Witz und Wahrheit in Glaubenssachen ...

Der Kreisrat des Banater Berglands hat Gelder an Glaubensgemeinschaften verteilt

Reschitza – Ein Banater Bürgermeister, der viel von seiner Witzigkeit hält (und bei den Wählern mit Dauer-Witzeerzählen auch gut ankommt), sagte einmal folgenden: „Fährt ein orthodoxer Pope ans Meer, rasiert sich vorher den Bart ab. Geht in Badehose ins Meer. Niemand beachtet ihn. Schwimmt. Kommt aus dem Wasser. Alle Badegäste grüßen ihn ehrfürchtig: „Tag, Herr Pfarrer!“. Er wechselt den Strand. Geht in Badehose ins Wasser. Keiner beachtet ihn. Schwimmt. Kommt raus. Wieder grüßen alle ehrführchtig: „Tag, Herr Pfarrer!“ Fragt der Pfarrer einen Grüßenden: „Woher wisst ihr alle, dass ich Pfarrer bin?“ „Herr Pfarrer, jeder Mensch spreizt beim Brustschwimmen die Arme von der Brust nach außen. Pfarrer fangen außen an und ziehen mit beiden Armen alles an sich, zu ihrer Brust. Sie raffen beim Schwimmen.“

Jüngst untertiteltelte eine Publikation des Bana-ter Berglands ihren Beitrag über die Verteilung von Haushaltsgeld des Kreisrats Karasch-Severin: „Die orthodoxe Kirche nahm sich mit beiden Händen!“ Das rief bei mir den Bürgermeisterwitz ins Gedächtnis (der Bürgermeister liegt – laut eigenen Aussagen – angeblich in Dauerfehde mit den orthodoxen Popen im Ort ... und meist geht es ums Geld). Grundsätzlich wird bei der Geldverteilung an die Kulte im Banater Bergland die Zahl der Gläubigen als Orientierungsgrundlage verwendet, eine Regel, die seinerzeit unter Sorin Frunz²verde eingeführt und unangetastet im Kreisrat weitervererbt wurde.

Nun ist es so, dass im Banater Bergland 177.127 rumänisch-orthodoxe Gläubige leben, noch 12.614 römisch-katholische, 8362 Pfingstler, 7945 Baptisten, 3384 serbisch-orthodoxe Gläubige, 1002 griechisch-katholische, mit Rom unierte, 569 Reformierte/Calvinisten, 371 Adventisten, 202 Zeugen Jehovas, 92 Christen nach dem Evangelium, 79 Lutheraner, 57 altgläubige Christen, 39 Bürger mosaischen Glaubens, 36 Anhänger des Islam, 24 Evangelische, 14 Evangelische Augustinischen Bekenntnisses und fünf Unitarier – aber auch 276 Bürger „anderer Religion“, 574 „ohne Religionsangabe“, 314 Atheisten und 83 Agnostiker – neben 33.419 Bürgern des Banater Berglands, die sich weigerten, bei der Volkszählung Angaben betreffs ihrer Religionszugehörigkeit zu machen.

Vom Kreisrat standen für die Unterstützung der Kulte – jener Kulte, die für 2026 finanzielle Unterstützungen schriftlich angefordert haben – 800.000 Lei zur Verfügung. Davon kriegte die rumänisch-orthodoxe Kirche erst einmal 562.800 Lei. Allerdings hatte der Chef des Abgeordnetenhauses und der PSD, Sorin Grindeanu (in Karansebesch geboren, der rumänisch-orthodoxen Bischofsstadt des Banater Berglands), beim Aufschneiden der Haushaltstorte Rumäniens der rumänisch-orthodoxen Kirche des Banater Berglands bereits im Vorfeld einmal 900.000 Lei „reserviert“ „für die Restaurierungsarbeiten der Sankt-Georgs-Kirche von Karansebesch“, der ehemaligen Bischofskirche, weitere 600.000 Lei für die „Weiterführung der Innenausmalung der Bischofskathedrale `Auferstehung des Herrn`“ im Stadtzentrum von Karansebesch und Senator Ion Marcel Vela (PNL), der Ex-Bürgermeister der Stadt an Temesch und Sebesch, hatte vergleichweise bescheidene weitere 16.000 Lei für „Reparaturarbeiten“ an derselben, eigentlich neuen Kathedrale vorreserviert. Zusammengezählt hat also die rumänisch-orthodoxe Kirche des Banater Berglands in diesem Haushaltsjahr sich vom Staat mit 2.078.800 Lei „helfen“ lassen. Wenn es dabei bleiben sollte ... 

Vom Kreisrat hatte sie ursprünglich 619.994,29 Lei gefordert  (immerhin 77,5 Prozent der Gesamtsumme, die den Kulten zugesprochen wurde; bekommen hat sie 68,75 Prozent der Gesamtsumme)...

Die einzige Glaubensgemeinschaft, die vom Kreisrat die volle Summe zugesprochen bekam, die sie angefordert hatte, war die serbisch-orthodoxe: bescheidene 17.200 Lei. Die Baptisten hatten 219.154 Lei gefordert, 120.000 Lei bekommen. Die Siebenten-Tags-Adventisten forderten 130.441,26 Lei, bekamen 100.000.

Zieht man eine Gesamtbilanz, haben drei Kulte zusammen 237.200 Lei Unterstützung erhalten, die rumänisch-orthodoxe Kirche allein 2.078.800 Lei, praktisch das Zehnfache.

Fazit: In Bürgermeisterwitzen stecken Wahr- und Weisheiten.