„Für unsere Banater Kirchenmusik ist mir nichts zu viel“

Dr. Franz Metz hat noch einen letzten Banater Konzertsommer für kirchenmusikalische Tradition organisiert

Dr. Franz Metz und Solisten(v.l.n.r.) Krisztián Kelemen, Cristian Ardelean, Sara Busuioc, Julia Vasilache, Julia Szabo, Wilfried Michl in der Lenauheimer Kirche

Über die Leinwand konnte das Publikum die Interpreten beim Domkonzert in Temeswar auch sehen. Fotos: Astrid Weisz

Temeswar/Lenauheim/Radna – Der traditionsreiche „Banater Konzertsommer“ ist in diesem Jahr mit drei kirchenmusikalischen Veranstaltungen in Lenauheim, Temeswar und Maria Radna fortgesetzt worden. Initiator und künstlerischer Leiter der Reihe war erneut der aus dem Banat stammende Organist und Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz. Der frühere Kirchenmusiker der Münchner Pfarreien St. Pius und Maria Ramersdorf befindet sich inzwischen im Ruhestand.

Gemeinsam mit der Sopranistin Iulia Vasilache, der Altistin Iulia Szabo, dem Bariton Wilfried Michl (gebürtiger Orzidorfer), dem Bassisten Cristian Ardelean, der Geigerin Sara Busuioc und dem Organisten der römisch-katholischen Pfarrei Josefstadt, Krisztián Kelemen präsentierte Metz Werke von Johann Michael Haydn, Giuseppe Verdi, Charles Gounod, Charles-Marie Widor, Georg Friedrich Händel, Luigi Bordese und Nicolae Bretan. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten Banater Kompositionen von Anton Leopold Herrmann, Anton Horner, Guido Pogatschnigg und Wenzel Josef Heller.

Den Auftakt machte am 31. Juli ein Konzert in der römisch-katholischen Hl.Theresa-Kirche in Lenauheim, deren Orgel 2024 restauriert worden war. Dort stellte Metz auch die Banater Komponisten vor, deren Werke im Programm vertreten waren. Besonders bewegend war in Lenauheim die Aufführung des „Ave Maria“ von Anton Horner. Der aus Böhmen stammende Musiker und Lehrer wirkte in Pantschowa im heutigen serbischen Banat. Das Werk entstand im Internierungslager Rudolfsgnad, in dem Horner ums Leben kam. Die Partitur sei von einer unbekannt gebliebenen Person gerettet und von ihm erst vor einigen Jahren wiederentdeckt worden, berichtete Metz. Er nutzte jedoch auch die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass die hohe Feuchtigkeit in der Kirche dazu geführt habe, dass er in schimmlige Tasten für das Konzert hat anfassen müssen und erbat bei den anwesenden Organisatoren, so dem Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaft Werner Griebel, Bürgermeister Ilie Suciu und dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat Benjamin Neurohr, mehr Sorge um die Instandhaltung des Gotteshauses zu tragen. Über 50 Musikliebhaber haben das Konzert in Lenauheim gehört und waren dafür aus den Kreisen Temesch und Arad angereist, andere kamen sogar aus Deutschland.

Am 1. August folgte ein Konzert mit den gleichen Werken im Temeswarer Dom zum Heiligen Georg, das jedoch durch die Klangbreite der Wegenstein-Orgel und der Akustik der Kathedrale einen viel festlicheren Charakter hatte. Veranstalter der Konzertreihe sind das Gerhardsforum Banater Schwaben, das Kulturwerk der Banater Schwaben in Bayern, das Römisch-Katholische Bistum Temeswar und das Demokratische Forum der Banater Deutschen, sowie lokale Partner.

Den Abschluss bildete am 2. August die musikalische Gestaltung der Heiligen Messe in der Wallfahrtsbasilika Maria Radna anlässlich der Deutschen Wallfahrt, an der auch die Jahrmarkter Thilo Krapf (Trompete) und Hans Eichinger (Posaune) mitwirkten. Der „Banater Konzertsommer“ ist eng mit der Deutschen Wallfahrt nach Maria Radna verbunden. „Den Banater Konzertsommer gibt es seit der Einführung der deutschen Wallfahrt nach Maria Radna im Jahre 2011“, erklärt Franz Metz. „Der Grund war, unseren Landsleuten, die für den 2. August nach Maria Radna kommen, am Vorabend eine Kostprobe der Banater Kirchenmusik zu geben.“

Im Mittelpunkt hätten immer Werke Banater Komponisten gestanden, vor allem deutscher Komponisten, „deren Werke in den Jahren vor der Wende von 1989 nicht aufgeführt werden konnten und durften“, so Metz. Die Reihe knüpfte zugleich an eine wesentlich ältere Konzerttätigkeit an. Bereits seit 1990 habe er während der Sommerferien jährlich Kirchenkonzerte im Banat veranstaltet, „um den Blick auf die Situation unserer Kirchen und Orgeln zu lenken“.

Seit 1976 kamen nach seinen Angaben mehr als 500 Kirchen- und Orgelkonzerte zusammen. Sie fanden unter anderem in Temeswar, Arad, Neuarad, Lugosch, Großsanktnikolaus, Billed, Guttenbrunn, Lippa, Maria Radna, Winga, Sanktanna, Lenauheim, Hatzfeld, Tschakowa, Orawitza, Reschitza, Weidenthal und Karansebesch statt. Zu den Aufführungsorten gehörten neben römisch-katholischen und evangelischen Kirchen auch die Synagogen von Karansebesch, Lugosch und Temeswar sowie die Stadttheater von Orawitza, Lugosch und Arad.

Mehr als 100 Werke Banater Komponisten wurden dabei aufgeführt, darunter auch Uraufführungen von Kompositionen Martin Lichtfuss’ und Richard W. Oschanitzkys. Zu den Mitwirkenden zählten zahlreiche Solisten aus Rumänien und Deutschland, darunter Wilfried Michl, Alexandra Gu]u, Nicoleta Colceiar, Aura Twarowska, Marius Manyov, Cristian Ardelean, Nina Laubenthal, Simona Negru, Hans Fernbach, Herbert Christoph, Maria Negru-Popan, Sara Busuioc, Corneliu Meici und Franz Tröster.

Für Franz Metz war die diesjährige Ausgabe zugleich mit einer schwierigen persönlichen Entscheidung verbunden. „Es war eine schöne Zeit, auf die ich zurückblicken kann“, sagt er. Die Organisation und Finanzierung der Konzerte hätten zwar viel Mühe gekostet, „aber für unsere Banater Kirchenmusik ist mir nichts zu viel“. Aufgrund seiner gesundheitlichen Situation sei es für ihn inzwischen jedoch immer schwerer geworden, die Reihe fortzuführen. „Ich habe diesen Entschluss nicht leicht gefasst, es kostete mich viel Überwindung. Bereits diese letzten Konzerte haben mir meine Ärzte verboten.“

Damit dürfte der diesjährige „Banater Konzertsommer“ den Abschluss einer jahrzehntelangen Konzerttätigkeit markieren. Das von Franz Metz aufgebaute süd-osteuropäische kirchenmusikalische Archiv soll künftig in Räumlichkeiten der römisch-katholischen Pfarrei Lugosch/Lugoj untergebracht werden. Dort soll das umfangreiche Material zur Banater Kirchenmusik bewahrt und für weitere Forschungen und Aufführungen zugänglich gemacht werden.