Covid-Spätfolge Gefängnis

Bokschan – Gemunkelt wurde seinerzeit auch in Reschitza: „Wenn du ein Impfzeugnis gegen COVID-19 benötigst und dich nicht impfen lassen möchtest, fahr´ mal bis Bokschan!“ Nun veröffentlichte die Antikorruptionsbehörde Karasch-Severin eine Liste mit Ärzten und medizinischem Hilfspersonal, die seinerzeit im Impfzentrum Bokschan Dienst taten und die damals für 100 bis 250 Euro falsche Impfzertifikate (eigentlich eine Impfbestätigung, die als Grundlage für das „Grüne Zertifikat“, „Certificatul Verde“ diente, das man vor allem bei Auslandsreisen brauchte) für jeden daran Interessierten ausstellten – ohne ihn zu impfen. Das Kreisgericht Karasch-Severin zog nun vor den Sommerferien einen Schlussstrich unter diese Affäre, die mehreren Ärzten, einem Medizinstudenten und Arzthelfern einen roten Strich durch Karriere- und Zukunftspläne machen dürfte.

Der Fälschung und Schmiergeldannahme schuldig befunden wurde der Bokschaner Arzt Adrian R. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die gegen eine vierjährige Bewährungsstrafe ausgesetzt wurden. Zudem sind ihm auf drei Jahre gewisse Bürgerrechte abgesprochen worden. Nicht zuletzt muss er 120 Tage gratis im Dienste der Gemeinschaft arbeiten.

Dr. Adrian T., der Ex-Chef des Reschitzaer Rettungsdienstes, der für das ganze Banater Bergland zuständig ist, hat sich ebenfalls an der fiktiven Impfkampagne im Covid-Impfzentrum Bokschan beteiligt.

Auch ihm wies die Staatsanwaltschaft Schmiergeldannahme und Anstiftung zur Fälschung nach.

Verurteilt auf zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis, ist auch ihm die Strafe zur Bewährung ausgesetzt worden. Der aus Karansebesch stammende Arzt bleibt jedoch drei Jahre unter polizeilicher Aufsicht und muss zudem 90 Tage gemeinnützige Arbeit leisten.

Dumitru Gabriel G. war Krankenpfleger und arbeitete im Impfzentrum Bokschan. Er wurde von der Staatsanwaltschaft der Korruption für schuldig befunden und der Aktenfälschung, was ihm zwei Jahre und drei Monate Gefängnis auf Bewährung einbrachte und zwei Jahre polizeiliche Aufsicht. Er muss 60 Tage freiwillig für die Gemeinschaft arbeiten. Auch ihm sind auf Zeit Bürgerrechte abgesprochen worden.

Sein Kollege Mircea Todor V. wurde zu einer identischen Strafe, allerdings zu einem Monat Gefängnis auf Bewährung mehr, verurteilt. Der Medizinstudent Andrei Popovici S. arbeitete während der Pandemie als ärztlicher Assistent im Impfzentrum und beteiligte sich „solidarisch“ an den Fälschungen – auch er kassierte mit. Ein Jahr und drei Monate Gefängnis auf Bewährung brachte es ihm schließlich ein. Die Krankenschwester Daniela P. gehörte ebenfalls zur Gruppe. Ihr verpasste das Kreisgericht Reschitza eine auf Bewährung ausgesetzte Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Krankenpfleger Sebastian Gagia-H., dessen abgehörte Telefonate erst den Strafverfolgern den enormen Umfang der im Impfzentrum Bokschan ins Waschbecken gespritzten Covid-Impfstoffampullen offenbarten, wurde mit zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis auf Bewährung bestraft.

Alle Urteile konnten vor dem Berufungsgericht Temeswar angefochten werden. Sämtliche in dieser Causa Verurteilte arbeiten weiterhin im Gesundheitssystem des Raums. Von keinem von ihnen wurden die nachweislich angenommenen Schmiergelder eingezogen; ebenso wenig wurden die Kosten der in jener Zeit bezogenen Vergütung oder der vernichteten Arzneimittel zurückgefordert.