Buchtipp der Woche

„Der Vorleser“ von Bernhard Schlink

Es ist diejenige Liebesgeschichte, die gleichzeitig mit einem Traktat über den Holocaust und dessen Folgen verflochten ist. Hiermit soll der blendend erzählte Roman „Der Vorleser“ gleich oben auf der Liste stehen, neben all den anderen Klassikern, die man im Leben unbedingt lesen muss.

Der Roman lockt den Leser anfangs mit einer ungewohnten Liebesgeschichte. Im Mittelpunkt steht Hanna - eine Frau Mitte 30, rätselhaft und verführerisch, viel älter als ihr Verehrer. Der 15-jährige dahinträumende Michael Berg glaubt den Traum vieler Jugendlicher zu leben: Eine erfahrene Frau wird seine erste Leidenschaft – die von Schlink voller Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit der Sprache erzählt wird. Eine Kleinigkeit gehört aber immer wieder dazu: Manchmal aus Spaß, manchmal ganz ernst, sie fordert ihn aber immer wieder auf, ihr aus allen möglichen Büchern vorzulesen. „Vorlesen, duschen, lieben und noch ein bisschen beieinander liegen“, das wird zum Ritual. Was der junge Berg aber nie richtig lesen kann, ist das Gesicht seiner Geliebten. Das Gesicht, das ein Geheimnis aufbewahrt, das Michael Berg erst viel später erfährt.

Eines Tages verschwindet Hanna ganz plötzlich aus seinem Leben. Mit der Zeit  wird ihn die Erinnerung an sie nicht mehr begleiten, sie bleibt zurück, so „wie eine Stadt zurückbleibt, wenn der Zug weiterfährt“. Ihr Wiedersehen erfolgt Jahre später, in einem Gerichtssaal. So erfährt Michael Hanna Lebensgeschichte: Sie war bei der SS, bis Frühjahr 1944 Aufseherin in Auschwitz und dann in einem anderen Lager bei Krakau tätig. Sie scheint sogar verantwortlich dafür zu sein, dass mehrere Frauen nach Auflösung des Lagers in einer verschlossenen Kirche verbrannten. Und da wird Michael noch etwas klar: Seine ehemalige Geliebte ist Analphabetin. Mit der Zeit, erkennt er aber, dass sie nicht alle ihr vorgeworfenen Verbrechen begehen konnte, eben weil sie Analphabetin ist. Es scheint aber, dass Hanna ihre Lüge für sich bewahren und ihre lebenslange Haft akzeptieren will. Viel mehr scheint sie, sich für ihre Bildungslücke, als für ihre SS-Vergangenheit zu schämen. Das soll auch Michael begreifen und eben ihre „Lücke“ verschweigen. Mit dem „literarischen Ereignis“, wie die deutsche Zeitschrift „Der Spiegel“ den Roman von Bernhard Schlink bezeichnete, schaffte es der Autor als erster deutscher Schriftsteller auf Platz 1 der Bestsellerliste in der „New York Times“ und zugleich ein anerkannter viel gelobter Literaturerfolg, den man sich nicht entgehen lassen soll.