Du musst lernen, dich zu entscheiden!

Auch wenn es wirklich schwer sein kann

In welche Richtung möchtest du gehen? Es gibt viele Möglichkeiten, wie an diesem Ort, an dem es viele Schilder gibt. | Foto: Trish Steel/CC BY

Entscheidungen sind nicht leicht. Nicht mal im Supermarkt. | Foto: Wikimedia Commons

Willst du rausgehen, oder drinbleiben? Auch Katzen fällt es offenbar schwer, sich zu entscheiden. | Foto: Craig Sunter/CC BY 2.0

Oft stehe ich vor den Regalen im Supermarkt und weiß nicht, was ich will. Einen Softdrink, Wasser, einen Energydrink oder vielleicht einen Ayran? Minutenlang stehe ich vor dem Kühlregal und muss nachdenken, während zahlreiche gehetzte Menschen an mir vorbeirennen. Nun, irgendwann nehme ich halt irgendwas. Kein großes Problem. Manche Entscheidungen sind weniger wichtig als andere. Doch gerade in der Jugend stehen viele wichtige Entscheidungen an, die einem noch schwerer fallen können. Deswegen hier einige Gedanken, die mir selbst auch geholfen hätten. Denn du musst dich entscheiden, ob du willst, oder nicht.

Denn wenn du dich nicht entscheidest (was natürlich auch eine Entscheidung ist), wird für dich entschieden werden. Du weißt nicht, was du nach der Schule werden willst? Deine Eltern haben sicher schon die perfekte Idee für dich. Wie entscheidest du dich dann?

Du weißt nicht, was du anziehen sollst? Deine Mitschüler werden dir sicher Tipps geben und dich indirekt dazu drängen, den neuesten Trends zu folgen. Ach ja, die KI hat mittlerweile ja auch noch Tipps. Doch gefallen die dir? Möchtest du so aussehen?

Du weißt nicht, was du mit deiner Freizeit anfangen sollst? Auf den sozialen Medien wird dir ununterbrochen gezeigt, wie hübsche und erfolgreiche Menschen ihre Zeit vergeuden. Möchtest du das auch? Oder möchtest du was anderes? Was willst du?

Du hast die Freiheit

Denn in einer modernen Demokratie wird dir das nicht vorgegeben. Du musst nicht die Berufe deiner Eltern übernehmen, du musst nicht deiner sozialen Klasse gerecht werden und du musst nicht mal in den Militär- oder Sozialdienst. Anders als das kommunistische Regime nimmt dich der demokratische Staat nicht an die Hand. Das möchte er gar nicht. Er möchte dir einen Rahmen geben, in dem du dich entscheiden und entfalten kannst und in dem du den Staat durch Wahlen und demokratische Teilhabe verändern kannst. Das Ziel der modernen Demokratie ist, dass die Menschen den Staat weiterentwickeln und verändern und nicht der Staat die Bürger erzieht.

Die Demokratie lässt dir die Freiheit, die Ansprüche deiner Eltern, deiner Mitschüler, des Handys und der KI zu ignorieren. Du kannst etwas ganz anderes machen. Statt zu studieren willst du lieber ins Ausland gehen und arbeiten? Statt die neuesten Trendklamotten willst du lieber alte Sandalen und Hippie-Jacken tragen? Statt auf deinem Handy leere KI-Musik zu hören, willst du lieber auf dem Walkman deiner Eltern Kassetten hören? 

Du bist frei, dich zu entfalten, auch wenn es natürlich für Menschen mit weniger Einkommen deutlich schwerer ist als für Menschen mit mehr Einkommen. Es gibt trotzdem zahlreiche Möglichkeiten.

„Ich kann mich nicht entscheiden!“

Trotzdem liest du diesen Text und denkst dir: „Das mag stimmen, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden! Ich weiß nicht, wer ich sein soll, oder bin!“ Dies ist ein Gefühl, dass viele Jugendliche haben. 

Es kommt vor allem daher, dass Menschen narrative Wesen sind. Geradezu jeder Gedanke wird mit einer Geschichte erzählt. In unseren Gedanken erzählen wir uns ununterbrochen Geschichten über uns selbst, sowie auch über andere. Dadurch können wir uns in andere hineinversetzen und Empathie erleben, aber auch in fehlerhafte Gedankenschleifen geraten.

Max-Frisch schreibt im Werk „Mein Name sei Gantenbein“ zu diesem Thema: „Jeder Mensch erfindet sich irgendwann eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“ Man malt sich also selber lange Geschichten aus, wie das zukünftige Leben wird, wenn man diese oder jene Entscheidung trifft. Die Eltern und Freunde werden einem noch weitere Zukunftsgeschichten erzählen. Dabei sind die Gedanken vor allem eines: lange Erzählungen, die oft so nicht wahr werden oder bereits im Jetzt unwahr sind. Ein Menschenleben ist nicht nur eine Geschichte. Es ist etwas viel Umfangreicheres und Komplizierteres.

Lügengeschichten in sozialen Medien

Auch wenn die sozialen Netzwerke es gerne anders verkaufen. Sie funktionieren ebenfalls narrativ und meistens sehr simpel. Viele Influencer erzählen über sich selbst: „Mit diesen Tipps bin ich erfolgreich geworden“, „Dieses Produkt hat mein Leben verändert“, und „Mit diesen Tricks werdet ihr glücklicher.“ Dabei wird das Leben geradezu als etwas Lösbares dargestellt. Nach der Erzählung: „Wenn du das machst, wirst du dieses Ergebnis erhalten.“

Dabei lassen sich diese Geschichten leicht enttarnen. Denn sie bauen nur auf Konstrukte auf. Hast du schon mal jemand getroffen, der absolut und endlos glücklich ist? Jemand, der nicht auch mal traurig, genervt oder sauer ist? Sicherlich nicht. Gut, das mag offensichtlich sein, lohnt sich aber zu bedenken: Glück, Erfolg und Zufriedenheit sind niemals Dauerzustände.

„Der Kopf ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr“

Dies alles solltest du bedenken, wenn du deine Entscheidungen triffst. Versuch, den Geschichtenerzähler im Kopf zu durchschauen. Im Buddhismus gibt es zu diesem Thema einen passenden Grundsatz, der im Satz  „Der Kopf ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr“ gut zusammengefasst werden kann. 

Dafür, und für Entscheidungen generell, hat die Psychologin und psychosoziale Familienbegleiterin Stephie Karrer auch ein paar passende Tipps im SRF vorgestellt. Sie empfiehlt zum einen, dass man versuchen sollte, die Perspektive zu wechseln. Das macht man am besten, wenn man sich vorstellt, was man einer Freundin oder einem Freund raten würde bei dieser Entscheidung. Dadurch bekommt man Distanz zum Thema, obwohl es einen selbst betrifft. 

Außerdem sollte man mit Freunden darüber reden (über welche Option redet man lieber?), eine Pro-und-Kontra-Liste machen und sich fragen, welchen Einfluss die Geschichte in zehn Minuten, zehn Monaten und zehn Jahren haben könnte. 

Nur informiert kann man gute Entscheidungen treffen

Alle diese Methoden haben zwei Sachen gemeinsam: Distanz und Sachlichkeit. Zwar sind die eigenen Emotionen durchaus wichtig und man sollte keine Entscheidung treffen, die man nicht möchte und die gegen die eigenen Emotionen sind, aber sie sind auch nicht alles.

Zusammengefasst: Du solltest dich selbst und deine eigenen Gedanken hinterfragen, du solltest Fakten sammeln und informiert sein und dann kannst du am besten die richtige Entscheidung für dich treffen.

Das ist besonders wichtig, da in der Jugend sich das Gehirn umfangreich verändert, wie auch die Zeitung „der Standard“ aus Wien schreibt. „Das Gehirn tritt zu Beginn der Jugendzeit in eine besondere Reifungsphase ein, die begleitet ist von umfassenden neurologischen und biochemischen Umbauten. Und der Rest des Körpers macht ebenfalls großräumige Veränderungen durch, vor allem aber experimentiert er mit neuen Hormoncocktails.“

Die Gehirn- und Denkstruktur wird dabei umgebaut. Auch deswegen fällt es vielen Jugendlichen schwer, Erwachsene zu verstehen (und natürlich andersherum). Denn beide denken unterschiedlich. „Das kann dazu führen, dass man sich als Heranwachsender unverstanden fühlt und das Leben generell als ‘unfair’ empfindet“, so die Zeitung weiter.

Dazu gibt es einen weiteren Effekt, der durch die Umstrukturierung des Gehirns präsent wird. „Teen-ager sind deutlich empfänglicher für unmittelbare Belohnungen und somit auch anfälliger für schlechte Entscheidungen“. Auch deswegen ist es umso wichtiger, wie auch „der Standard“ herausstellt, sich vor Entscheidungen gut zu informieren.