Bukarest (ADZ) – Der designierte Regierungschef Siegfried Mureșan (PNL) hat alle Politiker zu Klarstellungen aufgefordert, die Ende März an einem im Bukarester Restaurant Isoletta stattgefundenen Abendessen mit der US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, teilgenommen haben. Die US-Diplomatin sorgt zurzeit südosteuropaweit für Schlagzeilen, nachdem die US-Wirtschaftszeitung Wall Street Journal berichtet hatte, dass Guilfoyle davor in Athen während eines Abendessens mit griechischen Amtsträgern eine Einmischung der USA in das sich abzeichnende Koalitionsaus in Rumänien angedeutet hatte. Wenig später reiste die US-Botschafterin nach Bukarest, wo sie mit PSD-Chef Sorin Grindeanu, dem damaligen Energieminister Bogdan Ivan (PSD) und Präsidialrat Florin Vlădică zusammentraf. Grund für den Anfang Mai erfolgten Sturz des Kabinetts unter Premier Ilie Bolojan (PNL) soll dessen Weigerung gewesen sein, überteuertes amerikanisches Flüssiggas (LNG) über den sogenannten „Vertikalen Korridor“ für Gastransporte nach Mittel- und Osteuropa zu kaufen. Laut Berechnungen des staatlichen Erdgasproduzenten und -Lieferanten Romgaz wäre Rumänien jährlich um mindestens 310 Millionen Euro geschädigt worden, wenn der Deal zustande gekommen wäre bzw. das Land das überteuerte amerikanische LNG bezogen hätte.
Von den Medien auf das brisante Treffen zwischen Guilfoyle und heimischen Politikern angesprochen, sagte Mureșan, dass diesem wohl „ein Hauch von Kabale“ anhänge – von daher stünden Grindeanu und die restlichen Politiker in der Pflicht, zur Aufklärung des Vorfalls beizutragen und zu erläutern, welchem Zweck dieses gedient habe und was besprochen worden sei. Präsident Nicușor Dan schwieg sich indes bis dato zu dem haushohen Eklat aus.
