Hermannstadt – Vergangenen Freitag fand eine Diskussion zur Zukunft des Hermannstädter Ursulinenklosters statt. Im Rahmen des „Ursuline Art Hub“ und des siebten Sibiu Contemporary Art Festivals (SCAF) diskutierten der Unternehmer und Leiter der „Therme Group“, Robert Hanea, und der Journalist, ehemalige Botschafter und Außenminister Emil Hurezeanu über die künftige Nutzung des beliebten historischen Gebäudes.
Im Innenhof des Klosters hatten sich zahlreiche Hermannstädterinnen und Hermannstädter eingefunden, um der Diskussion zu folgen: Da viele hier ihre Schulzeit absolviert haben – bis ins Jahr 2010 war das Ursulinenkloster der Sitz des „Pädagogischen Nationalkollegs Andrei Șaguna“ (kurz: Päda)/„Liceul Pedagogic Andrei Șaguna“ – verfolgte man gespannt die Äußerungen und Pläne des künftigen Eigentümers.
Nachdem Ende August bekannt geworden war, dass das römisch-katholische Erzbistum Karlsburg/Alba Iulia das Ursulinenkloster in Hermannstadt/Sibiu zum Verkauf freigibt, verzichteten zunächst das Kulturministerium und der Hermannstädter Kreisrat auf das Vorkaufsrecht. Auch die Hermannstädter Stadtverwaltung teilte mit, das Gebäude nicht erwerben zu wollen. Daraufhin war bekannt geworden, dass der Unternehmer Robert Hanea bereit sei, 40 Millionen Euro in das historische Gebäude zu investieren, um es künftig in ein regionales Zentrum für Kunst, Kultur und Bildung umzuwandeln.
Wie ein solcher Erwerb und die dazugehörige Investition aussehen könne, war nun Thema am Freitagabend im Ursulinenkloster: „Jedes verlassene historische Monument ist ein Verlust für die Menschheit“, betonte Emil Hurezeanu eingangs und legte damit zugleich den Grundstein für die inhaltliche Ausrichtung der Diskussion. Zugleich ging Hurezeanu auf die jahrhundertealte Geschichte des Klosters ein: Gegründet im 15. Jahrhundert, diente es seit 1948 als Schule. Unter anderem ging hier auch die rumänische Dichterin Nora Iuga zur Schule. Restaurierte historische Gebäude müssten generell zugleich ein neuer Lebens- und Treffpunkt werden, so Hurezeanu. Ein solches Gebäude voller Geschichte, Kultur und Bildung müsse ein relevanter Ort werden.
Nicht zuletzt diente das Gespräch auch einem ersten Abtasten und der Beruhigung der Gemüter in der Hermannstädter Stadtbevölkerung – auch um Gerüchte aus der Welt zu räumen, dass vor Ort eine Nutzung als Hotel oder Schwimmbad vorgesehen sei. Dem Unternehmer Robert Hanea gehören mehrere Thermen in Deutschland und Rumänien. Zudem ist er mit Unternehmen in Österreich, Deutschland, Großbritannien, Kanada, den USA und Singapur aktiv. Solche Nutzungen schloss der Unternehmer und Absolvent der Brukenthalschule aus: Er sei angetreten, nicht um Eigentümer zu sein, sondern vielmehr, um Zeit seines Lebens Verwalter dieses Ortes zu werden. Ein Gebäude, das 1474 gebaut worden sei, könne nicht in den Besitz von jemandem übergehen, so der Unternehmer. Ein solches Gebäude werde vielmehr Gemeinbesitz. Für ihn ergebe sich die Nutzung des Ortes aus dem Bedarf, den Hermannstadt, Siebenbürgen und Rumänien derzeit hätten, so Hanea. Dies habe auch eine europäische Dimension, denn der Ort habe ebendiese Dimension.
Ein solches Projekt könne zudem nicht „von außen“ angegangen werden, so Hanea. So wünsche er sich, mit den Initiatoren des Vereins „Brukenthal von Studio“ zusammenzuarbeiten. Der Verein engagiert sich sein einigen Jahren für den Erhalt des Ursulinenkloster und setzt künstlerische Projekte vor Ort um. Er sehe die Hauptdimension des Ursulinen-Projekts im Bildungsaspekt – der Vermittlung von Bildung durch Kunst und Kultur.
In den kommenden zwei Monaten wolle er ein Netzwerk an Menschen schaffen, die das Projekt unterstützen und es „mitdenken“ könnten, so der Unternehmer. Danach sollen die Gespräche zu den Restaurierungsarbeiten beginnen.
Auf die Fragen aus dem Publikum stellte Robert Hanea zwei weitere Aspekte heraus: Mit der Strecke Bukarest – Hermannstadt, die derzeit ausgebaut werde, werde die Reisezeit zwischen den beiden Städten nur zwei Stunden betragen. Damit könne die Besucherzahl für Hermannstadt und auch für den Ursulinenkloster-Kulturtreffpunkt künftig steigen. Auf die Frage, welches Mitspracherecht die Hermannstädter Stadtgemeinschaft an dem Projekt habe, sagte Hanea: „Der Ort, zu dem das Ursulinenklosters werden soll, macht ohne die Stadtgemeinschaft von Hermannstadt keinen Sinn. Dieser Ort wird mit den Menschen aus Hermannstadt gestaltet werden.“
