Das Erbe der Vorfahren lebt weiter

300 Jahre schwäbische Gemeinschaft in Erdeed

Festmesse zum 300-jährigen Jubiläum.

Konzert der Blaskapelle Bildegg vor der Kirche.

Tiberius Schupler war der Hauptzelebrant der Jubiläumsmesse.

Der Schwäbische Männerchor Großkarol-Petrifeld-Sathmar sang das Heimatlied der Sathmarer Schwaben. Fotos: Gabriela Rist

Erdeed – Die deutsche Gemeinschaft in Erdeed/Ardud hat am 8. August das 300-jährige Jubiläum ihrer Ansiedlung gefeiert. Zahlreiche Angehörige der Gemeinschaft, darunter auch inzwischen in Deutschland lebende Erdeeder Schwaben, sowie Gäste aus anderen sathmarschwäbischen Ortschaften nahmen an den Feierlichkeiten teil.

Den Auftakt des Jubiläumstages bildete eine Festmesse in der römisch-katholischen Kirche. Vor dem Gotteshaus wurden die Gäste von der Blaskapelle aus Bildegg/Beltiug empfangen. Die Messe wurde von Pfarrer Dr. Tiberius Schupler, Josef Fanea, Pfarrer der deutschen Gemeinde der Kalvarienkirche, sowie weiteren Priestern der Diözese Sathmar zelebriert. Die Predigt hielt Pfarrer Dr. Tiberius Schupler, der selbst aus Erdeed stammt.

In seiner Predigt erinnerte Schupler an die ersten sathmarschwäbischen Siedler, die vor rund 300 Jahren ihre Sprache, Bräuche, Kultur, ihren Glauben und ihre Hoffnung in die neue Heimat mitbrachten. Dabei stellte er die Frage, welche Botschaft die Vorfahren den heutigen Generationen hinterlassen.

Die Vorfahren hätten die Zukunft ebenso wenig gekannt wie die Menschen heute, betonte der Pfarrer. Sie hätten jedoch gezeigt, wie man auch in schwierigen Zeiten leben könne: Sie bauten Häuser, beteten und hofften. Eine neue Heimat entstehe dort, wo Menschen füreinander da seien und jemand das Gefühl vermittle: „Hier habe ich einen Platz.“

Die Geschichte der Erdeeder Schwaben sei zugleich von Kriegen, Deportation, Verlusten, Abschieden und neuen Anfängen geprägt. Deshalb gehe es beim Jubiläum nicht nur darum, die Vergangenheit zu feiern, sondern auch den Mut jener Menschen zu würdigen, die trotz aller Schwierigkeiten weitergemacht hätten. „Tradition bedeutet, etwas Wertvolles weiterzugeben“, sagte Schupler und verwies dabei auf Sprache, Lieder und Bräuche.

Die jüngeren Generationen bräuchten Menschen, an denen sie sehen könnten, was Glaube und Gemeinschaft heute bedeuten. Die Vorfahren hätten ihre neue Heimat auf Vertrauen, Vergebung, Glauben, Hoffnung und Liebe aufgebaut. Diese Werte gelte es auch heute weiterzugeben, damit die Nachkommen eines Tages über ihre Vorfahren sagen könnten: Hier haben sie geglaubt, geliebt und Hoffnung weitergegeben.

„Unsere größte Aufgabe ist es, wieder Heimat zu bauen“, sagte Schupler. In einer Zeit, in der viele Menschen weit voneinander entfernt lebten, brauche es umso mehr Gemeinschaft, Kontakte, Glauben und Liebe.

Nach 300 Jahren hätten sich Sprachen, Grenzen und Familien verändert, doch die Aufgabe bleibe dieselbe: nicht nur die Vergangenheit zu bewahren, sondern Glaube, Fleiß, Liebe zur Familie und Verbundenheit mit der Gemeinschaft weiterzugeben.

Im Anschluss an die Messe sprach der gebürtige Erdeeder Hobbyhistoriker Edmond Hermann über die Geschichte der Schwaben in Erdeed und zeichnete die Entwicklung der Gemeinschaft über die vergangenen drei Jahrhunderte nach.

Bei der offiziellen Eröffnung im Hof der Begegnungsstätte des Demokratischen Forums der Deutschen (DFD) würdigte Johann Leitner, Vorsitzender des Kreisforums Sathmar, die Leistungen der Vorfahren. Vor 300 Jahren seien die ersten schwäbischen Siedler mit Mut, Zuversicht und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in die Region gekommen. Sie hätten einen Neuanfang gewagt, Häuser gebaut, Felder bestellt und Kirchen errichtet und damit den Grundstein für eine Gemeinschaft gelegt.

Zu den tragenden Werten dieser Gemeinschaft zählten, so Leitner, Glaube, Fleiß, Zusammenhalt, Respekt, Solidarität und Verantwortung füreinander. Über Generationen hinweg seien diese Werte weitergegeben worden und hätten die Identität der Erdeeder Schwaben geprägt.

„Das Erbe unserer Vorfahren lebt weiter“, betonte Leitner. Es zeige sich in den Traditionen, der Sprache und Kultur, den Bräuchen und vor allem in den Menschen, die den Geist der Gemeinschaft bis heute bewahren und weitertragen.

Viele Nachkommen der Erdeeder Schwaben leben heute in anderen Städten, Ländern und Teilen der Welt. Die Entfernung habe jedoch die Verbundenheit mit der ehemaligen Heimat nicht ausgelöscht. Gemeinsame Wurzeln, Erinnerungen und die Liebe zu den überlieferten Traditionen verbänden die Menschen weiterhin.

Das Jubiläum sei daher nicht nur ein Anlass, auf die Vergangenheit zurückzublicken, sondern auch eine Gelegenheit, über die Zukunft nachzudenken. Es liege in den Händen der heutigen Generation, das Erbe lebendig zu halten, Vielfalt zu achten und die Beziehungen zwischen den Menschen zu stärken.

Leitner bedankte sich bei allen, die über Generationen hinweg zur Bewahrung der Identität der Erdeeder Schwaben beigetragen haben – bei jenen, die sich für die Gemeinschaft einsetzten, Traditionen bewahrten und weitergaben, sowie bei allen, die auch heute nach dem Grundsatz handeln: „Gemeinsam sind wir stärker.“

Die Botschaft „Vergessen wir unsere Wurzeln nicht“ stand im Mittelpunkt der Rede von Josef Hölzli, Vorsitzender des Regionalforums Nordsiebenbürgen, die von Johann Leitner übermittelt wurde. Dieses Motto sei zugleich einer der Leitsätze des Demokratischen Forums der Deutschen in Nordsiebenbürgen.

Gerade die Schwaben in Erdeed hätten ihre Wurzeln auch 300 Jahre nach der Ansiedlung ihrer Vorfahren nicht vergessen. Obwohl ihre Zahl im Laufe der Zeit zurückgegangen sei, könnten sie mit Stolz auf ihre Leistungen zurückblicken – insbesondere auf die Aktivitäten seit der Wende.

Dazu gehörten kulturelle Veranstaltungen, die kontinuierliche Pflege und Förderung von Brauchtum und Traditionen, die Errichtung der Büste von Alexander Károlyi, der die Vorfahren der Erdeeder Schwaben vor 300 Jahren hier ansiedelte, sowie die große Tanzgruppe. Auch das Engagement für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen im schwäbischen Geist und die politische Vertretung des DFD im Stadtrat gehörten zu den wichtigen Leistungen der Gemeinschaft.

Trotz aller Höhen und Tiefen hätten die Erdeeder Schwaben ihre Identität bewahrt und bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht, die für das Sathmarer Schwabentum repräsentativ seien.

Begrüßt wurden die Teilnehmer von Stefan Fetz, Vorsitzender des DFD Erdeed, im Namen der Gastgeber sowie von Bürgermeister Ovidiu Duma. Der Bürgermeister bat die Anwesenden zudem um eine Schweigeminute zum Gedenken an Helmut Berner, den kürzlich verstorbenen ehemaligen Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben und der Oberwischauer Zipser. Berner habe sich in besonderem Maße nicht nur für die deutsche Gemeinschaft, sondern für alle Bewohner von Erdeed eingesetzt.

Im Hof des Deutschen Forums eröffnete der Schwäbische Männerchor Großkarol-Petrifeld-Sathmar das Festprogramm mit dem Heimatlied der Sathmarer Schwaben.

Anschließend präsentierten mehrere Tanzgruppen deutsche Volkstänze. Auf der Bühne standen die „Blumenstrauß“-Tanzgruppe aus Bildegg, die „Gute Laune“-Tanzgruppe aus Sathmar, die Jugendtanzgruppe der Deutschen Jugendorganisation Sathmar „Gemeinsam“ sowie die „Sonnenblumen“-Tanzgruppe aus Erdeed.

Bei schwäbischen Strudli und angeregten Gesprächen über Vergangenheit und Zukunft klang der Jubiläumstag aus. Nach 300 Jahren Geschichte bleibt dabei eine zentrale Botschaft: Die Heimat kann sich verändern, Menschen können wegziehen und Generationen können neue Wege gehen – doch solange Sprache, Traditionen, Erinnerungen und Gemeinschaft weitergegeben werden, bleibt das Erbe der Vorfahren lebendig.