--- title: "Rund um die Sieben Seen" url: "https://adz.news/artikel/artikel/rund-um-die-sieben-seen" subtitle: "Von einer Wandertour im bulgarischen Rila-Gebirge" author: "Holger Wermke" date: "2011-09-02" modified: "2018-10-22" category: "Tourismus" language: "de" site: "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" --- # Rund um die Sieben Seen ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/8/8/csm_see_01_edface00e3.png) *Die Gegend um die Sieben Seen gehört zu den bekanntesten Wanderrevieren.* ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/8/6/csm_kloster_d2396b5b50.png) *Der Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert ist der einzige erhaltene Teil des alten Rila-Klosters.* ![](https://adz.news/fileadmin/_processed_/e/b/csm_maljowiza_dbe6d1cdf0.jpg) *Blick auf die Schulter des 2729 Meter hohen Maljowiza. Fotos: der Verfasser* Viele Bulgaren zieht es an heißen Sommertagen nicht an den Strand, sondern hinauf ins kühle Gebirge. Mehr als zwei Drittel der Landesfläche sind von Bergen bedeckt. Den höchsten Berg der Balkanhalbinsel finden wir hier genauso wie sanft gerundete Mittelgebirgslandschaften. Das Land bietet ideale Bedingungen für einen Wanderurlaub, was die einheimischen Touristen auch ausgiebig nutzen – Ausländer dagegen trifft man noch selten auf seinen Touren. Wir begegnen erst einmal gar keiner Menschenseele, als wir unseren vierstündigen Aufstieg beginnen. Startpunkt war die Touristenstation Maljowiza am Fuße des gleichnamigen Gipfels im Rila-Gebirge. Das Gebirge liegt ungefähr 80 Kilometer südlich der Hauptstadt Sofia im Südwesten Bulgariens und ist eines von mehreren Massiven, deren Gipfel mehr als 2000 Meter erreichen. Mehrere Hotels und Pensionen buhlen in dem 1700 Meter hoch gelegenen Komplex Maljowiza um die zahlreichen Wochenendtouristen. Mehrere markierte Wanderwege beginnen hier – wir entscheiden uns für den blauen Weg, der sich durch den Buchen- und Fichtenwald hoch zu den Sieben Seen windet. **Über 150 Bergseen** Diese Gletscherseen sind eine der Hauptattraktionen des Rila-Gebirges. Über 150 solcher Seen soll es geben. Sie alle liegen in einer Höhe zwischen 2100 und 2500 Metern. Das Rila ist das höchste Gebirge Bulgariens, 100 seiner Gipfel erheben sich über mehr als 2000 Meter. Spitzenreiter ist der Musala, der mit seinen 2925 Metern nicht nur der höchste Berg Bulgariens, sondern der gesamten Balkanhalbinsel ist. Den Musala sehen wir auf unserer zweitägigen Wanderung jedoch nur von Weitem. Uns zieht es auf den 2729 Meter hohen Nachbargipfel Maljowiza. Dort, wo die letzten kleinwüchsigen Bergkiefern den Kampf gegen Wind und Wetter aufgegeben haben, eröffnet sich eine spektakuläre Berglandschaft. Felsen, Almen und blumenbestandene Wiesen wechseln sich hier oben ab. Pflanzenliebhaber finden Königskerzen, Berg-Löwenmaul, Blaues Sperrkraut oder Alpendost und seltene Heilkräuter wie Arnika. Seit 1992 gehört ein großer Teil des Gebirges zum Rila-Nationalpark, einer der drei Nationalparks in Bulgarien (die anderen sind der Pirin-Nationalpark und der Zentrale Balkan-Nationalpark). 2005 erhielt der Park dank seiner Wildheit, der herausragenden Natur und der guten Tourismuseinrichtungen das Prädikat eines „Pan-Parks“. Europaweit tragen elf Parks diese Auszeichnung, darunter der rumänische Retezat-Nationalpark. **Gutes Netz an Hütten** Das gesamte Gebirgsmassiv ist durchzogen von markierten Wanderwegen. Ihren Verlauf kennzeichnen auf Bäume und Steine gemalte Zeichen sowie Stangen, die Wanderern im Winter zur Orientierung dienen. Gutes Kartenmaterial für das Rila-, aber auch die anderen Massive gibt es in Buchläden in der Hauptstadt Sofia sowie an vielen Tankstellen im Land. In diesen finden wir auch die Hütten des Bulgarischen Tourismusverbandes. Dessen Name führt ein wenig in die Irre: Eigentliches Ziel des 1895 gegründeten Verbandes ist weniger die touristische Vermarktung des Landes, als vielmehr die Förderung des Wandersports in der bulgarischen Bevölkerung. Der Verband betreibt heute 410 Einrichtungen im Land. Die 219 Berghütten – meist mit sanitären Einrichtungen und einem mehr oder weniger umfangreichen kulinarischen Angebot – verfügen über gut 13.000 Schlafplätze. Daneben gibt es noch 26 kleine Schutzhütten. Auch wir steuern eine Hütte des Verbands an – die Ivan-Vazow-Hütte – eine von 17 Hütten im Rila-Gebirge. An Wochenenden sind die 30 Plätze schnell belegt. Viele, meist einheimische Wandergruppen steuern gegen Abend die Zufluchtsstätte an. Die im Sommer mit vier Mitarbeitern besetzte Hütte bietet bescheidenen, aber ausreichenden Komfort. Einfache, deftige Gerichte wie Linsensuppe werden serviert; zum Frühstück gibt es frisch gebrühten Kaffee aus dem Topf. In der jeden Tag neu zusammengewürfelten Runde entwickelt sich rasch ein Gemeinschaftsgefühl – die in der Hütte vorhandene Gitarre wird nicht selten zum Begleiter abendlicher Gesangsrunden. Morgens zerstreuen sich die Einzelwanderer und Gruppen auf den drei hier aufeinandertreffenden Wegen genauso schnell, wie sie am Abend zusammenkamen. Am nächsten Morgen scheint die Sonne, die Sicht ist klar, so wie es der Wanderführer für Juli und August vorhergesagt hat. Tags zuvor behinderten noch dichte Wolken die Sicht. Für Wandertouren seien die beiden Monate am besten geeignet, heißt es in dem Führer, da die Wetterverhältnisse in dieser Zeit am stabilsten sind. Im Rest des Jahres zeigt sich das Wetter wechselhaft - kein Wunder, treffen hier kontinentale Luftmassen auf jene aus dem Mittelmeerraum. In einer Rundtour soll es an diesem Tag über einen Kammrundweg wieder zum Ausgangsort gehen. **Die Wiege der bulgarischen Kultur** Unterhalb der südöstlichen Flanke unseres Weges hebt sich aus dem satten Grün des Fichtenwaldes das Viereck des Rila-Klosters ab. Das orthodoxe Kloster des Heiligen Iwan Rilski wird als Wiege der bulgarischen Kultur bezeichnet und ist heute ein Nationalheiligtum. Seit 1983 steht es auf der Liste des Unesco-Kulturerbes. Gegründet wurde es zwischen 927 und 941 von dem Emeriten Iwan Rilski. Die Türken verschonten das Kloster bei ihrer ersten Eroberung des Gebiets des heutigen Bulgarien im 14. Jahrhundert und ließen die Mönche auch während ihrer 500-jährigen Herrschaft ihrem Glauben nachgehen. Allerdings gab es Plünderungen und Zerstörungen in der Folgezeit: erstmals im 15. Jahrhundert, das zweite Mal legte 1832 ein Großbrand die Anlage in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau geriet zur nationalen Aufgabe in der Zeit der nationalen Aufklärung. Die Gebäude stellte man mit Spenden aus der Bevölkerung wieder her – allerdings strikt in ihren vorherigen Abmessungen, so die Auflage der türkischen Behörden. Einmal dabei, rissen die Mönche ihre alte Klosterkirche ab und errichteten die noch heute existierende repräsentative Kirche. Die Architektur gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der bulgarischen Architektur. Die Malereien an und in der Kirche führten die bedeutendsten bulgarischen Maler der damaligen Zeit aus. Bereits in den Jahrhunderten zuvor beeinflussten die hiesigen Mönche die kulturelle und spirituelle Entwicklung der christlichen Nationen im Osmanischen Reich. Das gleiche gilt für die Architektur: Das Kloster gilt als stilbildend für die gesamte Balkanregion. Von dem Kloster führt ein steiler Weg auf die Schulter des Maljowiza, des zweithöchsten Berges des Rila-Gebirges. Dieser ist an den Sommerwochenenden das Ziel hunderter Tagestouristen. Für den Aufstieg bietet sich der fünf Kilometer lange, direkte Weg vom Maljowiza-Komplex an. Wir sind froh, das wir diesen nur hinunter laufen, der Höhenunterschied beträgt immerhin 1200 Meter und der Marsch ist wegen des Gerölls und der steilen Aufstiege recht beschwerlich. Doch die entgegenkommenden Ausflüger scheint das nicht zu stören. Selbst eine gute Zahl von Rentnern bewältigte den Berg und stieg mit uns ab. Auch im Winter lässt der Trubel nicht nach. Der Wintersportkomplex Borovetz an der Nordseite des Gebirges ist das größte und älteste Skizentrum Bulgariens. Knapp 30 Hotels verfügen über mehr als 4000 Betten. In drei Skigebieten gibt es 58 Kilometer Pisten, auf denen auch internationale Wettkämpfe ausgetragen werden. Viele Bulgaren zieht es an heißen Sommertagen nicht an den Strand, sondern hinauf ins kühle Gebirge. Mehr als zwei Drittel der Landesfläche sind von Bergen bedeckt. Den höchsten Berg der Balkanhalbinsel finden wir hier genauso wie sanft gerundete Mittelgebirgslandschaften. Das Land bietet ideale Bedingungen für einen Wanderurlaub, was die einheimischen Touristen auch ausgiebig nutzen – Ausländer dagegen trifft man noch selten auf seinen Touren. Wir begegnen erst einmal gar keiner Menschenseele, als wir unseren vierstündigen Aufstieg beginnen. Startpunkt war die Touristenstation Maljowiza am Fuße des gleichnamigen Gipfels im Rila-Gebirge. Das Gebirge liegt ungefähr 80 Kilometer südlich der Hauptstadt Sofia im Südwesten Bulgariens und ist eines von mehreren Massiven, deren Gipfel mehr als 2000 Meter erreichen. Mehrere Hotels und Pensionen buhlen in dem 1700 Meter hoch gelegenen Komplex Maljowiza um die zahlreichen Wochenendtouristen. Mehrere markierte Wanderwege beginnen hier – wir entscheiden uns für den blauen Weg, der sich durch den Buchen- und Fichtenwald hoch zu den Sieben Seen windet. Über 150 Bergseen Diese Gletscherseen sind eine der Hauptattraktionen des Rila-Gebirges. Über 150 solcher Seen soll es geben. Sie alle liegen in einer Höhe zwischen 2100 und 2500 Metern. Das Rila ist das höchste Gebirge Bulgariens, 100 seiner Gipfel erheben sich über mehr als 2000 Meter. Spitzenreiter ist der Musala, der mit seinen 2925 Metern nicht nur der höchste Berg Bulgariens, sondern der gesamten Balkanhalbinsel ist. Den Musala sehen wir auf unserer zweitägigen Wanderung jedoch nur von Weitem. Uns zieht es auf den 2729 Meter hohen Nachbargipfel Maljowiza. Dort, wo die letzten kleinwüchsigen Bergkiefern den Kampf gegen Wind und Wetter aufgegeben haben, eröffnet sich eine spektakuläre Berglandschaft. Felsen, Almen und blumenbestandene Wiesen wechseln sich hier oben ab. Pflanzenliebhaber finden Königskerzen, Berg-Löwenmaul, Blaues Sperrkraut oder Alpendost und seltene Heilkräuter wie Arnika. Seit 1992 gehört ein großer Teil des Gebirges zum Rila-Nationalpark, einer der drei Nationalparks in Bulgarien (die anderen sind der Pirin-Nationalpark und der Zentrale Balkan-Nationalpark). 2005 erhielt der Park dank seiner Wildheit, der herausragenden Natur und der guten Tourismuseinrichtungen das Prädikat eines „Pan-Parks“. Europaweit tragen elf Parks diese Auszeichnung, darunter der rumänische Retezat-Nationalpark. Gutes Netz an Hütten Das gesamte Gebirgsmassiv ist durchzogen von markierten Wanderwegen. Ihren Verlauf kennzeichnen auf Bäume und Steine gemalte Zeichen sowie Stangen, die Wanderern im Winter zur Orientierung dienen. Gutes Kartenmaterial für das Rila-, aber auch die anderen Massive gibt es in Buchläden in der Hauptstadt Sofia sowie an vielen Tankstellen im Land. In diesen finden wir auch die Hütten des Bulgarischen Tourismusverbandes. Dessen Name führt ein wenig in die Irre: Eigentliches Ziel des 1895 gegründeten Verbandes ist weniger die touristische Vermarktung des Landes, als vielmehr die Förderung des Wandersports in der bulgarischen Bevölkerung. Der Verband betreibt heute 410 Einrichtungen im Land. Die 219 Berghütten – meist mit sanitären Einrichtungen und einem mehr oder weniger umfangreichen kulinarischen Angebot – verfügen über gut 13.000 Schlafplätze. Daneben gibt es noch 26 kleine Schutzhütten. Auch wir steuern eine Hütte des Verbands an – die Ivan-Vazow-Hütte – eine von 17 Hütten im Rila-Gebirge. An Wochenenden sind die 30 Plätze schnell belegt. Viele, meist einheimische Wandergruppen steuern gegen Abend die Zufluchtsstätte an. Die im Sommer mit vier Mitarbeitern besetzte Hütte bietet bescheidenen, aber ausreichenden Komfort. Einfache, deftige Gerichte wie Linsensuppe werden serviert; zum Frühstück gibt es frisch gebrühten Kaffee aus dem Topf. In der jeden Tag neu zusammengewürfelten Runde entwickelt sich rasch ein Gemeinschaftsgefühl – die in der Hütte vorhandene Gitarre wird nicht selten zum Begleiter abendlicher Gesangsrunden. Morgens zerstreuen sich die Einzelwanderer und Gruppen auf den drei hier aufeinandertreffenden Wegen genauso schnell, wie sie am Abend zusammenkamen. Am nächsten Morgen scheint die Sonne, die Sicht ist klar, so wie es der Wanderführer für Juli und August vorhergesagt hat. Tags zuvor behinderten noch dichte Wolken die Sicht. Für Wandertouren seien die beiden Monate am besten geeignet, heißt es in dem Führer, da die Wetterverhältnisse in dieser Zeit am stabilsten sind. Im Rest des Jahres zeigt sich das Wetter wechselhaft - kein Wunder, treffen hier kontinentale Luftmassen auf jene aus dem Mittelmeerraum. In einer Rundtour soll es an diesem Tag über einen Kammrundweg wieder zum Ausgangsort gehen. Die Wiege der bulgarischen Kultur Unterhalb der südöstlichen Flanke unseres Weges hebt sich aus dem satten Grün des Fichtenwaldes das Viereck des Rila-Klosters ab. Das orthodoxe Kloster des Heiligen Iwan Rilski wird als Wiege der bulgarischen Kultur bezeichnet und ist heute ein Nationalheiligtum. Seit 1983 steht es auf der Liste des Unesco-Kulturerbes. Gegründet wurde es zwischen 927 und 941 von dem Emeriten Iwan Rilski. Die Türken verschonten das Kloster bei ihrer ersten Eroberung des Gebiets des heutigen Bulgarien im 14. Jahrhundert und ließen die Mönche auch während ihrer 500-jährigen Herrschaft ihrem Glauben nachgehen. Allerdings gab es Plünderungen und Zerstörungen in der Folgezeit: erstmals im 15. Jahrhundert, das zweite Mal legte 1832 ein Großbrand die Anlage in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau geriet zur nationalen Aufgabe in der Zeit der nationalen Aufklärung. Die Gebäude stellte man mit Spenden aus der Bevölkerung wieder her – allerdings strikt in ihren vorherigen Abmessungen, so die Auflage der türkischen Behörden. Einmal dabei, rissen die Mönche ihre alte Klosterkirche ab und errichteten die noch heute existierende repräsentative Kirche. Die Architektur gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der bulgarischen Architektur. Die Malereien an und in der Kirche führten die bedeutendsten bulgarischen Maler der damaligen Zeit aus. Bereits in den Jahrhunderten zuvor beeinflussten die hiesigen Mönche die kulturelle und spirituelle Entwicklung der christlichen Nationen im Osmanischen Reich. Das gleiche gilt für die Architektur: Das Kloster gilt als stilbildend für die gesamte Balkanregion. Von dem Kloster führt ein steiler Weg auf die Schulter des Maljowiza, des zweithöchsten Berges des Rila-Gebirges. Dieser ist an den Sommerwochenenden das Ziel hunderter Tagestouristen. Für den Aufstieg bietet sich der fünf Kilometer lange, direkte Weg vom Maljowiza-Komplex an. Wir sind froh, das wir diesen nur hinunter laufen, der Höhenunterschied beträgt immerhin 1200 Meter und der Marsch ist wegen des Gerölls und der steilen Aufstiege recht beschwerlich. Doch die entgegenkommenden Ausflüger scheint das nicht zu stören. Selbst eine gute Zahl von Rentnern bewältigte den Berg und stieg mit uns ab. Auch im Winter lässt der Trubel nicht nach. Der Wintersportkomplex Borovetz an der Nordseite des Gebirges ist das größte und älteste Skizentrum Bulgariens. Knapp 30 Hotels verfügen über mehr als 4000 Betten. In drei Skigebieten gibt es 58 Kilometer Pisten, auf denen auch internationale