--- title: "Die Eventausstellung „Picasso en visite“ zeigt 69 Werke zum ersten Mal in Rumänien" url: "https://adz.news/artikel/artikel/die-eventausstellung-picasso-en-visite-zeigt-69-werke-zum-ersten-mal-in-rumaenien" subtitle: "Ein Gespräch mit Raluca Selejan, Kommunikationsbeauftragte bei ArtEncounters" author: "Andreea Oance" date: "2026-09-23" modified: "2026-09-23" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Die Eventausstellung „Picasso en visite“ zeigt 69 Werke zum ersten Mal in Rumänien ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/Picasso_en_visite.jpg) ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/Picasso_en_visite_2.jpg) *Infos zu Eintrittskarten und Anmeldung unter: artencounters.ro/expozitie/picasso-en-visite/ Fotos: ArtEncounters* ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/Picasso_en_visite_3.jpg) **Pablo Picasso ist in Temeswar/Timișoara angekommen. Nicht nur durch Reproduktionen, Bildbände oder Geschichten über einen der bedeutendsten Namen der modernen Kunst, sondern durch eine Ausstellung, die erstmals in Rumänien 69 Werke aus der Sammlung des Picasso-Museums in Antibes präsentiert. Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, Lithografien und Keramiken lassen die Zeit wiederaufleben, in der der Künstler Antibes, das Licht des Mittelmeers und eine Reihe von Themen entdeckte, die für sein Werk von entscheidender Bedeutung werden sollten. „Picasso en visite“ wurde am 17. September 2026 bei Art Encounters eröffnet und kann bis zum 17. Januar 2027 besichtigt werden. Die Ausstellung wird von Jean-Louis Andral, dem Direktor des Picasso-Museums in Antibes, kuratiert und markiert symbolisch den 80. Jahrestag des Tages, an dem Picasso zum ersten Mal das Château Grimaldi in Antibes betrat. Über die Geschichte der Ausstellung, den neuen Ausstellungsraum von ArtEncounters, die Bildungsprogramme und darüber, wie eine Picasso gewidmete Ausstellung das Publikum an moderne und zeitgenössische Kunst heranführen kann, hat ADZ-Redakteurin Andreea Oance mit Raluca Selejan, Kommunikationsbeauftragte bei ArtEncounters, gesprochen.** **Wie begann die Geschichte der Ausstellung „Picasso zu Besuch“ in Temeswar?** Die Idee einer Picasso-Ausstellung in Temeswar entstand letztes Jahr bei der „Nacht der Philosophie“, als Jean-Louis Andral, der Leiter des Picasso-Museums in Antibes, einen Vortrag über Kunst und Philosophie bei uns in der Stadt hielt. Picassos Geschichte mit Antibes geht eigentlich von der ganz besonderen Beziehung zum Süden Frankreichs aus. Der Künstler reiste viel in diese Gegend, die ihn sehr inspirierte. Im Jahr 1946, in der schwierigen Nachkriegszeit, kam Picasso nach Antibes. Michel Sima erfuhr, dass sich der Künstler dort aufhielt, und schlug dem Kustos des Grimaldi-Museums vor, Picasso einen Raum zum Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Die beiden trafen sich im August 1946, und am 17. September bezog Picasso den Raum, der ihm im Museum zur Verfügung gestellt wurde, und begann zu arbeiten. Inspiriert vom Licht des Mittelmeers, von der Mythologie, vom Atelier, von Museen, von Stillleben und vom Alltag arbeitete er hier sehr viel und hinterließ zahlreiche Werke. Viele dieser Werke wurden später dem Museum gestiftet, und 1966 beschloss die Stadtverwaltung, den Namen des Museums in „Musée Picasso Antibes“ zu ändern, womit es zum weltweit ersten Museum wurde, das dem Künstler gewidmet war. Es gibt also einen sehr schönen Zusammenhang zwischen der Geschichte Picassos und der Eröffnung der Ausstellung in Temeswar. Dass wir die Ausstellung am 17. September eröffnen, genau 80 Jahre nachdem Picasso zum ersten Mal das Château Grimaldi betrat, war nicht geplant. Es ist ein Zufall, der uns sehr gefällt, vor allem weil Picasso ein Künstler war, der Zufälle, den Zufall und Dinge, die sich von selbst ereignen, liebte. **Was bietet die Ausstellung in Temeswar konkret?** Es sind 69 Werke, die bisher noch nie in Rumänien ausgestellt wurden. Die Ausstellung beleuchtet eine besondere Phase sowohl im persönlichen als auch im künstlerischen Leben Picassos. Der Ausstellungsparcours ist um mehrere Themen herum aufgebaut: das Atelier, Stillleben, Musen, Tiere, Porträts. Es ist auch die Zeit, in der Picasso Françoise Gilot kennenlernt und eine Beziehung mit ihr beginnt. Ein Aspekt, der meiner Meinung nach viele Besucher überraschen wird, ist die Keramik. Picasso hat in dieser Zeit viel experimentiert, und Sie werden Keramikobjekte sehen können, die der breiten Öffentlichkeit vielleicht nicht so bekannt sind. **Wie kam es zur Auswahl der 69 Werke?** Kurator der Ausstellung ist Jean-Louis Andral, Leiter des Picasso-Museums in Antibes. Die Auswahl hing auch stark von den Bedingungen ab, die wir in den Ausstellungsräumen gewährleisten können. Um solche Werke ausstellen zu können, wurden die Räumlichkeiten von ArtEncounters auf internationalen Museumsstandard gebracht. Dabei spielen Lichtintensität, Temperatur, Konservierung und Sicherheit eine wichtige Rolle. Selbst während des Besuchs wird die Beleuchtung geregelt und zu bestimmten Zeiten gedimmt, da ein Werk nicht unbegrenzt dem Licht ausgesetzt werden darf. Auch die Temperatur ist wichtig. In der Ausstellung ist es recht kühl, gerade weil die Werke auf Leinwand und die Keramiken bestimmte Bedingungen benötigen. Daher empfehle ich den Besuchern, sich mit einem Pullover auszustatten. **Wie kann das Publikum die Ausstellung entdecken?** „Picasso en visite“ ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Einlass erfolgt im Halbstundentakt, da sich nicht mehr als 70 Personen gleichzeitig in der Ausstellung aufhalten dürfen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Besuch nur 30 Minuten dauert. Jeder kann so lange bleiben, wie er möchte, um die Werke zu entdecken. Zur Ausstellung gehört auch ein Audioguide in fünf Sprachen. Besucher können einen QR-Code scannen und sich die Geschichte Picassos, seines Lebens und seines Schaffens von mehreren Schauspielern vorlesen lassen. Der Audioguide ist auf Rumänisch, Englisch, Deutsch, Ungarisch und Serbisch verfügbar. Das ist uns sehr wichtig, denn wir möchten, dass die Ausstellung einem möglichst breiten Publikum zugänglich ist. **Der neue Raum „ArtEncounters“ ist seinerseits eine wichtige Neuheit für Temeswar. Was finden wir hier neben der Ausstellung?** „ArtEncounters“ ist in eine neue Phase eingetreten. Das gesamte Gebäude auf dem Take-Ionescu-Boulevard ist nun den Aktivitäten von „ArtEncounters“ gewidmet. Im Erdgeschoss befinden sich eine Kunstbuchhandlung, eine kleine Galerie für junge Künstler und experimentelle Projekte, ein Café, eine Bibliothek sowie ein Raum für Veranstaltungen und das Bildungsprogramm. Außerdem haben wir einen Garten hinter dem Haus. Das Erdgeschoss ist frei zugänglich für die Öffentlichkeit. Im Obergeschoss befinden sich die Ausstellungsräume, die so umgestaltet wurden, dass sie groß angelegte Ausstellungen wie „Picasso en visite“ beherbergen können. Wir möchten, dass solche Ausstellungen für die breite Öffentlichkeit regelmäßig in Temeswar stattfinden und dass wir um sie herum ein lebendiges Kulturzentrum aufbauen. **Bildung ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Programms. Was haben Sie in dieser Hinsicht vorbereitet?** Wir bieten ein Bildungsprogramm rund um die Picasso-Ausstellung an, im Rahmen dessen Schulen von Dienstag bis Freitag zwischen 10 und 13 Uhr kostenlos mit ihrer Klasse zu uns kommen können. Eine Gruppe darf maximal 30 Schüler umfassen. Diese erhalten eine Führung durch einen unserer Vermittler und begeben sich anschließend in den Bildungsbereich, wo sie an einem etwa 30-minütigen Workshop teilnehmen. Insgesamt dauert der Besuch also eine Stunde: 30 Minuten in der Ausstellung und 30 Minuten für die Aktivität. Für Lehrer haben wir zudem eine eigene Veranstaltung vorbereitet, bei der sie die Ausstellung erkunden und Materialien sowie Anregungen erhalten können, wie sie den Besuch ihrer Schüler vorbereiten und die Diskussion über Picasso im Unterricht fortsetzen können. **Die Ausstellung scheint bereits ein Publikum über Temeswar und sogar über Rumänien hinaus zu haben.** Ja. Wir freuen uns sehr über das Interesse aus Serbien und Ungarn. Schon vor der Eröffnung der Ausstellung wurden Eintrittskarten an Besucher aus Serbien verkauft, und es gibt Reiseveranstalter, die Busreisen nach Temeswar zu kulturellen Veranstaltungen organisieren. Auch die Presse in Serbien und Ungarn zeigt Interesse an der Ausstellung. Wir haben bereits Anfragen für Reportagen erhalten und was uns besonders freut, ist, dass es auch Lehrer aus Serbien gibt, die mit Schülergruppen kommen möchten. Deshalb war es uns wichtig, dass der Audioguide auch auf Serbisch und Ungarisch verfügbar ist. **Zur Ausstellung gibt es auch einen Katalog.** Ja. Es handelt sich um einen zweisprachigen Katalog in Rumänisch und Englisch, der von Oana Doboși herausgegeben und vom Verlag ArtEncounters veröffentlicht wurde. Er enthält Texte von Jean-Louis Andral und Diana Marincu und ermöglicht eine Vertiefung der Ausstellungsthemen. Der Katalog gibt nicht einfach nur wieder, was Sie im Ausstellungsraum sehen, sondern geht tiefer auf die Themen der Ausstellung ein und präsentiert auch Werke, die in Temeswar nicht ausgestellt sind. Er kann bei ArtEncounters erworben und über die Ticket-Website bestellt werden. **Im Erdgeschoss gibt es außerdem das Programm „Focus“, das jungen Künstlern gewidmet ist. Wie tritt die zeitgenössische Kunst in einen Dialog mit Picasso?** Der „Focus“-Bereich ist jungen Künstlern und experimentellen Projekten gewidmet. Die erste Ausgabe, die parallel zur Picasso-Ausstellung stattfindet, wird in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Kunst und Design der UVT organisiert und präsentiert vier junge Künstler aus Temeswar. Die Künstler wurden im Rahmen eines offenen Ausschreibungsverfahrens ausgewählt. Kuratorin des Programms ist Georgia Țidorescu, zusammen mit Bogdan Rața seitens der Temeswarer Kunst- und Design-Fakultät und Mihai Totu seitens ArtEncounters. Die Idee ist, dass ihre Werke in einen Dialog mit der Ausstellung im Obergeschoss treten. Besucher, die wegen Picasso kommen, entdecken so auch die zeitgenössische Kunst. Ich glaube, manchmal sagen wir über zeitgenössische Kunst, dass wir sie nicht verstehen, aber sie ist eigentlich auch eine Geschichte. Und zeitgenössische Geschichten lassen sich leichter verstehen, wenn wir uns zunächst mit Geschichten beschäftigen, die wir bereits kennen und die wir als Klassiker betrachten. **Was erwartet das Publikum in den Monaten, in denen die Ausstellung in Temeswar zu sehen sein wird, noch?** Jedes Wochenende werden wir Workshops für Kinder anbieten, die auf verschiedene Altersgruppen zugeschnitten sind. Außerdem bereiten wir Vorträge und Begleitveranstaltungen zur Ausstellung vor, bei denen Gäste über Picasso und die Beziehung zwischen Kunst, Film, Musik und andere Bereiche sprechen werden. Das Programm wird im Laufe der nächsten Monate ausgearbeitet, daher laden wir alle Interessierten ein, die Informationen auf den Kanälen von ArtEcounters zu verfolgen.