Temeswar – Gradu Cîrpaci, ein führendes Mitglied des in Temeswar bekannten Cîrpaci-Clans, ist am Montag den deutschen Behörden übergeben worden. Die Übergabe erfolgte auf dem Henri-Coandă-Flughafen in Otopeni. Dort wurde Cîrpaci unter Polizeieskorte an Bord eines Flugzeugs nach Deutschland gebracht. Cîrpaci war vergangene Woche gemeinsam mit seiner Ehefrau Ileana Cîrpaci in Karansebesch/Caransebeș festgenommen worden. Gegen beide lagen Europäische Haftbefehle vor. Die deutschen Behörden werfen ihnen schwere Straftaten vor, darunter Versklavung und illegale Organentnahme.
Vor dem Abflug wies Gradu Cîrpaci die Vorwürfe gegenüber Journalisten zurück. Er erklärte, er sei unschuldig. Zugleich behauptete er, es handle sich um eine Inszenierung durch einen rivalisierenden Clan.
Nach Darstellung der Ermittler sollen Gradu Cîrpaci und seine Ehefrau während ihres Aufenthalts in München einen aus Rumänien stammenden Mann in einer Wohnung untergebracht, ihm Reisepass und Personalausweis abgenommen und ihn von seiner Familie in Rumänien isoliert haben. Der Mann soll anschließend für die Beschuldigten gearbeitet und mehrere Verträge unterschrieben haben. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, der Mann sei unter Druck gesetzt worden, Gradu Cîrpaci eine Niere zu spenden. Cîrpaci soll an einer Nierenerkrankung gelitten haben. Dem mutmaßlichen Opfer seien für die Organspende 15.000 Euro und eine Wohnung in Temeswar versprochen worden. Die Transplantation soll in einem Krankenhaus in Freiburg stattgefunden haben. Danach habe der Mann die versprochenen Gegenleistungen nicht erhalten und sei weiter von der Familie abhängig geblieben.
Der Fall war bereits im März öffentlich geworden, als in Temeswar und im Kreis Temesch mehrere Durchsuchungen im Umfeld der Familie Cîrpaci stattfanden. Die Maßnahmen erfolgten damals nach einem Rechtshilfeersuchen aus München. Gradu Cîrpaci und seine Ehefrau waren zunächst nicht auffindbar, bevor sie vergangene Woche in Karansebesch festgenommen wurden.
Die Familie Cîrpaci gehört seit Jahren zu den bekanntesten Roma-Clans in Temeswar. Mehrere ihrer Mitglieder besitzen oder besaßen Immobilien im Zentrum der Stadt. Der aktuelle Fall betrifft jedoch nicht frühere Immobiliengeschäfte, sondern strafrechtliche Vorwürfe, die von deutschen Behörden verfolgt werden. Zum Stand des Verfahrens gegen Ileana Cîrpaci wurden zunächst keine weiteren Angaben gemacht.




