Radeln/Schäßburg – An die 50.000 Euro teuer ist der kabellose Scanner, den Dr. Călin Șuteu als fotografisch wie informatisch sehr versierter Forschungs-Mitarbeiter der Universität Karlsburg/Alba Iulia seit Mitte vergangenen Monats, praktischerweise auch im Hof der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburg Radeln/Roadeș still und aufmerksam gebrauchte: das Holzgerüst der Haube vom zentralen Turm der Anlage, das 2016 infolge schwerwiegenden Schadens an der Mauer bis hin zum letztlichen Einsturz zunächst unsanft unter Einsatz einer Motorsäge abgebaut worden war, liegt seit nun schon zehn Jahren in all seinen Einzelteilen rings um die Kirchenburg aus. Allerhöchste Zeit, die Balken genauestens vermessen zu lassen, was Dr. Călin Șuteu mit dem zwar handlichen, jedoch auch anstrengend schweren Scanner für architektonische Zwecke bewerkstelligte. Ein ultramodernes Gerät, das zwei voneinander unabhängige Kameras in sich vereint, wovon die eine nur die stoffliche Beschaffenheit und die andere ausschließlich den exakten Einfall des natürlichen Lichts auf das zu analysierende Material nachzeichnet. So einfach erläutert Dr. Călin Șuteu, seit 2017 Geschäftsführer der Einmannfirma GmbH Gigapixel Art SRL für digitale Vermessung immobilen Kulturerbes, den Begriff eines „strukturellen Lichts“. Architekt Eugen Vaida und zig Freiwillige der „Ambulanța pentru Monumente“ widmeten sich in Radeln ihrer selbstgewählten Aufgabe, auf dem Erdboden all die vorhandenen Holzteile der Turmhaube wieder zusammenzufügen, und fehlende wie schadhafte Elemente originalgetreu nachzubauen. „Um sie wieder auf den Turm zu setzen, sobald die gesamtheitliche Herangehensweise es erlauben wird.“ Als Frist für diese besondere Zwischenetappe hatten Vereinsleiter Vaida und sein Team sich den 7. Juni gesetzt. Auch Architekt Jan Hülsemann aus Bremen war zur Stelle.
Nebst Rekonstruktion vom Holzgerüst der Kirchturm-Haube unter Zurückgreifen auf die Vorzüge virtueller Techniken kümmerte sich die „Ambulanța pentru Monumente“ zeitgleich auch um das in die Jahre gekommene Dach eines der kleineren Türme. Holzlatten und nicht wenige Ziegeln mussten ausgetauscht werden. Selbst die vor fünf Jahrzehnten industriell produzierten Ziegeln mit der dreieckig spitz zulaufenden Form, die in Rumänien eigens für den Erhalt von Baudenkmälern des Burzenlandes/Țara Bârsei in Auftrag gegeben worden waren, haben das Ende ihrer Haltbarkeit erreicht. Ungleich besser sind ältere, die sich glücklicherweise auch „leicht“ ausfindig machen lassen, wie Eugen Vaida bestätigt. Die Chancen, dass nach und nach alle unsachgemäß an der Kirchenburg Radeln verbauten Biberschwanz-Ziegeln der mittleren Vergangenheit letztlich doch wieder spezifisch burzenländischen weichen werden, stehen nicht schlecht. Anfang Juni besuchten Großbritanniens Botschafter in Rumänien, Giles Portman und seine Ehefrau Lucie Portman die Baustelle der „Ambulan]a pentru Monumente“: ganz sicher auch und gerade auf Wunsch von König Charles III., der die Sache der Nichtregierungsorganisation schon seit ihrer Gründung 2016 fördert.




