Reschitza – Nach rund 20 Monaten Generalüberholung ist Montagnachmittag das Museum des Banater Montangebiets (MBM) wieder eröffnet worden. In den 20 Monaten, in denen der Museumsbetrieb im eigenen Haus wegen Umbau- und Sanierungsarbeiten unmöglich war, hatte die Museumsleiterin Dr. Livia Magina eine Art „Wanderbetrieb durch die Gemeinschaft“ organisiert, so dass man in der Stadt Reschitza und auch im ganzen Banater Bergland eigentlich kaum die Präsenz der Museografen – in eigenen oder fremdorganisierten Veranstaltungen – vermisste. Jetzt aber, zur Wiedereröffnung, hatte sich die Museumsleiterin etwas Besonderes einfallen lassen: sie organisierte eine Ausstellung unter dem Motto „Bemerkenswerte Architekturen“, die der Geschichte des wiedereröffneten Museums gewidmet ist.
Der Reschitzaer Museumsbau entstand nämlich als landesweit einziges Gebäude mit dieser Sendung in den Jahren 1975-1987 (wegen der ruckweisen, für staatliche Finanzierungen typischen tröpfchenweisen Geldzuweisung zog sich die Bauzeit so lange hin, aber auch wegen der im rumänischen Kommunismus typischen Restriktionen in der Materialauswahl und -verfügbarkeit – strengstens nur Autochthones!). Heute gilt das Projekt des aus Bukarest stammenden Architekten Șerban Antonescu (1942-2016) als Musterbeispiel moderner Architektur und zurecht hat Museumsleiterin Dr. Magina aus den originalen Bau- und Architekturskizzen anlässlich der Wiedereröffnung eine Ausstellung zusammengestellt, die in vielem an die Entstehungsjahre von Plänen und Bau des MBM treffend erinnert. Nicht zufällig betonte sie in ihrer kurzen Eröffnungsrede, dass man diese Wiedereröffnung bewusst in die Zeit der „Europäischen Tage des Kulturguts“ verlegt hat (die Bauleute waren schon Ende August abgezogen), die unter dem Motto stehen: „Kulturgut in Gefahr: Wiedergeburt, Widerstand, Neudeutung“. Schließ-lich waren bei der Wiedereröffnung mindstens zwei Ohrenpaare anwesend, bei denen das etwas zum Klingen gebracht haben sollte/könnte: Kreisratspräses Silviu Hurduzeu (PSD), der den Finanzierer des MBM vertrat, und Präfekt Cristian Gâfu (PNL), der offizielle Regierungsvertreter im Banater Bergland.
An den Architekten und Lokalpolitiker Șerban Antonescu (er war lange Zeit Chefarchitekt des Landeskreises Karasch-Severin und zeitweilig, nach der Wende, Bürgermeister von Reschitza, zudem ein enger Freund des Temeswarer Bildhauers Victo Gaga, dessen Tochter ebenfalls Architektin ist) sollte erinnert werden, denn – so Museumsmanagerin Dr. Livia Magina – derlei Wiedereröffnungen eines repräsentativen Baus sollten unbedingt „auch eine Hommage an all jene sein, die man nach der Fertigstellung von derlei Bauten anschließend kaum noch dort sieht, aber ohne deren Anwesenheit und Arbeit keine Bauskizze, keinerlei architektonische Fiktion, Realität geworden wäre.“
Die energetische Sanierung/Wärmedämmung und Modernisierung des Architekturdenkmals MBM geschah aufgrund eines Projekts der 2024 durch Wahlen abgelösten Kreisleitung unter Romeo Dunca (damals PNL), das 2022 eingereicht, 2023 zur Finanzierung genehmigt und 2024 per Ausschreibung eine Baufirma fand. Die effektiven Sanierungsarbeiten begannen im Januar 2025, als auch die Ausstellungstätigkeit im Museum unterbrochen wurde. Die Hauptkosten von rund 16,5 Millionen Lei wurden aus den von der EU alimentierten Fonds des Nationalprogramms PNRR finanziert. Der Kreisrat Karasch-Severin steuerte weitere 5,6 Millionen Lei bei („nicht wählbare Kosten“), so dass das Gebäude nun u.a. über moderne Heizungs- und Klimatisierungsanlagen verfügt (Photovoltaik, Wärmeaustauscher usw.).
Als erste Veranstaltung nach der Wiedereröffnung gab es eine Gesprächsrunde der Museumsleiterin Dr. Livia Magina mit Prof. Dr. Rudolf Gräf und dem Klausenburger Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber George State (er arbeitet u.a. an der rumänischen Gesamtausgabe des lyrischen Werks von Paul Celan, veröffentlichte auch Durs Grünbein) zum Thema der Bezüge zwischen Lyrik/Poesie, Gedächtnis und kultureller Identität.
