Gesundheitsstreik: Nicht alle machen mit

Einheit der Gewerkschaftsfront bröckelt

Harsche Kritik übt Interims-Regierungschef Ilie Bolojan am Streik im Gesundheitssystem: Er basiere auf „Lügen und Desinformation“, „kein Gehalt, kein Verdienst im öffentlichen Sektor wird sinken“, erklärte er nach der Regierungssitzung am Dienstag, auf der entschieden wurde, fast 7000 Posten zur Besetzung freizugeben. Doch dürften Lohnerhöhungen nicht auf Pump erfolgen. Ein Problem des aktuellen Systems sei, dass es nicht auf den tatsächlich erbrachten Leistungen der Krankenhäuser am Patienten basiere, „wie es normal wäre“, so Bolojan. | Foto: Adrian Cuba / Agerpres Foto

Bukarest (ADZ) – Längst nicht alle Mitglieder des Gewerkschaftsbunds Sanitas haben sich am Dienstag am Streik im Gesundheitssektor beteiligt. Eine zweite große Gewerkschaft, die viele Beschäftigte in der Branche vertritt, verzichtete sogar ganz auf die Protestaktion. Die „Solidaritatea Sanitară” geht davon aus, dass zunächst alle Verhandlungsmöglichkeiten erschöpft werden müssen und ein Streik ohnehin sein Ziel verfehle, wenn es keine voll handlungsfähige Regierung gibt. Zudem bewertet diese Gewerkschaft das Vergütungsgesetz nicht so negativ wie die Schwesterorganisation Sanitas. Sie geht im Gegenteil sogar davon aus, dass bei den meisten Beschäftigten – fast 48.000 – der Verdienst steigen werde und nur in eigenen Problembereichen nachverhandelt werden müsse. Inzwischen hat die Regierung in ihrer außerordentlichen Sitzung am Dienstagabend fast 7000 Stellen im Gesundheitswesen freigegeben. Diese waren bisher aufgrund von Haushaltszwängen mit einem Einstellungsstopp belegt worden. Wie der amtierende Gesundheitsminister Attila Cseke mitteilte, seien davon rund 1400 Stellen für Ärzte vorgesehen. Krankenhäuser und Notfalldienste können die Stellen unverzüglich ausschreiben.