--- title: "„Wir möchten im Dorf anpacken“" url: "https://adz.news/artikel/artikel/wir-moechten-im-dorf-anpacken" subtitle: "Dem alten Bahnhof von Alzen winkt die Chance, auch im nächsten Jahrhundert noch zu stehen" author: "Klaus Philippi" date: "2026-10-21" modified: "2026-10-20" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # „Wir möchten im Dorf anpacken“ ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/e/d/csm_Ambulanta_pentru_Monumente_Bahnhofsgebaeude_Alzen_1f3bffdd60.jpg) *Auch bei Regenwetter brachen Ștefan Vaida und Freiwillige der „Ambulanța pentru Monumente“ die Arbeit am Dach vom alten Bahnhof in Alzen erst in dem Augenblick ab, wenn es regelrecht vom Himmel schüttete. Foto: Klaus Philippi* **Hermannstadt** – 3000 Stück Dachziegeln vom Patent Bohn 272 aus Kikinda im heutigen Serbien und früheren Jugoslawien waren für die Restaurierung eines Schuppens der Schmalspurbahn durch das Harbachtal/Mocănița Văii Hârtibaciului in Arad aufgetrieben und eingekauft worden: seit Sonntag, dem 27. September, steht er wieder wie neu an seinem Platz neben dem Stationshaus Cornățel, und 250 Stück Ziegeln wurden auch am Dach vom Haus Nummer 111 in Alzen/Alțîna verbaut, das es beinah genauso dringend nötig hatte. Zugverkehr natürlich verwaltet das kleine Bahnhofsgebäude längst nicht mehr, doch wohnt darin ein verarmtes Bauern-Ehepaar ungarischer Muttersprache aus dem Kreis Muresch, das sich vor 40 Jahren auf der Suche nach Arbeit und besserem Lebensunterhalt in den damals noch betont siebenbürgisch-sächsisch bewirtschafteten Dörfern des Harbachtals niedergelassen hatte. „2000 bis 2500 Stück Ziegeln insgesamt zählt das Dach“, errechnete Ștefan Vaida einige Tage vor Fertigstellung der Generalüberholung von Dachstuhl und -Haut durch die „Ambulanța pentru Monumente“, für die an erster Stelle zwar der Baudenkmal-Charakter des Bahnhofs zählte, wovon aber auch die ihn bewohnenden Hausleute profitieren. Ganze zwei Wochen dauerte die Restaurierung des symmetrischen Satteldachs, an der sich täglich bis zu zehn Freiwillige beteiligten und sämtliche 115 Jahre alten Ziegeln in nicht mehr gutem Zustand austauschten. „Von jetzt an wird es nochmal 115 Jahre halten“, versicherte Ștefan Vaida stolz, als eine der beiden Flächen fast vollständig ihr neuestes Aussehen inklusive frischen Balken, Sparren und Brettern über dem Giebel erhalten hatte. Das Gros der Kosten gestemmt hat die Yardi-Software-Gesellschaft, und für neues Holz in ausreichender Menge sorgte der Freundesverein der „Wusch“ – die regional sehr eifrigen „Prietenii Mocăniței“. „Wir möchten im Dorf anpacken“, führt Restaurator Ștefan Vaida ehrgeizig aus. Denn der Verein der Freiwilligen, die sich regelmäßig in ihrem 1906 erbauten Dorfhaus treffen, das am letzten September-Sonntag nach anstrengender Langzeitrestaurierung schlussendlich wieder eingeweiht wurde, will auch manche Fußwege, den alten Brunnen allein mit Betondeckel und ganz ohne Stube am Bahnhof, die siebenbürgisch-sächsische Mühle, zwei Brücken und sehr gerne auch den überdachten Treppenaufgang der Kirchenburg von Alzen gründlichst und fachgerecht wieder auf gebrauchsfertigen Zustand zurückführen. Mindestens diese fünf Vorhaben zählt Ștefan Vaida auf. Und die Hausleute, die den Bahnhof bewohnen? „In den 90er-Jahren waren sie die einzige ungarische Familie im Ort. Heute gibt es fünf.“