Temeswar - Die frühere Temescher Präfektin Cornelia Elena Micicoi ist am Donnerstag in einem Verfahren der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) für 24 Stunden festgenommen worden. Das berichten lokale Medien. In dem Fall geht es um den Verdacht des Betrugs mit EU-Mitteln. Nach denselben Angaben wurden fünf weitere Personen in dem Verfahren festgenommen. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit einem Projekt, das über die lokale Aktionsgruppe GAL Freidorf abgewickelt worden sein soll. Dabei soll es um EU-finanzierte Ausbildungskurse für benachteiligte Personen gegangen sein. Die mutmaßliche Schadenssumme wird von lokalen Medien auf mehrere Hunderttausend Euro beziffert.
Der Fall war bereits am 12. Juni öffentlich geworden, als Ermittler im Zuge des EPPO-Verfahrens Durchsuchungen vornahmen, darunter auch am Wohnsitz Micicois. Die damalige Präfektin wies die Vorwürfe zurück. Sie erklärte, es handle sich um Verfahrensprüfungen in einer Sache, in der sie weder Zeugin sei noch vorgeladen worden sei. Auch seien ihr keine strafrechtlich relevanten Vorwürfe mitgeteilt worden. Auch habe sie keine für die Ermittlungen von ihr geforderten Unterlagen zurückgehalten.
Noch am selben Tag trat Micicoi vom Amt der Temescher Präfektin zurück. Sie erklärte damals, die Entscheidung gehöre ihr allein. Die Präfektur vertrete die rumänische Regierung im Kreis und nicht eine einzelne Person. Eine Untersuchung zu einem früheren Vereinsprojekt über GAL Freidorf solle nicht zu einem Problem der von ihr geleiteten Institution werden.
Micicoi war auf Vorschlag der USR zur Präfektin des Kreises Temesch ernannt worden. Auch nach ihrem Rücktritt betonte sie ihre Unschuld. Die Europäische Staatsanwaltschaft ist für Ermittlungen, Strafverfolgung und Anklageerhebung bei Straftaten zuständig, die die finanziellen Inte-ressen der Europäischen Union betreffen. Eine offizielle Mitteilung der EPPO zu den konkreten Vorwürfen gegen Micicoi lag zunächst nicht vor. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.
