--- title: "Temeswarer Künstler bei der Biennale" url: "https://adz.news/artikel/artikel/temeswarer-kuenstler-bei-der-biennale" subtitle: "Aktives Zentrum für experimentelle Kunst im Banat" author: "Iulia Sur" date: "2015-10-28" modified: "2018-10-22" category: "Meinung und Bericht" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Temeswarer Künstler bei der Biennale ![](https://adz.news/fileadmin/news_import/adz-art-encounters.jpg) *Sigma: „Multivision I“ (1978), die erste Multimediainstallation in Rumänien, wurde nach 30 Jahren nachgebaut. Foto: Zoltán Pázmány* Ștefan Bertalan, Constantin Flondor, Peter Jecza, Paul Neagu und Romul Nuțiu sind nur einige der weltweit bekannten Temeswarer Künstler, die derzeit bis zum 31. Oktober in den Ausstellungen der ersten Kunstbiennale für zeitgenössische Kunst in Temeswar/Timișoara – Art Encounters (Kunstbegegnungen) – vertreten sind. Dies, da eines der Ziele von Art Encounters sich darauf bezieht, die Künstler vor Ort aufzufordern, mit der breiteren Künstlergemeinschaft landes- und weltweit zu interagieren und somit besonders die jüngeren Künstlergenerationen zu fördern. Insgesamt zeigen über 100 im In- oder Ausland lebende rumänische Künstler ihre Werke innerhalb der ersten „Kunstbegegnungen“ in der Stadt an der Bega. Die Arbeiten der Temeswarer Künstler sind in über zehn Ausstellungen zu sehen. Eine dieser Ausstellungen ist „Sigma. Cartografierea învățării 1969-1983“ (Sigma. Bildliche Darstellungen des Lernens 1969-1983) im E-Gebäude des City Business Centre – ein erster Versuch, den pädagogischen Teil der ersten rumänischen experimentellen Künstlergruppe Sigma, die zwischen 1979 und 1983 in Temeswar gewirkt hat, zu veranschaulichen. Eine Arbeit der Gruppe – „Multivision I“ (1978) – wurde zum ersten Mal nach 30 Jahren nachgebaut, und ist im Römisch-Katholischen Theologischen Lyzeum „Gerhardinum“ ausgestellt. Zwei ehemalige Sigma-Mitglieder, Iosif Kiraly und Doru Tulcan, zeigen ihre Werke in der Ausstellung „Înregistrarea urmelor (1970-1990)“ (Aufzeichnung der Spuren 1970-1990) in der Jecza-Galerie. Weitere Arbeiten von Sigma-Mitgliedern, die auch außerhalb der Gruppe geschaffen haben, Ștefan Bertalan (1930-2014) und Constantin Flondor, sind im Temeswaer Kunstmuseum in der Ausstellung „Șiruri secvențiale“ (Sequenzreihen) der Berliner Kuratoren Nathalie Hoyos und Rainald Schumacher, zugleich Kuratoren der gesamten Art Encounters, zu sehen. In derselben Ausstellung ist auch einer der bedeutendsten rumänischen zeitgenössischen Künstler, Paul Neagu (1938-2004), vertreten. Neagu hat zwischen 1970-2004 in London gelebt und ist für seine Performances, Plastiken, Zeichnungen, Gemälde, Videos und Fotografien bekannt. Den Sequenzreihen sind ebenfalls sechs Zeichnungen des jüngeren Temeswarer Künstlers und Hochschullehrers Gabriel Kelemen zugeordnet. Eine landesweite Premiere in Temeswar ist auch das erste Performance-Festival in den 1990er Jahren, das in Fotografien in der Ausstellung „Dincolo de Cortina de Fier. Festivalul Zona Europa de Est“ (Jenseits des Eisernen Vorhangs. Das Festival „Zone Osteuropa“) im neuesten Zeitweiligen Museum für Zeitgenössische Kunst in Temeswar dokumentiert wird. Zu den beteiligten Künstlern gehören auch die Temeswarer Sorin Vreme und Ștefan Bertalan. Das Zeitweilige Museum für Zeitgenössische Kunst beherbergt auch „G6 for TM (Six Generations)“ (G6 für TM Sechs Generationen) – eine Ausstellung mit ausschließlich von hiesigen Künstlern angefertigten Werken. Călin Beloescu, Dana Constantin, Suzana Fântânariu, Adriana Lucaciu, Bogdan Rața, Cristian Sida, Dan Vișovan und Leon Vreme sind die Temeswarer Kunstschaffenden, die sechs verschiedene Generationen vertreten. Romul Nuțiu (1938-2012) war ein Künstler und Hochschullehrer, der mehrere Jahrzehnte in Temeswar gelebt und geschaffen hat. Zwei seiner Werke aus den 1970er Jahren sind in der von Nathalie Hoyos und Rainald Schumacher konzipierten Ausstellung „Aparență si Esență“ (Erscheinung und Wesen) in den Timco-Hallen zu sehen. An einem anderen unkonventionellen Ausstellungsort – in der U-Kaserne, ehemals Franz-Joseph-Kaserne, aus dem 18. Jahrhundert – werden in der Ausstellung der Jecza-Galerie Werke der Temeswarer Künstler Peter Jecza (1934-2012), Sorin Vreme und Dan Palade gezeigt. Vertreter jüngerer Künstlergenerationen, wie Aura Bălănescu, Alexandru Boca, Cosmin Haiaș, Marius Jurca, Livia Mateiaș, Liliana Mercioiu Popa, Sorin Oncu, René Renard, Bogdan Tomșa und Nicolae Velciov stellen ihre Arbeiten unter dem Namen „Avanpost“, eine neu gegründete interdisziplinäre Künstlergruppe in Temeswar, in der Ausstellung „Conexiune cu prezentul“ (Verbindung zur Gegenwart) in der Revolutionsgedenkstätte in Temeswar aus.