Die dunkle Seite der Sonne

Mythen und Fakten rund um die gebräunte Haut

Achtung! Schirme schützen nicht genug vor der schädlichen Wirkung der Sonne. Foto: die Verfasserin

- Wo warst du in den Sommerferien?
- Am Meer. 
- Man sieht es dir nicht an. 

Diesen Dialog führte ich als Kind fast jedes Jahr. Niemand glaubte mir, dass ich am Meer war, da meine Haut auch nach 10 Tagen in der Sonne liegen noch immer käseweiß war. Das ärgerte mich. Ich war neidisch auf die Leute, die nach einem einzigen Tag am Strand schon braun waren. 

Gebräunte Haut, fand ich, sieht besser aus. Sonnenbräune nach dem Urlaub sieht gesund aus, Shorts oder Rücke zu tragen und dabei weiße Beine zu haben fand ich nicht nur unästhetisch, sondern auch kränklich. Deshalb verbrachte ich immer mehr Zeit in der Sonne, und der Lichtschutzfaktor meiner Sonnencremes überschritt nie 20. Ein paar Sonnenbrände und ein erfolgreich operiertes Basalzellkarzinom später sehe ich nach vielen Jahren endlich ein, dass es am gesündesten ist, gar nicht in der Sonne zu liegen. Aber ein Strandmensch wie ich kann das kaum verkraften. Also versuche ich, immer viel Sonnencreme mit LSF 50 zu verwenden und mich, so viel es geht, von der Sonne zu schützen. Denn richtiger Sonnenschutz kann Leben retten. Laut den letzten Statistiken gibt es jährlich über 3 Millionen Neuerkrankungen an Hautkrebs. Die Fallzahlen steigen stetig an, insbesondere bedingt durch UV-Strahlung. 

Was am meisten hilft, wenn man trotzdem Bedenken hat: Sonnenschutz ist das effektivste und günstigste Anti-Aging-Mittel. UV-Strahlung baut Kollagen und Elastin ab, was zu Falten und Pigmentflecken führt. Tägliche Anwendung von Lichtschutzfaktor (LSF) 30 bis 50 schützt tief in die Haut und reduziert vorzeitige Hautalterung um fast ein Viertel. 

Wie viel Sonne ist gesund? Wird man im Wasser schneller braun? Schützt ein Sonnenschirm vor der UV-Strahlung? Kann man die Sonnencreme aus dem Vorjahr wirklich nicht mehr verwenden? Ist teure Creme besser als Drogeriemarkt-Creme? Wie stark schützt Kokosöl? 

Hier ein paar Mythen und Fakten rund um den Sonnenschutz, auf die man unbedingt in der Urlaubszeit achten sollte. 

FALSCH: Braun ist gesund

Ein gebräunter Teint gilt als vital und besonders attraktiv. Ausgiebiges Sonnenbaden ist daher sehr beliebt, ebenso wie die Bräune aus dem Solarium. Tatsächlich aber ist die Bräunung eine Abwehrreaktion der Haut, um schädigende UV-Strahlen abzuhalten. „Vorzubräunen“, um im Akutfall besser gewappnet zu sein, ist daher also auch keine gesunde oder gar vernünftige Vorbereitung auf einen Urlaub. Jede Bräune – egal ob natürlich oder künstlich – zeigt an, dass die Haut verletzt wurde. Eine gesunde Bräune gibt es also nicht.

WAHR: Sonne altert 

Sonne tanken ist gut fürs Gemüt. Außerdem regt UV-Licht die Vitamin-D-Bildung an und stärkt das Immunsystem. Die Schattenseite: UVA-Strahlen können bis tief in die Haut eindringen und greifen so das Stützgerüst aus Kollagen und Elastin an.

Auch wenn sich dies von Beginn an nicht zeigt, beschleunigen die UVA-Strahlen den gesamten Alterungsprozess und sind verantwortlich für die vorzeitige Bildung von Falten. Anders als UVA-Strahlen sorgen die UVB-Strahlen für schmerzhafte Sonnenbrände. Denn sobald wir uns zu lange ohne Sonnencreme sonnen, wird die Haut nicht mehr gebräunt, sondern verbrannt. Bewegt man sich im Wasser, auf dem Asphalt oder im Schnee, werden die Sonnenstrahlen stärker reflektiert und die Sonneneinstrahlung ist intensiver. Nicht zu vergessen ist, dass die Haut das ganze Jahr über der Sonne ausgesetzt ist, auch bei Nebel und Regentage. Um die Haut daher optimal vor der Sonne und ihren UV-Strahlen zu schützen, ist es wichtig, seinen Eigenschutz zu kennen.

FALSCH: Es gibt gute Alternativen zu Sonnencreme 

Kokosöl und Grüntee sind Trends auf Tiktok: sie sollen eine natürliche Alternative zu Sonnencreme sein. Tatsächlich wird ihnen nachgesagt, einen gewissen Lichtschutzfaktor zu haben. 

Doch der ist viel zu gering, um vor der Sonne schützen zu können. Und sie können auf keinen Fall Sonnenschutzmittel ersetzen. Ganz im Gegenteil: Öle auf der Haut könnten sogar einen Hitzestau und Pickel verursachen.

WAHR: Sonnenschutzmittel aus dem Vorjahr sollte man besser nicht verwenden

Forschende haben festgestellt, dass sich in vielen Sonnencremes mit der Zeit das womöglich krebserregende Benzophenon befindet. Benzophenon entsteht nach und nach aus Octocrylen. Viele Sonnencremes enthalten diese Chemikalie, weil sie vor UVB-Strahlung schützt. Die Forschenden haben im Experiment eine Alterung des Produkts von einem Jahr nachgestellt. Auffällig dabei und ein weiterer Grund, Sonnenmilch vom Vorjahr zu entsorgen: Benzophenon kann sogar in ungeöffneten Packungen entstehen. Hersteller müssen angeben, wie lange ein Sonnenschutzmittel nach dem Öffnen verwendet werden kann. Auf der Tube oder Flasche findet sich ein kleines Symbol, das die Anzahl der Monate nach Öffnung angibt, in denen die Creme noch verwendet werden kann. In der Regel steht dort „12 M“ für 12 Monate.

FALSCH: Sonnencremes stören die Vitamin D-Produktion

Untersuchungen deuten darauf hin, dass Sonnenschutz die Vitamin-D-Synthese nicht maßgeblich behindert. Ein britisches Forscherteam hat eine Touristengruppe während ihres einwöchigen Sonnenurlaubs auf Teneriffa untersucht und festgestellt: Trotz der Verwendung eines Sonnenschutzmittels hat sich bei den Testpersonen der Vitamin D-Spiegel erhöht. 

FALSCH: Im Schatten braucht man keinen Sonnenschutz

In einer kalifornischen Studie wurde verglichen, ob in der Mittagszeit im Schatten eines Baumes mehr UV-Strahlung nachweisbar ist – oder im Schatten eines Sonnenschirms. Das Ergebnis: Die im Schatten von Bäumen platzierten Sensoren zeigten an, dass noch immer über 5 Prozent der UV-Strahlung erfasst wurden. Die im Schatten von Sonnenschirmen platzierten Sensoren zeigten sogar mehr als 17 Prozent der UV-Strahlung an. Das liegt daran, dass die Strahlung zum Teil auch von der Seite kommt. Am Wasser, Strand oder im Schnee kann die UV-Strahlung durch Reflektionen sogar bis zu 75 Prozent ihrer Stärke erreichen. Daher sollte man auch im Schatten immer auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten. 

FALSCH: Gute Sonnencreme ist teuer

Sonnencremes, Sonnenmilch, Sprays und Lotionen aus Apotheken, Supermärkten, Drogerien sowie Discountern werden regelmäßig getestet. Die Ergebnisse zeigen: Die Qualität des Sonnenschutzmittels hängt nicht vom Preis ab. Günstige Produkte aus dem Discounter sind sogar häufig besser als High-End-Produkte. 

FALSCH: Mit LSF 50 bräunt man nicht

Mit LSF 50 geht das Bräunen nur viel langsamer. Gesund ist das zwar auch nicht, aber man sollte sich sich idealerweise immer mit dem höchstmöglichen Schutz eincremen. 

WAHR: Man wird im Wasser schneller braun 

Im Wasser wird man schneller braun, da es die Sonnenstrahlen reflektiert und somit die Einstrahlung auf die Haut intensiver wird. Diesen Effekt kann man auch im Hochgebirge oder an der See beobachten, was daran liegt, dass an diesen Orten kaum UV-Strahlen durch Staub- oder Dunstteilchen absorbiert werden. Auf dem Wasser ist Vorsicht geboten. Aufgrund von Wind, der ja häufig am Meer herrscht und dem kühlen Nass, bemerkt man die Intensität der Sonne nicht unbedingt direkt und verbrennt sich schneller, als es einem lieb ist. 


Wieso hat man früher keinen Sonnenschutz verwendet? 

Im frühen 20. Jahrhundert galt gebräunte Haut nicht als attraktiv, sondern als Zeichen der Arbeiterklasse. Die Oberschicht mied die Sonne. Erst ab den 1920er- und 1960er-Jahren wandelte sich das Bild durch die Mode (Urlaub am Meer, „braungebrannt = erholt“). Bräunen stand im Fokus, nicht der Schutz. Die schädlichen Langzeitfolgen von UV-Strahlung, wie lichtbedingte Hautalterung und das Risiko von Hautkrebs, waren medizinisch noch nicht erforscht oder der breiten Öffentlichkeit nicht bewusst. 

Der Begriff „Lichtschutzfaktor“ wurde erst 1962 vom österreichischen Chemiker Franz Greiter definiert. Vorher gab es keinen standardisierten Wert zur Messung der Schutzleistung. Die ersten Produkte auf dem Markt in den 1960er- und 70er-Jahren waren Sonnenöle oder Cremes mit sehr geringem Lichtschutzfaktor. Mitte der 1980er-Jahre stellten Forscher fest, dass UVA-Licht nicht nur bräunt, sondern die Haut auch frühzeitiger altern lässt. 

Wie trägt man Sonnenschutz richtig auf?

Der Eigenschutz der Haut ist die Zeitspanne, während welcher eine ungeschützte Haut an der Sonne keinen Schaden davontragen kann. Und da Haut nicht gleich Haut ist, ist die Länge des Eigenschutzes vom Hauttyp abhängig. Grundsätzlich gilt, je dunkler die Haut, die Augen und die Haare sind, desto höher ist der Eigenschutz der Haut. Für sehr hellhäutige Menschen beträgt der Eigenschutz etwa 5-10 Minuten, wohingegen bei sehr dunkler Haut, der Schutz mehr als 90 Minuten wirken kann. Wer sich nun über eine längere Zeit im Freien aufhalten möchte, muss sich vor der Sonne schützen. Kleidung, Hüte, Sonnenbrillen und Schatten helfen dabei, jedoch ist die Sonnencreme, der einzige Schutz, welcher die Haut über eine längere Zeit hinweg absichern kann. Denn eine Sonnencreme umgibt unsere Haut wie ein Schleier und bewahrt uns so vor schädlichen Umwelteinflüssen.

Um die geeignete Sonnencreme finden zu können, muss die Anzahl von Minuten des Eigenschutzes der Haut mit dem Lichtschutzfaktor der Sonnencreme multipliziert werden. Die errechneten Minuten und Stunden sind die Zeit, welche die Haut vor Schäden geschützt ist. Eine sehr hellhäutige Person zum Beispiel, welche einen Eigenschutz von maximal 10 Minuten hat, könnte mit einem Lichtschutzfaktor von 50 die Verweildauer an der Sonne bis auf 500 Minuten erhöhen.

Um den besten Schutz zu erreichen müssen Sonnencremen ca. 30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freiem großzügig aufgetragen werden. Nach längerer Zeit im Wasser oder auf dem Sand, wird eine erneute Anwendung der Sonnencreme empfohlen.