Vor Kurzem wurde im Buchclub des Bukarester Goethe-Instituts der Roman „Rolltreppe Abwärts“ von Hans-Georg Noack gelesen. Ein Buch, das zuerst im Jahr 1970 erschienen ist. Das ist ganz schön alt mittlerweile. Darüber hinaus behandelt es wirklich schwere Themen und hat auch kein Happy End parat. Warum wurde also gerade dieses Buch ausgesucht? Gerade weil man aus der Geschichte wichtige Schlüsse ziehen kann! Denn der Roman „Rolltreppe Abwärts“ zeigt, was passieren kann, wenn Jugendliche keine Hilfe bekommen. Doch worum geht es?
Im Fokus steht der Hauptcharakter, der dreizehnjährige Jürgen-Joa-chim Jäger. „Jürgen-Joachim Jäger, das war kein Name, sondern eine Aufforderung zum Spott“, denkt der Jugendliche selbst über seinen Namen und das ist nicht sein einziges Problem. Seine Eltern haben sich scheiden lassen und seine Mutter kümmert sich nur mäßig um ihn. Dazu findet sie bald einen neuen Freund, mit dem Jochen, wie er genannt wird, nicht klarkommt. In einem dramatischen Höhepunkt schlägt er das Kind sogar.
Denn Jochen ist davor auf die schiefe Bahn geraten. Er hat bereits kleine Diebstähle gemacht, trifft aber dann Alex, der ihn dazu anstiftet, Zigaretten zu klauen. Mit dem älteren Jungen raucht er und trinkt auch Bier. Als er für ein Mädchen ein Transistorradio klauen will, wird er erwischt.
Das führt zu Stress, dem Schlag und schlussendlich weist Jochens Mutter ihn in ein Erziehungsheim ein, wo Jochen auf Herrn Hamel trifft. Er ist der „Gruppenerzieher“, der jedoch kein Interesse daran hat, zu erziehen. Er will die Kinder und Jugendlichen brechen und nennt sie nicht bei ihren richtigen Namen, sondern nach Hunderassen. Jochen wird also „Boxer“ genannt. „Ich verlange Einordnung, Unterordnung, Gehorsam“, sagt der „Gruppenerzieher“ Jochen von Anfang an.
Damit erreicht er den Jungen jedoch überhaupt nicht. Dieser rebelliert und die Situation spitzt sich immer weiter zu, auch wenn nicht alle Verantwortlichen in der Erziehungsanstalt solche entmenschlichenden Erziehungsmethoden haben. Dennoch geht es für Jochen leider immer weiter abwärts, die Rolltreppe geht nach unten.
Im Nachwort stellt der Autor klar, dass es heute in Erziehungsheimen natürlich ganz anders funktioniert und Personen wie Herr Hamel keine Verantwortung mehr bekommen und auch nicht typisch für Erzieher sind. Dieser ist laut dem Autor auch grundsätzlich in seinem Job überfordert, da er auch keine passende pädagogische Ausbildung hat.
Alles in allem wollte der Autor auch nicht erzählen „Seht ihr, so geht’s, wenn man im Warenhaus Bonbons stiehlt!“, wie er selber schreibt, sondern von der Vereinsamung Jochens, der falsche Entscheidungen trifft und daraufhin immer mehr allein gelassen wird. „(Das Buch) will keinen Schuldigen darstellen, sondern nur Menschen, die sich in entscheidenden Augenblicken falsch verhalten.“
