„Der (Un-)Verstand hat `gesiegt`!“

Wasserkraftwerke dürfen nach dem Willen der parlamentarischen Mehrheit ab nun in Naturschutzgebieten errichtet werden

Reschitza – Die auf Druck der PSD-Fraktion und mit Unterstützung der Rechtsextremen von AUR sowie von parlamentarischen Splittergruppen zustandegekommene Entscheidung, ab sofort bereits begonnene oder geplante Wasserkraftwerke in Naturschutz- und -vollschutzgebieten zu bauen, hat beim Kreisratschef von Karasch-Severin, Silviu Hurduzeu (PSD), Begeisterung ausgelöst: „Die Ratio hat gesiegt!“, trompetete er herum. „Es ist ein sehr wichtiger Schritt in Richtung energetischer Unabhängigkeit Rumäniens! Aus der Sicht des Landeskreises Karasch-Severin habe ich zwei gute Nachrichten: Einerseits wird das Projekt Cerna – Bela Reka oberhalb Herkulesbad zu gutem Ende geführt. Dort wird noch ein Hydroaggregat mit einer installierten Leistung von 14,7 Megawatt in Betrieb gesetzt.“

„Andrerseits freut es mich, dass die parlamentarische Entscheidung des Abgeordnetenhauses weitere sieben Projekte auf nationaler Ebene deblockiert – und das heißt fürs Banater Bergland direkt: das Werk für Hydroenergetische Anlagen von Reschitza, UCMHR, wird für die kommenden Jahre Arbeit haben.“ So weit. So gut. Nur, und das positiv gewertet: Zum Unterschied vom bisherigen Vorgehen bei solcherlei hydroenergetischen Bauvorhaben werde diesmal auch dafür gesorgt, dass die entstehenden Wasserkraftwerke auch mit einer Stromspeicheranlage versehen werden, um in Niedrig-Verbrauchszeiten auf Vorrat produzieren zu können.

Nicht verkneifen konnte sich der PSD-Kreisratschef allerdings in seinem triumphalistischen Ausfall, zu erwähnen, dass das entsprechende Gesetz übers Hineinklotzen von Wasserkraftwerken in geschützte Areale von seiner Partei „bereits November 2022 initiiert“ worden war; „aber es wurde bisher blockiert von der USR und einer Reihe von NGOs, die sich mit Umweltschutz beschäftigen und die untransparent aus dem In- und Ausland finanziert werden.“ Damit nahm er den Sound der Rechtsradikalen – der engsten Geistes- und Unverstands-Brüder der rumänischen „Sozialdemokraten“ – in vollen Zügen auf und stichelte auch gegen den (ohnehin in seinem Auftreten und Gehabe meist erbärmlichen) Präsidenten bezüglich einer der wenigen politischen Gesten, die dieser zeigte: „Präsident Nicușor Dan muss nun, nachdem auch er erfolglos gegen die Normativakte beim Verfassungsgericht vorgegangen war und das Gesetz ans Parlament zurückschickte, dieses Gesetz binnen höchstens 30 Tagen unterzeichnen und ihm Rechtskraft verleihen!“

Die Rationalität des Projekts des Ausbaus der Wasserkraftwerkskette an den beiden an ihrem Oberlauf durch einen Tunnel verbundenen Stauseen an den Flüssen Cerna und Bela Reka (beide münden, vereint, bei Orschowa in den Donau-stausee beim Eisernen Tor I) oberhalb von Herkulesbad ist seit den 1980er Jahren, als man daran – wider besseren Wissens und Gewissens – zu bauen begann, selbst von der Rumänischen Akademie der Wissenschaften in ernsthafte Zweifel gezogen worden. Nicht nur, dass es in einem unter strengsten Schutz stehenden Areal – dem Naturreservat Cerna-Domogled – steht und jetzt noch einmal ausgebaut werden soll, aber dadurch, dass ein bedeutender Teil der Durchflussmenge der Cerna aufgestaut und nur noch kontrolliert abgelassen wird, sank die Durchflussmenge der Heilquellen des bereits von den Römern in der Antike gebauten heutzutage 2000-jährigen Heilbads Herkulesbad bis dahin, dass manche der wertvollen Quellen versiegten.
Die Quellen in diesem Engtal des Kalksteingebirges entstehen nämlich durch das Einsickern des

Wassers der Cerna auf um die rund 1200 Meter Tiefe, wo sie sich stark aufwärmen (bis zu +60 Grad und mehr), mit chemischen und mineralischen Substanzen anreichern und als chemisch sehr diversifizierte Warm- und Heilquellen am Rand des Flusses als Quellen an die Oberfläche treten. Dieser vieltausendjährige Prozess ist durch den Bau der bereits stehenden beiden Wasserkraftwerke unterbrochen oder gar teil-abgebrochen worden und das hatte Langzeitauswirkungen auch auf den Betrieb des Heilbads.