Am letzten Juni-Samstag, vor der Mittagsstunde, hallte im Haus der Do-nauschwaben in Sindelfingen ein gut bekanntes Lied durch den Saal: „Wo die Donau fließt nach Süden“, untermalt mit Bildern aus der Sathmarer Gegend in Rumänien. Somit wurde das Publikum auf eine sehr attraktive Veranstaltung des Landesverbandes Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben e.V. eingestimmt.
Die Vorsitzende dieses Landesverbandes, Rosi Tom, begrüßte sodann die Gäste. Sie ließ in sathmarschwäbischer Mundart Dr. Violeta Bakia, die Leiterin des Hauses, Bettina Schröck, die Assistentin des Hauses, Sylvia Herrmann, Bibliothekarin des Hauses, Anna Probst, die HOG-Referentin und stellvertretende Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben in Baden-Württemberg, Dr. Melinda Marinka, Assistenzprofessorin der Universität Debrecen (Ungarn) sowie die anwesenden Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen, herzlich willkommen heißen.
Anschließend bat die Landesvorsitzende der Landsmannschaft Dr. Violeta Bakia (Hausleitung) ans Mikrofon, um ein paar Worte in „Deutsch“ ans Publikum zu richten, wie sie ironisch gut gelaunt formulierte.
Für sie ist es eine besondere Ehre, am heutigen Tage am Rednerpult zu stehen und die Lebensbahn der Sathmarschwaben zu erfahren, meinte die Leiterin des Hauses. Sie ist seit geraumer Zeit im Donauschwabenhaus beheimatet und hat großes Interesse an der Geschichte der Donauschwaben. Sie meinte, dass das schön sanierte Haus in Sindelfingen die geeignetste Anlaufstelle hierfür sei.
Gespannt warteten die Anwesenden auf den angekündigten Vortrag von Gertrud Geng. Sie ist eine geborene Böhm aus dem Kreis Sathmar. Sie stellte sich kurz vor. Sie besuchte in den 1970er Jahren das deutsche pädagogische Lyzeum in Hermannstadt/Sibiu und widmete sich viele Jahre in ihrem Heimatort Scheindorf/Sâi (Sathmarland) sowie auch in Deutschland den Vorschulkindern als Erzieherin. Es war sehr rasch zu erkennen, dass sie nicht nur im Schulwesen, sondern auch in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in der Landsmannschaft der Sathmarer mit großer Leidenschaft dabei ist. Robert Knill, ein Landsmann aus Sathmar, unterstützte sie beim Aufbau ihres Referats. „Wer sind die Sathmarer Schwaben?“ Hierzu referierte Frau Geng.
Zunächst präsentierte sie das Schild der Auswanderung bzw. der Ansiedlung der ersten Siedler im Jahr 1712, das am Donauufer in Ulm angebracht ist. Es war die erste Ansiedlung der Oberschwaben im Sathmarland. Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurden 31 Ortschaften besiedelt. Die Siedler übten hauptsächlich den Beruf eines Handwerkers aus. Der Glaube spielte eine zentrale Rolle im Leben der Sathmarer Schwaben. Darum wurden am Anfang des 19. Jahrhunderts die Kirchen aus Holz und Stein erbaut. Die Bevölkerung aus dieser Gegend beharrte stets auf ihren Bräuchen und Sitten. Im Vortrag wurden zum Beispiel der „Funka Sonntag“, das Vertreiben des Winters mit einem Feuer, „Mädla netza“, das Bespritzen der Mädchen, dass die Pflanzen im Frühling wachsen, die Kirchweihfeste, Traubenbälle, die Feier zur Traubenlese oder auch die Neujahrswünsche vorgestellt. Dazu trug Frau Geng einen Neujahrswunsch vor. Die Blütezeit der Sathmarer Schwaben ließ nicht lange auf sich warten. Schöne Bauernhäuser schmückten die Dörfer. Am Fuße der Hügel entstanden große Weinkeller. Es wurden zahlreiche Schulen errichtet. Dann kam der Krieg. Das Land zählte ca. 3000 Evakuierte. Ein Artikel des Scheindorfer Dorfpfarrers bezeugt dieses Leiden. Frau Geng las den Bericht vor. Am 9.10.1944 zogen die ersten russischen Truppen in Sathmar ein. Es folgte die schreckliche Deportation nach Russland. Vorgezeigte Fotos bestätigten das Martyrium jener Zeit. Ab dem Jahr 1978 setzte sich die Abwanderung der Sathmarer Schwaben nach Deutschland in Bewegung. Im Jahr 1980 lebten noch 38.000 Schwaben in Sathmar. Im Jahr 2021 zählte man nur noch 3722 Personen deutscher Abstammung im Kreis Sathmar. Heutzutage gibt es ein Deutsches Forum in der Kreisstadt. Im „Johann-Ettinger-Lyzeum“ in der Stadt Sathmar wird in deutscher Sprache unterrichtet. Viele junge Leute arbeiten jedoch aktuell im Ausland. Man schätzt, dass in Deutschland noch etwa 25.000 - 30.000 Personen mit Sathmarer Wurzeln leben.
Gertrud Geng wies auf die Aktivitäten der Sathmarer Landsmannschaft hin. Kirchweihfeste, Ostermärkte, Traubenbälle, Fußballspiele, Auslandsfahrten, Zusammenkünfte, sonstige Feiern und nicht zuletzt die Heimattreffen stehen nach wie vor in dem Veranstaltungskalender. Dabei lud sie alle Anwesenden zu einem geplanten Fest im nächsten Jahr ein.
Ein Schmankerl konnte Frau Geng dem sehr interessierten Publikum noch anbieten. Sie zeigte auf der Leinwand des Raumes die Geschichte der Sathmarer Schwaben anhand eines Filmes, der im Auftrag der Sathmarer Landsmannschaft entstanden ist. Eine Sandmalerin aus München lässt Sand rieseln und fertigt ein bemerkenswertes Kunststück.
Zum Abschluss der Veranstaltung griff Gerdi Geng zum Akkordeon sowie auch zu ihrer Gitarre und forderte alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, mitzusingen. „Wahre Freundschaft“ und die Melodie „Oh du Sathmarland“ waren für viele Gäste sicherlich keine Herausforderung. Noch bewegter und schöner klang es, als ihr Ehemann Toni ungezwungen und spontan zum Mikrofon griff und dem Event den letzten Schliff gab.
Die aus den verschiedensten Gegenden stammenden und gekommenen Besucherinnen und Besucher plauderten bei einem kleinen Imbiss, der u. a. auch sathmarschwäbische Spezialitäten bot, unterhaltsam über dies und jenes.
Meine Feststellung: Wir Do-nauschwaben weltweit gehören einfach zueinander. Denn wie sagt man so schön: „Am Fluss des Lebens: Die Brücke der Begegnung heißt Mit-einander.“







