--- title: "Zugebissen: Sie werden ernten, was sie säen" url: "https://adz.news/artikel/artikel/zugebissen-sie-werden-ernten-was-sie-saeen" author: "Aurelia Brecht" date: "2026-09-23" modified: "2026-09-23" category: "Startseite" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Zugebissen: Sie werden ernten, was sie säen ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/c/0/csm_Zugebissen_Roger_Parvu_3a2a4bf4f9.jpg) Es ist vollbracht, das Wahljahr in Deutschland ist vorbei. Die letzten Landtagswahlen des Jahres sind abgeschlossen – auch Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben gewählt. Nach dem Ergebnis in Sachsen-Anhalt, mit dem die AfD fast die Möglichkeit erhalten hätte, alleine zu regieren, könnte man fragen: Reicht es nicht? Denn schon wieder sind es die politischen Ränder, die Extreme, die im Trend liegen. Aber Schwamm drüber. Dann sind es eben wieder einmal die kurzen, die einfachen Antworten, die zählen. Als Desaster bezeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz um Punkt 18 Uhr die Ergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern: Die AfD wird stärkste Kraft mit 38,2 Prozent, die SPD holt dank Manuela Schwesig 35,5 Prozent. Die CDU scheitert zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik in einem Landtag an der Fünfprozenthürde. Linke und Grüne ziehen knapp ins Parlament ein. Die AfD frohlockt in Gestalt von Alice Weidel. Und in Berlin stellt sich bei 25,7 Prozent für die Linke die Frage: Wer macht jetzt mit? Werden die SPD und die Grünen Selbstverrat üben und mit der Linken koalieren? Ein bizarrer Wahlkampf mit Parolen wie „Freiheit für Palästina“ oder „Für Neukölln. Für Migration. Für Palästina“ war in den letzten Wochen in der deutschen Hauptstadt zu beobachten. Ein Wahlkampf in Kufiyas. Auch ein Aufruf zur „Wahlintifada“ über Instagram war mit dabei. Liegt Berlin im Nahen Osten? Diese Frage hat bisher niemand beantwortet. Aber anscheinend lassen sich auf diese Art und Weise viele Stimmen sammeln. Kuscheln mit Extremisten inklusive. Die Verkürzung historischer Zusammenhänge ist sowohl weltweit wie auch auf Berlins Straßen wieder „in“. Mehr noch: die diffusen Kontexte, mit denen die Linke Stimmen-Kapital sammelt, scheinen vielen, die ihr Kreuz bei der Linkspartei gesetzt haben, egal zu sein. Frei nach dem Motto: Was kümmert es uns, dass wieder gegen Juden gehetzt wird – wir suchen eine günstige Wohnung... Mehr soziale Gerechtigkeit? Ja, bitte. Aber ohne Ideologie und ohne Programme, die sich noch dazu nicht bezahlen lassen. Das Projekt, das die Linke andenkt, wie die Vergesellschaftung von Wohnungen, ist nicht gegenfinanziert. Im Gegenteil: Das ohnehin haushoch verschuldete Berlin will neue Schulden aufnehmen. Die Abschaffung des Verfassungsschutzes zeugt angesichts der angespannten Situation auf Berlins Straßen von Selbstaufgabe. Mit diesem Unterfangen liegen sie mit der AfD auf einer Linie. Schon länger schlagen Jüdinnen und Juden in Deutschland Alarm. Sie werden wieder vermehrt bedroht, fühlen sich nicht sicher auf deutschen Straßen, sitzen auf gepackten Koffern. Das spiegelte auch die Stellungnahme des Zentralrats der Juden zu den Landtagswahlen. Überall, wo Minderheiten anfangen loszuschreien und bedroht werden, ist Gefahr im Verzug. Egal wo. Dieser Alarm ist Seismograf für die gesellschaftliche Entwicklung, für den Kipppunkt, den Sog nach unten. Auch Rumäniendeutsche wissen das – zumindest sollte es aufgrund ihrer eigenen Geschichte die Mehrheit wissen. Sich blind Extremen anzuschließen, hat im Falle der Rumäniendeutschen zu einer erheblichen Dezimierung geführt – um nicht zu sagen, zu Tod und Verderben. Aber auch in diesen Reihen gibt es Beispiele für Verblendung: So ist der kulturpolitische Sprecher der AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, seines Zeichens Banater Schwabe, ein gutes Beispiel dafür, dass man offenbar aus der eigenen Geschichte wenig lernen kann. Als „Drachentöter unserer Zeit“ bezeichnete er seine Partei. So schwurbelt es und es schwurbelt gewaltig – von rechts wie von links. Aber: Sie werden ernten, was sie säen. Trotz der Herausforderungen auf außen- und innenpolitischer Ebene sollte man immer im Kopf behalten: Die berühmten ideologischen „Ismen“ haben noch nie weitergeholfen. Das haben wir schon ausprobiert.