In der Hoffnung auf Sankt Elija

Besorgniserregender Niedrigwasserstand der Donau bei Basiasch und bis zu ihrem Unterlauf

Basiasch – Am vergangenen Wochenende hatte die Donau beim Erreichen der rumänischen Staatsgrenze bei Basiasch den niedrigsten Wasserstand der letzten 30 Jahre: die Durchflussmenge lag, laut Angaben des Nationalen Instituts für Hydrologie und Wasserbewirtschaft, INHGA, bei 1750 Kubikmeter pro Sekunde, mit der Tendenz der weiteren Verringerung bis am morgigen Mittwoch, wenn erwartet wird, dass die übers Wochenende gefallenen Niederschlagsmengen am Mittel- und Oberlauf der Donau und an ihren Zuflüssen sich auch ab Basiasch spürbar machen.

Zwischendurch dürfte sich die Durchflussmenge der Donau noch weiter bis um die 1700 Kubikmeter per Sekunde verringern und damit in die Nähe des historischen Niedrigststands dieses Jahrtausends, 1650 Kubikmeter im Jahr 2003, gelangen. Der bislang niedrigste gemessene Stand der Donau bei der Ankunft in Rumänien war in Basiasch 1985 mit 1400 Kubikmeter pro Sekunde gemessen worden. Das war auf Facebook seitens der Nationalverwaltung Apele Române/Rumänische Gewässer, ANAR, zu lesen.

Dabei liegt die vieljährige mittlere Durchflussmenge der Donau im Juli bei 4700 Kubikmeter pro Sekunde. Diese mittlere Durchflussmenge gilt für den gesamten Unterlauf der Donau, ab den beiden Wasserkraftwerken Eisernes Tor I und II. Die jetzige Notlage, vor allem für die Anrainerortschaften der Donau, die sich aus dem Strom mit aufwendig aufbereitetem Trinkwasser versorgen, hat bereits zu Versorgungsengpässen geführt und – dort wo es möglich ist – zum Anzapfen von Wasserreserven aus den Karpaten (Beispiel Brăila und Galatz).

Aber um das Kernkraftwerk Cernavodă mit ausreichend Kühlwasser zu versorgen, ist man bereits ans Leeren von an den Südhängen der Südkarpaten aufgestautem Wasser geschritten, parallel zur Einschränkung der Möglichkeiten, aus der Donau über vorhandene Bewässerungssysteme Wasser abzuzapfen zur Wasserversorgung landwirtschaftlicher Flächen. Die Beschränkungsmaßnahmen (Stufe III der Restriktionen betreffs Wasserentnahme aus der Donau) gelten vorläufig für den Raum Călărași-Cernavodă. Die Prognosen bezüglich eines möglichen Anstiegs der Durchflussmenge des Do-nauwassers gehen bei den verschiedenen Institutionen der Wasserwirtschaft, INHAGA und ANAR, leicht auseinander und bewegen sich zwischen 1750 und 1900 Kubikmeter pro Sekunde in den folgenden Tagen.

Allen gemeinsam war das inständige Hoffen auf den gestrigen Tag des Heiligen Propheten Elias (Elija), unter orthodoxen Rumänen „Sfântul Ilie“ dem Propheten des Alten Testaments, der, laut Bibel, einerseits eine Dürre angekündigt/vorausgesagt hatte, andrerseits aber auch einen Wettstreit gegen 450 Baal-Priester für sich entschied, indem er, mit Hilfe seines inständig angebeteten Gottes JHWH, einen langersehnten Regen herbeiführte und so die All- und Übermacht seines Gottes im Wettstreit mit dem Götzengott Baal demonstrierte. Der zutiefst verwurzelte rumänische Volksglaube besagt, dass am Tag des Heiligen Elias/Elija/Ilie, am 20. Juli, immer und unweigerlich ein Gewitterregen zu erwarten ist (manchmal komme der auch ein paar Tage früher oder später ...).

Zwischendurch kontrollieren weiterhin die ANAR und Hidroelectrica aufmerksam die Durchflussmenge der Donau vor allem im Bereich des Kernkraftwerks Cernavodă, indem entsprechende Wassermengen aus den Stauwerken in den Karpaten (am Alt/Olt – Hidroelectrica – und am Argeș-Vedea – Apele Române) abgelassen werden.

Zeitgleich zu alldem tritt am Unterlauf der Donau, durch den ans Historische grenzenden Niedrigwasserstand sowie die exzessive Erwärmung des Donauwassers infolge sich wiederholt über dem Donauunterlauf festsetzender Hitzeglocken, ein weiteres unerwünschtes Phänomen auf: die Algenblüte, die auch den Fischbestand (durch Sauerstoffentzug) stark in Mitleidenschaft zieht. Sie stellt eine zusätzliche Gefahr für die wegen Niedrigwasserstand ohnehin gefährdete Schifffahrt dar (die durch schlampiges und offensichtlich unregelmäßiges Freibaggern und Vertiefen der Schifffahrtsrinnen ohnehin jedes Jahr um diese Zeit und bis zu den Herbstregen über Europa in Schwierigkeiten gerät). Vor allem aber ist die Algenblüte ein Indikator für fehlende Reinheit des Wassers (Verunreinigungen durch menschliche Aktivitäten), stört empfindlich das ökologische Gleichgewicht (auch durch Verhinderung der Sonneneinstrahlung in die Gewässer, sowie durch Sauerstoffentzug), kann Giftstoffe gerieren und die Qualität des Trinkwassers bis zur Ungenießbarkeit gefährden.