Cîrpaci-Ehepaar in Karansebesch festgenommen

Schwere Vorwürfe aus Deutschland: Versklavung und erzwungene Organspende

Temeswar – Zwei Mitglieder des in Temeswar bekannten Roma-Clans Cîrpaci sind am Dienstagmorgen in Karansebesch/Caransebeș festgenommen worden. Gegen Gradu Cîrpaci, auch als „Finanzminister“ der Familie bekannt, und seine Ehefrau lagen Europäische Haftbefehle vor. Die beiden wurden von den rumänischen und deutschen Behörden wegen schwerer Vorwürfe gesucht, darunter Versklavung und erzwungene Organspende. An dem Einsatz waren Beamte der Temescher Kreispolizei beteiligt. Nach der Festnahme wurden die beiden dem Temeswarer Berufungsgericht vorgeführt, das über die Vollstreckung der Europäischen Haftbefehle entscheiden musste.

Der Fall war bereits im März öffentlich geworden, als Ermittler der Direktion für die Bekämpfung des Bandenverbrechens und des Terrorismus (DIICOT) sowie Beamte der Temescher Kreispolizei mehrere Häuser der Familie Cîrpaci in Temeswar und im Kreis Temesch durchsucht hatten. Die Maßnahmen erfolgten damals nach einem Rechtshilfeersuchen aus München. Gesucht wurden unter anderem Unterlagen, Kaufverträge, Versicherungspolicen, medizinische Dokumente, Computer, Mobiltelefone und Waffen. Nach Darstellung der Ermittler sollen Gradu Cîrpaci und seine Ehefrau einen aus Rumänien stammenden Mann während ihres Aufenthalts in München in einer Wohnung untergebracht, ihm Reisepass und Personalausweis abgenommen und ihn von seiner Familie in Rumänien isoliert haben.

Der Mann soll für die Beschuldigten gearbeitet und mehrere Verträge unterschrieben haben. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, der Mann sei unter Druck gesetzt worden, Gradu Cîrpaci eine Niere zu spenden. Dieser soll an einer Nierenerkrankung gelitten haben. Dem mutmaßlichen Opfer seien für die Organspende 15.000 Euro und eine Wohnung in Temeswar versprochen worden. Die Transplantation soll in einem Krankenhaus in Freiburg stattgefunden haben. Danach habe der Mann die versprochenen Gegenleistungen nicht erhalten und sei weiterhin von der Familie abhängig geblieben. Gradu Cîrpaci und seine Ehefrau waren nach den Durchsuchungen im März zunächst nicht auffindbar. Mit der Festnahme in Karansebesch geht das Verfahren zur Übergabe an Deutschland nun in eine neue Phase.

Über die Übergabe an die deutschen Behörden entscheidet die Temeswarer Justiz im Verfahren zum Europäischen Haftbefehl.

Die Familie Cîrpaci gehört seit Jahren zu den bekanntesten Roma-Familien in Temeswar. Mehrere ihrer Mitglieder besitzen oder besaßen Immobilien in zentralen Lagen. Der aktuelle Fall betrifft jedoch nicht die früheren Immobiliengeschäfte der Familie, sondern strafrechtliche Vorwürfe, die von deutschen Behörden verfolgt werden.