Heimlich Wein, öffentlich Wasser?

AUR-Fraktionschef kritisiert Chef der PSD-Stadtorganisation und dessen Kommunikation mit seiner Stadtratsfraktion

Reschitza – Was auf parlamentarischer Ebene spätestens seit Mai klammheimlich, aber wie geschmiert, funktioniert, das scheint auf der Ebene des Reschitzaer Stadtrats vermisst zu werden: eine Zusammenarbeit zwischen den politischen Geisteszwillingen, den „Sozialdemokraten“ der PSD und den noch weiter rechts angesiedelten AUR-Leuten. Zwar haben die beiden Fraktionen im Reschitzaer Stadtrat nur in Sonderfällen etwas zu sagen, wenn es um Mehrheitsbeschlüsse geht, die eine Drei-Viertel-Mehrheit erfordern (die PNL von Bürgermeister Ioan Popa beherrscht ansonsten souverän den Stadtrat), aber AUR-Fraktionsführer Bogdan Gaiță äussert sich trotzdem kritisch wegen der Unzuverlässigkeit der „Sozis“, bei denen oft Schachthöhlen klaffen zwischen öffentlich Behauptetem und im Stadtrat Abgestimmtem.

Als Hauptschuldigen für dieses unzuverlässige Zick-Zack-Rumtorkeln (eigentlich eine Kopie seines Landesparteichefs Sorin Grindeanu) nennt AUR-Fraktionschef Bogdan Gaiță den vor ein paar Monaten installierten neuen Reschitzaer PSD-Stadtorganisations-Chef und vom Kreischef der PSD Silviu Hurduzeu vornominierten Bürgermeisterkandidaten für 2028, Ionuț Gârtoi (der als eine der ersten politischen Maßnahmen durchsetzte, dass er seine Frau als Leiterin des „Diaconovici-Tietz“-Kollegiums abzog und als Direktorin des Reschitzaer „Hauses des Lehrkörpers“ einsetzen ließ ...).

Diskussionen ausgelöst hatte die dem Stadtrat seitens der Siedlungswassergesellschaft AquaCaraș vorgelegte Beschlussvorlage für den Kauf eines Grundstücks, dessen Besitzer der Vater eines stadtbekannten Politikers war und dessen Wert von den Schätzern ziemlich hoch angesetzt war.

AquaCaraș benötigte das Grundstück wegen der Durchführung eines EU-Projekts zur Verbesserung der Siedlungswasserversorgung in Reschitza, aber  Ionuț Gârtoi hatte am Vormittag der Stadtratstagung kategorisch erklärt, seine Fraktion stimme dagegen. Als es jedoch zur Abstimmung kam und alle Ratsherrn sich die Dafür-Argumentation des Bürgermeisters Ioan Popa angehört hatten, stimmte die PSD-Fraktion geschlossen dafür. Dies einerseits, weil es um ein Projekt ging, das zum Wohl aller Reschitzaer durchgeführt wird, andrerseits ist Reschitza der zweitgrößte Gesellschafter bei AquaCaraș und kann mit dem Wert des Grundstücks seine Gesellschaftsanteile aufstocken.

Trotzdem wandte sich AUR-Fraktionschef Gaiță blauäugig mit der Frage an die Öffentlichkeit, ob denn jemand überhaupt im Bilde sei, wer eigentlich bei der PSD Reschitza das Sagen hat, wenn es solcherlei Diskrepanzen zwischen öffentlichen Aussagen und dem Wahlverhalten, zwischen morgendlichen Durchsagen und nachmittäglichem politischen Handeln gäbe? Die Frage sei berechtigt, weil sich die Situation nun schon wiederholt habe. Auch bei der vorangehenden Stadtratstagung habe es den gleichen Fall von verwirrendem Sagen und Tun gegeben betreffs die Finanzierung des Kampfsports – Ringen – in Reschitza durch den Stadtrat. Öffentlich trompetete die PSD von der Unterstützung des Sports in der Stadt, auf der Stadtratstagung stimmten ihre Vertreter gegen die Finanzierung. In jenem Fall habe sich die AUR der Stimme enthalten, weil ihre Ratsherrn sich unzureichend informiert gefühlt hatten. „Wir würden uns wünschen, dass die Ratsherrn der diversen Fraktionen – und ihre Hintermänner – mehr Konsequenz und Entschiedenheit an den Tag legen, sich hingegen lautstarker Deklarationen eher enthalten, wenn diese durch ihr späteres Verhalten wieder konterkariert werden.“

Ionuț Gârtoi, der Reschitzaer PSD-Chef, bleibt bei seiner Meinung/Frage: „Mir ist immer noch nicht klar, weswegen die Stadt fast 100.000 Euro für das 4000-Quadratmeter-Grundstück hinblättert, wenn AquaCaraș laut Projekt etwa 300 Quadratmeter braucht. Dass das Grundstück zufällig dem Vater des USR-Abgeordneten und -Kreischefs Andrei Plujar gehört, macht das Ding noch interessanter.“ Er selber sei überzeugt, dass die Beschlüsse des Reschitzaer Stadtrats unter „irgendeinem“ Druck und unter „irgendwelchen“ Einflüssen gefasst werden, dass dort, im Stadtrat, nicht alles mit rechten Dingen zugehe ...