„Das Unsichtbare sichtbar machen“

Die Wanderausstellung „Infrarot“ wurde im Spiegelsaal vorgestellt

Die Organisatoren mit ihren Interviewpartnerinnen und -partnern bei der Eröffnung am 9. Juli: V. l. n. r. Jakob Feldmann (Bonn), Eva Maria Carașcă, Luminița Mihai Cioabă, Daniel Cautnic (Bonn), Angela Tomaselli, Hans-Georg Junesch, Beatrice Ungar und Tiberiu Baruch Foto: Aurelia Brecht

Hermannstadt – Die neue Wanderausstellung „Infrarot: Kommunismus aus der Perspektive der nationalen Minderheiten in Rumänien“ stellt Vertreterinnen und Vertreter aus acht nationalen Minderheiten vor. Die dreizehn Interviews, die der Initiator der Ausstellung, Daniel Cautniuc, mit Hilfe der Bonner Studenteninitiative der Fachschaftsredaktion „Das Politicum“ führte, beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Kommunismus auf individueller und kollektiver Ebene. Fünf der Interviewten waren zur Eröffnung der Ausstellung im Spiegelsaal des Forums in Hermannstadt anwesend, darunter Eva Maria Carașcă und Tiberiu Baruch von der jüdischen Gemeinde in Hermannstadt, die Schriftstellerin Luminița Mihai Cioabă von den Roma, die Künstlerin Angela Tomaselli von der italienischen Minderheit sowie Pfarrer Hans-Georg Junesch und die Journalistin Beatrice Ungar von der deutschen Minderheit.

Cautniuc, der in Bonn Politikwissenschaften, Soziologie und Geschichte studiert, betonte, das Projekt sei von dem Wunsch geleitet gewesen, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Die Idee zur Ausstellung habe er gehabt, als er, selbst Hermannstädter, vor Kurzem begonnen habe, in Deutschland zu studieren. Im Austausch mit seinen Kommilitoninnen und Kommilitonen habe er festgestellt, dass es in Deutschland eher unbekannt sei, dass es in Rumänien eine deutsche Minderheit gebe und dass zwanzig nationale Minderheiten in Rumänien existierten. Für ihn sei es wichtig, dass diese Minderheiten mehr Sichtbarkeit bekämen.

Auch um Aufklärung geht es ihm, auch vor dem Hintergrund des Erstarkens extremistischer Strömungen. „Durch eine solche Ausstellung konfrontieren wir unser Publikum mit der harten Realität der kommunistischen Zeit durch die Menschen, die das wirklich erlebt haben.“

Jakob Feldmann, Vorsitzender der Fachschaftsredaktion „Das Politicum“, ergriff ebenfalls das Wort und berichtete den Anwesenden davon, dass das Thema der Ausstellung für die Studierenden in Bonn zunächst wenig greifbar war. Man lebe aktuell in einer schnelllebigen Zeit, voller Krisen, Probleme und Sorgen, die zunächst wichtiger erschienen: „Noch dazu ist in meiner Wahrnehmung vielen Studierenden in Deutschland die Aufarbeitung der Verbrechen, die im Namen des Kommunismus begangen wurden, kein wirklich zentrales Anliegen. Das hat verschiedene Gründe. Es ist natürlich nicht so, als seien die deutschen Studierenden unkritisch. Dennoch habe ich in der Redaktionsarbeit immer unterschiedliche Prioritäten wahrgenommen, wenn es um Aufarbeitung ging. Sicher überschatten in Deutschland die Auseinandersetzung und das Erinnern an die abscheulichen Gräueltaten des Nationalsozialismus die Aufarbeitung der eigenen Erfahrungen mit Kommunismus“, führte Feldmann aus.

Deswegen seien die Erfahrungen, die mit der Ausstellung sichtbar gemacht würden, eine Lehre für alle: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, von den Erfahrungen so detailliert zu berichten und sich so auch wieder selbst mit den eigenen schmerzlichen Erinnerungen auseinanderzusetzen. Ihre Arbeit ist unerlässlich und macht für uns ein tieferes Verständnis für die vielfältigen Repressionen, die Sie und Ihre Familien erfahren haben, erst möglich. Mit Ihrem Beitrag führen Sie insbesondere uns jungen Menschen in Rumänien wie in Deutschland vor Augen, welche Gefahren in autokratischen Bestrebungen liegen, und leisten einen großen Beitrag dazu, dass wir uns unserer Verantwortung in der Gestaltung der Zukunft bewusst werden.“

Die zweisprachige Ausstellung ist noch bis zum 20. September in der Hermannstädter Synagoge zu sehen. Danach wird sie in Temeswar präsentiert, wo sie von Pfarrer László Tökes eröffnet wird. Tökes wurde ebenfalls im Rahmen der Ausstellung interviewt. Im Anschluss wird die Ausstellung in Bukarest und in Berlin gezeigt.