Prohaska-Mühle sorgt für Kritik

Genehmigung stützt sich auf alte Unterlagen und Zustimmung von 2005

Ein Stück Alt-Temeswar wird in diesen Tagen abgerissen: die Josefstädter Prohaska-Mühle Foto: Kulturverein „Salvați Patrimoniul Timișoarei“

Temeswar – Der Abriss der früheren Prohaska-Mühle am Nicolae-Titulescu-Ufer hat in Temeswar erneut die Debatte über den Umgang mit dem industriellen Erbe der Stadt ausgelöst. Das Gebäude gehört der Firma Tender Imobiliare und gilt nach Einschätzung von Fachleuten als eines der letzten wichtigen Zeugnisse der früheren Mühlenindustrie in Temeswar. Abgerissen wird es auf Grundlage einer Genehmigung aus dem Jahr 2014, deren Fortführung 2025 zugelassen wurde.

Die Nichtregierungsorganisation Arhabito, die sich für den Schutz des Bau- und Kulturerbes einsetzt, hatte bereits Anfang Juli auf den Beginn der Abrissarbeiten hingewiesen. In einem öffentlichen Aufruf sammelte die Organisation Unterstützung von Fachleuten und reichte am 9. Juli bei der Kreisdirektion für Kultur Temesch einen Antrag auf Einleitung eines Dringlichkeitsverfahrens zur Unterschutzstellung der ehemaligen Mühle ein. Der Antrag blieb jedoch ohne unmittelbare Wirkung auf die bereits laufenden Arbeiten.

Arhabito argumentiert, der Verlust des Gebäudes bedeute nicht nur den Abriss eines alten Bauwerks, sondern auch das Verschwinden eines wichtigen Teils der industriellen Geschichte Temeswars. Die frühere Mühle habe historischen, architektonischen und erinnerungskulturellen Wert. Das Gebäude sei in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als Lager der Elisabeth-Dampfmühle („Erzsébet gözmalom“) errichtet worden, in unmittelbarer Nähe zur Bega und zur Bahnlinie, zwei damals zentralen Faktoren für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Nach den Bombardierungen von 1944, bei denen die eigentliche Mühle zerstört wurde, übernahm das noch bestehende Gebäude die Funktion einer Mühle. In der kollektiven Erinnerung blieb es unter dem Namen Prohaska-Mühle bekannt, nach der Industriellenfamilie, der der Komplex gehörte.

Die Abrissarbeiten erfolgen nach Angaben der Behörden auf Grundlage einer von der Stadt Temeswar ausgestellten Genehmigung zur Fortführung bereits genehmigter Arbeiten. Der Direktor der Temescher Kreiskulturbehörde, Sorin Predescu, erklärte, die aktuelle Genehmigung setze eine Abrissgenehmigung aus dem Jahr 2014 fort und stütze sich unter anderem auf eine Stellungnahme seiner Behörde aus dem Jahr 2005. Dass nach so langer Zeit noch mit denselben Grundlagen gearbeitet werde, bezeichnete Predescu als rechtlich möglich, aber problematisch.

Predescu schrieb in den sozialen Netzwerken, die Genehmigung sei legal, aber „unmoralisch“. Wäre die Kreiskulturbehörde heute um eine neue Stellungnahme gebeten worden, hätte die Mühle möglicherweise gerettet werden können, so Predescu. Zugleich kündigte er an, das von Arhabito beantragte Dringlichkeitsverfahren zur Unterschutzstellung nicht einzuleiten. Als Hauptargument nannte er, dass das Gebäude in der historischen Studie zum aktuellen allgemeinen Stadtentwicklungsplan Temeswars nicht zur Unterschutzstellung vorgeschlagen worden sei.

Nach den vorliegenden Unterlagen sollen von einer bebauten Fläche von 1487 Quadratmetern insgesamt 1458 Quadratmeter abgerissen werden. Die Arbeiten betreffen die frühere Mühle und Nebengebäude auf dem Grundstück am Nicolae-Titulescu-Ufer Nr. 10.

Vizebürgermeisterin Paula Romocean (USR) erklärte, die Stadtverwaltung habe keine rechtliche Grundlage gehabt, die Genehmigung zu verweigern. Die bestehenden Stellungnahmen seien gültig geblieben, solange das Projekt unverändert geblieben sei. Zudem stehe das Gebäude weder auf der Liste der Baudenkmäler noch sei es in den einschlägigen städtebaulichen Unterlagen zur Unterschutzstellung vorgeschlagen worden.

Romocean räumte allerdings ein, dass die öffentliche Debatte über die Rettung der Prohaska-Mühle zu spät gekommen sei. Man müsse als Gesellschaft früher entscheiden, welche Gebäude des industriellen Erbes erhalten und tatsächlich unter Schutz gestellt werden sollen. Persönliche Einschätzungen oder Bedauern reichten nicht aus, um eine Abrissgenehmigung zu verweigern, solange ein Gebäude keinen Denkmalstatus habe. Die Vizebürgermeisterin verwies zugleich darauf, dass die Kreisdirektion für Kultur seit Jahren die Möglichkeit gehabt hätte, selbst ein Verfahren zur Unterschutzstellung einzuleiten. Die Frage des industriellen Erbes solle nun auch bei der Vorbereitung des neuen allgemeinen Stadtentwicklungsplans berücksichtigt werden.

Während die Abrissarbeiten weiterlaufen, bleibt der Fall ein Beispiel für die späte und oft erfolglose Mobilisierung zum Schutz historischer Industriebauten in Temeswar. Die mit dem Abriss beauftragte Firma wurde unterdessen vom Temescher Umweltschutz mit 15.000 Lei bestraft, weil bei den Arbeiten große Staubwolken entstanden waren.