„Wir alle seins Brüder, wir alle seins gleich“

Die kommenden drei Wochen am Huetplatz gelten Gesellen auf Wanderschaft und ihrem Publikum

Was Gesellen auf internationaler Walz 2015 für den Astra-Park gezimmert haben, steht noch heute optimal an Ort und Stelle. Foto: Klaus Philippi

Hermannstadt – „Nicht einen roten Heller“ hätten sie in ihren Geldbeuteln vorrätig, und „immer hungrig, immer fremd“ wären sie natürlich auch, schilderte 2007 Liedermacher Reinhard Mey im damals neuen Chanson „Drei Jahre und ein Tag“. Tatsächlich galt er so auch für Hermannstadt/Sibiu, das sich in der Überraschung wiederfand, nach sehr langer Zeit erneut von Handwerksgesellen auf der Walz als Standort zum Weiten von Erfahrung ausgespäht worden zu sein. Klar suchen sie ihre Herberge im Sagturm an der evangelischen Stadtpfarrkirche bis heute nicht als Touristen oder wohlhabend Reisende auf, sondern als Lernwillige, denen nichts über „das Geschick ihrer Hände, ihren Mut und ihre Kraft“ geht, weil ihnen unterwegs als „kostbares Gut“ allein das Können zur Verfügung steht, wie Reinhard Mey den Brauch besingt. Fremd aber sind Wandergesellen auf dem Huetplatz und allgemein im alten Hermannstadt nach 20 Jahren ständiger Präsenz nicht mehr: ihre aktuelle Schauwerkstatt am Gelände zwischen evangelischer Stadtpfarrkirche und Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium öffnet Montag, am 3. August, und schließt Sonntag, den 23. August. Es besteht wie üblich freier Eintritt in den Kirch- und Schulhof, und eine bessere Gelegenheit zur Aufnahme von Kontakt zu Gesellen lässt sich ohnehin nicht erdenken. Die international besetzte und darum selbstverständlich vielsprachige Schauwerkstatt steht auf der Förderungsagenda vom örtlichen Rathaus nebenan, von der Deutschen Gesellschaft e.V. mit Geschäftssitz in Berlin, von den drei Handwerkskammern in Kassel, Münster und Lübeck, sowie auf dem Programm von derzeit 40 Projekten, die von der vor 67 Jahren gegründeten bundesdeutschen Körber-Stiftung beworben werden.