Wort zum Sonntag: Gott hat für jeden eine Aufgabe


Predigtwort: Jeremia 1, 4-10:  (4) Und des HERRN Wort geschah zu mir: (5) Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. (6) Ich aber sprach: Ach, HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. (7) Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. (8) Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. (9) Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. (10) Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Am neunten Sonntag nach Trinitatis geht es um die „Anvertrauten Gaben“, die wir von Gott empfangen haben. Im Wochenspruch heißt es: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.” (Lk. 12, 48b)

Als Beispiel haben wir den Propheten Jeremia.  Er war der Sohn des Priesters Hilkija, vom Stamm Benjamin, aus Anatot, nordöstlich von Jerusalem. Im Jahr 627 v. Chr., in der Zeit des Königs Josia, erlebt Jeremia seine Berufung. Vierzig Jahre lang wirkt er von da an als religiöser und politischer Warner und Mahner bis zum Untergang Jerusalems im Jahre 587.

Der Bericht Jeremias über seine Berufung wirft ein helles Licht darauf, dass ein lebendiger Gott die Geschicke der Völker lenkt und gestaltet. Wie geschieht dies? Durch sein allgewaltiges Wort, durch das er „im Anfang Himmel und Erde schuf“.

„Das Wort des Herrn geschah zu mir“ – mit diesen Worten bezeugt Jeremia, dass Gott zu ihm gesprochen und ihn durch sein Wort berufen hat.  Es ist der Gott Israels, es ist der Herr der Weltgeschichte und der Gebieter der Völker, der zu ihm redet. Jeremia erfährt: Noch ehe ich geboren wurde, hat mich Gott erwählt.  Jeremia soll Bote, Botschafter in einer Welt sein, die nach allem fragt, nur nicht nach Gott.

Er wehrt sich, auch weil er um die Aufgaben eines Propheten weiß: Ein Prophet war ein von Gott Gerufener und Berufener. Er hatte den Willen Gottes auszurichten – zur Zeit und zur Unzeit. Er hatte den Menschen Umkehr und Buße zu predigen und – wo nötig – Gericht anzukündigen.

Jeremia bekennt sein Unvermögen. Beides fehlt ihm: die Gabe der Rede sowie die Erfahrung und Reife des Alters. Vermutlich stand er im 25. Lebensjahr, als der Ruf Gottes an ihn erging.   So ist dieser Einwand „Ach Herr, ich bin zu jung“ durchaus verständlich. Doch  weist Gott diesen Einwand zurück: „Sage nicht, ich bin zu jung, sondern gehe zu allen, zu denen ich dich sende und rede alles, was ich dir gebiete.“
Zu diesem Befehl fügt der Herr einen kraftvollen Zuspruch hinzu: „Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin bei dir und will dich retten.“  Dieser Herr lässt seinen Boten nicht allein. Gott will ihn für seinen Dienst. Er hat ihn zum Propheten für die Völker bestellt.

Das Wort des Herrn, das vor 2500 Jahren an Jeremia erging, ergeht heute auch an uns! Wir sind nicht Jeremia!  Keiner von uns hat den Ruf zu solch schwerem Amt bekommen. Aber wie er, sind wir Geschöpfe des großen Schöpfers dieser Welt. Gott hat auch unser Leben mit Gaben ausgestattet. 

Gott hat auch uns beim Namen gerufen. Der Gott, der Jeremia in seinen Dienst stellte, hat auch für jeden von uns eine Aufgabe. Der Herr, der um die Probleme des Jeremia weiß, hält seine schützende Hand auch über unserem Leben.

Denn auch uns gilt diese tröstliche Zusage. Bei jeder Begegnung mit dem Auferstandenen werden wir daran erinnert. Er kommt in unsere Angst fast mit denselben Worten: „Fürchtet euch nicht ! …. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“  (Mt. 28,20)