Bukarest (ADZ) – Präsident Nicușor Dan hat die Fraktionen am Donnerstag zu einer weiteren Konsultationsrunde gebeten. Davor hatte das Staatsoberhaupt jüngst betont, dass die Regierungsbildung nicht weiter hinausgezögert werden könne und er vorhabe, den Regierungsauftrag noch vor seiner am Samstag erfolgenden Abreise nach New York zur 81. Generaldebatte der Vereinten Nationen zu vergeben. Nach dem gewaltsamen Protest der Schafzüchter, ultrarechten Hooligans und Georgescu-Anhängern vor dem Regierungssitz hatte Altpräsident Traian Băsescu seinem Amtsnachfolger offen vorgeworfen, die „Auswirkungen seiner eigenen Untätigkeit und Handlungsunfähigkeit nicht nachvollzogen“ zu haben – faktisch habe Nicușor Dan dem Land durch sein fortwährendes Zaudern „erheblich geschadet“.
Vorerst bleibt unklar, wer mit der Regierungsbildung beauftragt werden könnte – aktuell wird der parteifreie Interims-Finanzminister Alexandru Nazare als aussichtsreichster Anwärter auf das Amt des Regierungschefs gehandelt, doch schließen Politbeobachter auch einen „Überraschungskandidaten“ nicht aus. Die PSD wünscht sich zwar ihren Parteichef Sorin Grindeanu als künftigen Premier, wäre jedoch notfalls bereit, auch einen anderen Politiker, allerdings keinen Technokraten, als Regierungschef zu akzeptieren, solange sie Ministerposten im künftigen Kabinett erhält. PNL und USR lehnen es derweil ab, eine Regierung mit PSD- oder PSD-nahen Ministern zu dulden. Ihrerseits drängt die AUR auf einen Schulterschluss mit der PSD, während letztere sich vorläufig noch ziert, die Brandmauer um die Rechtspopulisten einzureißen. Außer der De-facto-Mehrheit bestehend aus PSD und AUR, die der Staatschef bisher geflissentlich ignorierte, ist indes nach wie vor keine andere in Sicht.
