Das neue Jahr 5787 ist da!

Die Jüdische Gemeinde in Hermannstadt feierte Rosch Haschana

Anda Reuben verteilt das Challa-Brot an die Gemeindemitglieder und Gäste. Foto: Aurelia Brecht

Hermannstadt – Mit Apfel und Honig ins Neue Jahr – für Jüdinnen und Juden hat am vergangenen Freitag das neue Jahr begonnen. Eine Feier fand auch im Gemeindehaus in der Salzgasse/Strada Constituției statt. Die Gemeinde ist klein – sie hat knapp 50 aktive Mitglieder. Rund dreißig Personen hatten sich versammelt, um das Neujahrsfest im Gemeindehaus zu feiern.

Rosch Haschana fand in diesem Jahr vom 11. September bis zum Abend des 13. September statt. Der Jahreswechsel wird im Herbst begangen – im Monat Tischri: Laut Talmud erschuf Gott die Welt zu diesem Zeitpunkt. An der Schwelle vom alten zum neuen Jahr blickt man auf Vergangenes zurück und reflektiert gute und schlechte Ereignisse. Zugleich fasst man gute Vorsätze für das neue Jahr.

In die Bräuche und Rituale führte Gemeindemitglied Anda Reuben ein: „Rosch Haschana“, wörtlich übersetzt „Haupt des Jahres“ ist zugleich Tag des göttlichen Gerichts. Jedes Jahr legen Jüdinnen und Juden vor Gott Rechenschaft über das eigene Handeln ab. Zum neuen Jahr wird laut jüdischem Glauben das Buch des Lebens geöffnet und jedem Gläubigen ein gutes oder ein schlechtes Jahr darin eingetragen. In den zehn Tagen, die auf das zweitägige Fest folgen, den „Tagen der Einkehr“, eine Zeit der Umkehr und Reue, kann das Ergebnis durch positives Verhalten noch beeinflusst werden. Dabei rückt das Verhältnis zu Gott, aber auch zu den Mitmenschen in den Mittelpunkt. Nach zehn Tagen, an Jom Kippur, dem „Tag der Versöhnung“, steht das Ergebnis schließlich fest.

Eine reich gedeckte Festtagstafel darf zu diesem Anlass nicht fehlen. Auch die Hermannstädter Gemeindemitglieder hatten traditionelle Speisen mitgebracht. Die süßen Speisen stehen beim Neujahrsfest im Vordergrund: Äpfel und das runde Challabrot werden in Honig getunkt. Man serviert Granatäpfel und Zimmes, eine Speise aus süßen geschmorten Karotten und getrockneten Früchten. Grüne Bohnen oder Sesam symbolisieren den Wunsch nach Fülle, Fruchtbarkeit und Vermehrung.

Rosch Haschana sei kein Fest mit Feuerwerk, betonte Gemeindevorsteher Tiberiu Baruch anlässlich der Feierlichkeiten. Vielmehr stehe „Jom HaDin“, der „Tag des Gerichts“ im Vordergrund. Dieser sei „eine Gelegenheit, Bilanz über meine Handlungen und Aktivitäten zu ziehen, nachzudenken, aber auch meine Führungsqualitäten sowie die Beziehungen zu den Mitgliedern unserer Gemeinschaft zu verbessern. Das ,Gericht‘ ist in Wirklichkeit eine Quelle der Kraft. 

Sie sagt mir, dass Gott sich um meine Entscheidungen kümmert und dass ich in dieser Welt etwas bewirken muss. Insgesamt ziehen wir zu diesem Anlass Bilanz. Deshalb blasen wir auch das Schofar, das Widderhorn, das metaphorisch ein inneres Erwachen ankündigt – eine neue Phase der inneren Erleuchtung. Der Tradition entsprechend servieren wir Äpfel mit Honig, damit das Jahr süß wird – „Shana Tova Umetuka“ – „ein gutes und süßes Jahr“. In diesem Sinne wünschte der Gemeindevorsteher: „Shana Tova – und ein gutes Jahr, mit Gesundheit und Frieden.“