intelligenz-auf" author: "Arthur Glaser" date: "2026-10-23" modified: "2026-10-22" category: "Lokales" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Großwardein rüstet gegen Vandalismus mit künstlicher Intelligenz auf **Großwardein** – Beschädigte Spielplätze, gestohlene Pflanzen und beschmierte Gebäude: Vandalismus verursacht in Großwardein/Oradea zunehmend Schäden an öffentlichem Eigentum. Die Stadtverwaltung reagiert mit einem Ausbau der Videoüberwachung und setzt dabei verstärkt auf künstliche Intelligenz (KI). Ein neues Analysesystem soll verdächtige Veränderungen automatisch erkennen und die Polizei alarmieren. Wie aus Angaben der Stadtverwaltung hervorgeht, beliefen sich die Schäden in Parks im vergangenen Jahr auf 43.800 Lei – fast siebenmal so viel wie 2024. Auch 2026 wurden zahlreiche öffentliche Einrichtungen beschädigt. So wurde im August der Musikbrunnen im Park des 1. Dezember noch vor seiner Einweihung beschädigt. Im September fiel der Aufzug in der Unterführung am Mihai-Viteazul-Platz nach einer Beschädigung der Grundplatte aus. Die Stadt hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 1,5 Millionen Euro in die Videoüberwachung investiert. Derzeit sind 832 Kameras aktiv. Ein Vertrag mit Digi România im Wert von 1,8 Millionen Lei sieht bis 2027 die Installation von 250 weiteren Kameras vor. Zusätzlich stehen 16 mobile, mit Photovoltaikmodulen betriebene Kameras zur Verfügung, die je nach Bedarf an verschiedenen Orten eingesetzt werden können. Trotz dieser Ausstattung bleibt die Aufklärung von Sachbeschädigungen schwierig. Zwischen 2025 und 2026 konnten mithilfe der Aufnahmen lediglich acht Fälle von Vandalismus aufgeklärt werden. Die Täter müssen häufig mühsam von Kamera zu Kamera verfolgt werden. Eine automatische Gesichtserkennung kommt aus Datenschutzgründen nicht infrage. „Es bringt nichts, 1000 Kameras zu haben, wenn keine Software die Bilder in Echtzeit auswertet, damit wir die Vandalen auf frischer Tat ertappen können“, sagt Samuel Milian, Leiter der örtlichen Polizei. Ein weiteres Problem ist die begrenzte Überwachungskapazität. In der gemeinsamen Leitstelle der örtlichen Polizei und des Parkdienstes werden die Bilder von mehr als 800 Kameras auf neun großen Bildschirmen nacheinander angezeigt. Eine lückenlose Live-Beobachtung ist nicht möglich. Abhilfe soll ein neuer Videoanalyse-Server schaffen, den die Stadtverwaltung im Oktober in Betrieb genommen hat. An das System sind zunächst 25 Kameras mit KI-Software angeschlossen. Die Programme lassen sich je nach Bedarf auf andere Kameras übertragen. Der erste Anwendungsbereich ist die Kontrolle des ruhenden Verkehrs. Die Software erkennt Fahrzeuge, die unzulässig auf Gehwegen parken, liest deren Kennzeichen und erstellt Fotos. Außerdem füllt sie den Bußgeldbescheid vorab aus. Der zuständige Polizist muss die Angaben anschließend überprüfen. Nach ersten Tests im Bereich der Republicii- und der Dunării-Straße soll das System auf weitere Stadtgebiete ausgeweitet werden. Die entscheidende Bewährungsprobe steht allerdings noch aus: die automatische Erkennung von Vandalismus. Derzeit wird die Technik im Park des 1. Dezember getestet. Die Kameras sollen ungewöhnliche Veränderungen registrieren, etwa wenn jemand in den Brunnen steigt, eine Schaukel beschädigt oder eine Rutsche zerstört. In solchen Fällen erscheint automatisch eine Meldung mit dem entsprechenden Bild auf den Monitoren der Leitstelle. Die Mitarbeiter sollen daraufhin Polizeistreifen verständigen, die vor Ort eingreifen und die Täter möglichst auf frischer Tat ertappen können. Ob die künstliche Intelligenz die Aufklärung tatsächlich beschleunigt und weitere Schäden verhindert, werden die kommenden Monate zeigen. Die Stadtverwaltung setzt jedenfalls darauf, dass künftig nicht mehr allein die Zahl der Kameras zählt, sondern vor allem deren Fähigkeit, verdächtige Vorgänge rechtzeitig zu erkennen.