--- title: "Wenn Lehrer wieder zu Schülern werden" url: "https://adz.news/artikel/artikel/wenn-lehrer-wieder-zu-schuelern-werden" subtitle: "20. Internationaler Banater Lehrertag in Temeswar" author: "Raluca Nelepcu" date: "2026-10-16" modified: "2026-10-15" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Wenn Lehrer wieder zu Schülern werden ![](https://adz.news/fileadmin/user_upload/Banater_Lehrertag.jpg) *Das Lehrerteam, das an dem Erste-Hilfe-Kurs im Rahmen des 20. Internationalen Banater Lehrertags in Temeswar teilgenommen hat Foto: Nikolaus-Lenau-Schule* **Ein Feuer bricht in der Schule aus. Was ist zu tun? Wo befindet sich der nächste Feuerlöscher und wie wird er richtig eingesetzt? Was geschieht, wenn ein Schüler plötzlich bewusstlos zusammenbricht? Und wie verhält man sich bei einem Erdbeben? Fragen, auf die Lehrer im Schulalltag hoffentlich niemals eine Antwort geben müssen. Beim 20. Internationalen Banater Lehrertag am vergangenen Samstag konnten die Teilnehmer in einem der angebotenen Workshops solche Situationen unter fachkundiger Anleitung durchspielen. Mehr als 150 Lehrkräfte waren zu der Veranstaltung nach Temeswar/ Timișoara gekommen, die in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsam gegen Ausgrenzung: Verantwortung im Umgang mit Bullying“ stand. Der Internationale Banater Lehrertag wurde vom Nikolaus-Lenau-Lyzeum mit Unterstützung des Zentrums für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache (ZfL) Mediasch, Zweigstelle Temeswar, des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (DFDB) und weiterer Partner veranstaltet.** Für mich war es eine Premiere. Nach vielen Jahren, in denen ich als Journalistin über Veranstaltungen an der Nikolaus-Lenau-Schule berichtet hatte, nahm ich diesmal selbst als Lehrerin teil. Seit Beginn des neuen Schuljahres stehe ich auch auf der anderen Seite des Klassenzimmers. Der Tag begann im Karl-Singer-Saal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses. Sieben Workshops standen zur Auswahl, jeweils mit höchstens 25 Teilnehmern. Nach der Begrüßung folgten Präsentationen, bevor sich die Lehrer auf die verschiedenen Standorte der Nikolaus-Lenau-Schule und des Lenau-Kindergartens verteilten. Für Daniel Urlea, den neuen Direktor des Nikolaus-Lenau-Lyzeums, war es der erste Internationale Banater Lehrertag in seiner Funktion.Er freute sich über die große Beteiligung und dass zahlreiche Lehrkräfte auch weite Anreisen auf sich genommen hatten. Urlea bedankte sich beim DFDB und den Forumsorganisationen für ihre Unterstützung sowie beim Verein der Freunde der Lenauschule, die u.a. zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatten. Besonders begrüßte er seine Vorgängerin im Amt, Gabriela Simona Mateiu. Anwesend waren u.a. Regine Muszilek seitens der Temeswarer ZfL-Zweigstelle und Karin Müller-Franzen vom Verein der Freunde der Lenauschule. Dann ging der neue Schulleiter auf das diesjährige Rahmenthema ein. „Schule ist nicht nur ein Ort, an dem Wissen vermittelt und Leistung bewertet wird“, sondern auch ein Ort, an dem junge Menschen lernten, miteinander umzugehen, Unterschiede zu akzeptieren und Verantwortung zu übernehmen. Doch nicht alle Kinder und Jugendlichen würden sich in der Schule sicher und angenommen fühlen. Ausgrenzung und Demütigungen könnten tiefe Spuren hinterlassen - nicht nur bei den Betroffenen, sondern in der ganzen Schulgemeinschaft. Gerade deshalb seien die Lehrkräfte gefordert, aufmerksam zu bleiben und rechtzeitig einzugreifen. „Wir als Lehrkräfte können nicht jede schwierige Situation verhindern, aber wir können hinschauen, zuhören, Grenzen setzen und deutlich machen, dass niemand allein gelassen wird“. Es gehe nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern Ausgrenzung vorzubeugen. Der Lehrertag solle deshalb nicht nur fachliche Anregungen vermitteln, sondern auch Raum für offene Gespräche bieten. Zum Auftakt wurde u.a. die Brandenburgische Technische Universität vorgestellt. Dorothée Lampert informierte über die Hochschule, während Sabine Schlattner, Fachberaterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Bukarest, mit Hilfe eines von Schülern erstellten Films einen Einblick in die Schulen mit Deutsch als Muttersprache in Rumänien gab. Schulleiter Daniel Urlea präsentierte zudem die Web-App „EduMento“. **Wenn es in der Schule brennt** Ich hatte mich für den Workshop „Sicherheit in der Schule - Zwischen Erster Hilfe und Prävention von Mobbing“ entschieden, von Biologielehrer Adrian Balog und Deutschlehrerin Andreea Goța geleitet. Dabei ging es vor allem darum, selbst aktiv zu werden. Fachleute des Katastrophenschutzes zeigten uns, wie wir in unterschiedlichen Gefahrensituationen reagieren können. Besonders eindrucksvoll war eine Übung, bei der wir „die Schule anzünden“ durften - natürlich ein kontrolliertes Trainingsfeuer. Unter Anleitung konnten wir selbst versuchen, die Flammen zu löschen. Was einfach klingt, verlangt im Ernstfall einiges an Überwindung. Man muss den Feuerlöscher richtig bedienen, den Löschstrahl gezielt einsetzen, rasch handeln und auf die eigene Sicherheit achten. Auch das richtige Verhalten bei einem Erdbeben stand auf dem Programm. Wie schützt man sich selbst und die Schüler? Wo findet man innerhalb eines Gebäudes Schutz? Die Fachleute erklärten, warum man während der Erschütterungen nicht unkontrolliert ins Freie laufen sollte. Stattdessen gilt es, sich vor herabfallenden Gegenständen zu schützen und unter einem stabilen Tisch Deckung zu suchen. **Erste Hilfe kann Leben retten** Ein weiterer Schwerpunkt war Wiederbelebung. An Übungspuppen konnten wir ausprobieren, wie eine Herzdruckmassage durchgeführt wird. Dabei zeigte sich schnell, dass eine solche Maßnahme körperlich anstrengender ist, als man vermutet. Entscheidend sind der richtige Druckpunkt, ausreichende Drucktiefe und ein gleichmäßiger Rhythmus. Wir lernten außerdem, wie man eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage bringt - Handgriffe, die man vielleicht in einem Erste-Hilfe-Kurs gelernt, inzwischen aber vergessen hat. Sie unter fachkundiger Anleitung aufzufrischen, war besonders hilfreich. Für mich gehörte dieser Workshop deshalb zu den wertvollsten Erfahrungen des Tages. Er machte deutlich, dass Sicherheit in der Schule weit mehr bedeutet als Vorschriften und Evakuierungspläne. Sie beginnt mit Menschen, die im entscheidenden Moment wissen, was sie tun können. **Gemeinsam gegen Ausgrenzung** In anderen Räumen ging es um ein Problem, das Schulen wesentlich häufiger beschäftigt: Mobbing und Ausgrenzung. Mobbing ist längst kein Randthema mehr. Ausgrenzung, Beleidigungen und gezielte Demütigungen können den Schulalltag von Kindern und Jugendlichen nachhaltig belasten. Umso wichtiger ist es, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und einzugreifen. In der Arbeitsgruppe „Gemeinsam gegen Ausgrenzung: Verantwortung im Umgang mit Bullying“, die sich an Erzieherinnen richtete, beschäftigten sich Mariana Crețoni, Loredana Petermann, Romina Kaupa und Timea Baranyai mit Möglichkeiten, Ausgrenzung bereits im Kindergartenalter entgegenzuwirken. Für Grundschullehrer standen zwei weitere Angebote zur Verfügung. Andrada Mazilu leitete den Workshop „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“, Daniela Malanciuc und Gertrude Plettlinger stellten unter dem Titel „Gemeinsam stark - Spiele und Aktivitäten gegen Mobbing“ praktische Möglichkeiten zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls vor. Dass gemeinsames Handeln auch außerhalb des Klassenzimmers erlernt werden kann, zeigten die sportlichen Workshops. Unter der Leitung der Sportlehrer Harald Pinzhoffer und Adrian Cosma, auch stv. Schulleiter, konnte man bei „Mobbingbekämpfung durch Sport“ selbst aktiv werden. Einen ähnlichen Ansatz verfolgten Johannes Köllner und Moritz Schlör mit Spielen zu Teambuilding, Kooperation und Spaß. Ein weiteres Angebot richtete sich an Lehrkräfte, die Deutsch als Muttersprache oder Deutsch als Fremdsprache unterrichten. Die ZfA-Fachschaftsberaterin in Temeswar, Kathrin Krenczer, beschäftigte sich mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Vorbereitung auf das Deutsche Sprachdiplom. Dabei ging es unter anderem um die Erstellung von Arbeitsmaterialien mithilfe digitaler Werkzeuge. **Austausch und neue Erfahrungen** Den Abschluss bildete eine gemeinsame Präsentationsrunde im Festsaal der Nikolaus-Lenau-Schule. Dort konnten die Teilnehmer erfahren, womit sich ihre Kollegen im Laufe des Tages beschäftigt hatten. Der Internationale Banater Lehrertag bot weit mehr als eine klassische Fortbildung. Er war zugleich eine Gelegenheit, Kollegen aus anderen Schulen zu begegnen, Erfahrungen auszutauschen und den eigenen Unterricht aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Für mich als neue Lehrerin war es interessant, selbst wieder die Rolle der Lernenden einzunehmen. Im Unterricht erwartet man von den Schülern Aufmerksamkeit, Mitarbeit und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. An diesem Samstag waren wir Lehrer diejenigen, die Fragen stellten, Übungen durchführten und feststellen mussten, dass manches gar nicht so einfach ist, wie es zunächst aussieht.