Die rumänische Geschichte war stets geprägt von deutschen Einflüssen. Ein Beispiel: Seit 1914 regierte der deutsche Ferdinand von Hohenzollern-Sigmaringen Rumänien gemeinsam mit seiner Frau, Königin Maria, geboren als Marie von Edinburgh. Aus Britannien stammend, war sie mit dem russischen Zaren verwandt. Genau diese Marie entwickelte eine Faszination für die Stadt Baltschik/Balcic, die von 1913 bis 1940 zum rumänischen Königreich gehörte. Sie baute dort ein Schloss mit einem enormen botanischen Garten. Heutzutage fluten jährlich zahlreiche rumänische Besucher die mittlerweile bulgarische Stadt, um das Schloss zu sehen. Vor Kurzem machte dies auch eine Reisegruppe der deutschen Minderheiten!
Dies organisierte das Regionalforum „Altreich & Buchenland“ des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. 313 Leute waren mit dem Forum auf einem Ausflug im rumänischen Saturn und an einem Tag sollte das Schloss von Marie besucht werden.
Also wurden in Saturn ungefähr acht Busse bestiegen und auf ging es nach Bulgarien! Die Fahrt dauerte nicht lange. Von Saturn war es ungefähr eine Stunde. Insgesamt ist Baltschik am besten mit dem Auto oder mit einem Bus zu erreichen. Es gibt leider keine Zugverbindung nach Rumänien an der Schwarzmeerküste und auch keinen Flughafen (außer in Varna, von dort braucht man jedoch wieder ein Auto/einen Bus nach Baltschik).
Ein historisches Kap
Bevor die große Reisegruppe jedoch in die vergleichsweise kleine bulgarische Stadt einzog, hielt der Tross bei einer verlassenen Burg. Diese liegt auf dem Kap Kaliakra im Norden der bulgarischen Schwarzmeerküste. Schon die Daker bauten dort eine Festung, denn der Ort war perfekt, um die Meeresküste zu kontrollieren. Später übernahmen erst die griechischen Kolonisatoren und dann die Römer die Festung. Der Name stammt wohl vom alten Wort „acra“ (Kap) und dem griechischen Wort „kalos“ (schön/gut), berichtet ein Informationsschild vor Ort. Also wurde aus „kalos acra“ das Wort „Kaliakra“.
Weiter in der Geschichte: Im 14. Jahrhundert errichtete das Despotat (Fürstentum) Dobrudscha hier seine Hauptstadt, und Mönche bauten die Felsenhöhlen zu einer Einsiedelei um. Doch 1421 wurde die Festung von den Türken erobert und zerstört. Der Legende nach stürzten sich 40 Jungfrauen von der Klippe ins Meer, um sich den Eroberern zu entziehen. Seitdem wird Festung nicht mehr militärisch genutzt und verfällt, bis heute.
Dennoch lohnt sich ein Besuch. Es gibt einiges gut erhaltenes Mauerwerk, die steile Schwarzmeerküste, die man vom Kap perfekt bestaunen kann, sowie eine faszinierende Natur. Denn überall liegen kleine, tote Schneckenhäuser! Auf den Steinen, auf dem Gras und auf den Wegen. Und als das Forum da war, tummelten sich auf den Wegen auch zahlreiche freundliche Zipser, Banater Berglanddeutsche und Mitglieder der deutschen Minderheiten im Altreich und dem Buchenland, welche die Ruine gemeinsam bestaunten, sich unterhielten und nach einer Stunde dem Plan folgend auch wieder zurück zu den Bussen gingen.
Geschäftige Stadt
Denn Carmen Cobliș, die Geschäftsführerin des Regionalforums, hatte einen gut durchdachten Zeitplan für die Reise zusammengestellt. Nach dem Kap gab es ein leckeres Mittagessen in der Innenstadt an der Küste und dann ging es weiter zum Schloss.
Auf dem Parkplatz, das vom Schloss ungefähr 15 Gehminuten entfernt ist, zeigt sich schon, wie touristisch der königliche Garten ist: Es gibt mehrere Supermärkte, Läden für bulgarische Kosmetika und zahlreiche kleine Marktstände, wo Bulgaren ihre Waren verkaufen. Dabei sprechen eigentlich alle auch Rumänisch und akzeptieren unsere Lei. Umgeben ist der Parkplatz von enormen Hotelkomplexen, alten kommunistischen Bushaltestellen und einem regen Verkehr.
Kämpft man sich jedoch durch die Menschenmassen und gelangt in die königlichen Gärten, fühlt man sich wieder ruhig und ganz bei sich. Denn die Gärten sind so weitläufig, so schön und in einem so guten Zustand, dass sich die Menschenmassen verlaufen und man dazu kommt, kurz durchzuatmen.
Rosen, Kakteen und Wein
Vor einem entfaltet sich eine wahre Pracht: Es gibt einen Rosengarten in der Nähe des Meeres, der sowohl nach Meer, als auch unglaublich gut nach Rosen duftet. Am liebsten möchte man an jeder einzelnen Pflanze schnuppern. Es gibt ein Gewächshaus mit Kakteen, die so groß wie Drachen oder Monster sind und es gibt die schönen Villen, die alle zum Schlosskomplex gehören. Neben einem Haus kann man sogar Wein probieren und auf einer Terrasse dösen, mit Blick auf das weite Meer.
Es ist kein Wunder, dass im Jahr 2025 insgesamt 200.000 Besucher zum Schloss kamen, wie „economica.net“ berichtet. Und es ist auch kein Wunder, dass die Königin hier begraben werden wollte. Jedenfalls zum Teil. Nach ihrem Tod im Jahr 1938 wurde ihr Herz auf ihren Wunsch in der Kirche Stella Maris in Baltschik beerdigt. Nicht für immer: „Nach dem Wiener Diktat im Jahr 1940 und dem Verlust der südlichen Donaugebiete Rumäniens wurde das Herz von Königin Maria aus der Stella-Maris-Kapelle des Schlosses Balchik an der Schwarzmeerküste nach Bran geholt“, so berichtet das Schloss Bran auf seiner Internetseite. Heutzutage befindet sich der Schrein mit ihrem Herzen im Nationalen Geschichtsmuseum von Rumänien in Bukarest.
Touristenfallen, teure Getränke...
Wegen dieser interessanten Geschichte und dem insgesamt wunderbaren Schlossgarten lohnt sich ein Besuch in Baltschik. Leider ist der Ort sehr touristisch geprägt: Es gibt viele Touristenfallen und die Preise sind teilweise deutlich höher als in Rumänien.
Die Euro-Einführung hat zu gestiegenen Preisen in den Restaurants und Bars geführt. Adrian Voican, Vizepräsident des rumänischen Reisebüroverbandes (ANAT), veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite die Speisekarte einer Terrasse ohne Bar in Baltschik. Laut Voican kostet ein Bier in Baltschik mittlerweile fünf bis sechs Euro – doppelt so viel wie in Rumänien, berichtet Digi24.
Natürlich findet man aber auch annehmbarere Preise und schöne Übernachtungsmöglichkeiten. Wenn einem die Bars zu teuer sind, kann man sich immer noch Getränke in den Supermärkten kaufen, an den Strand setzen und dort das Leben genießen. Baltschik ist klein, ungefähr 10.000 Einwohner, und deswegen perfekt geeignet für eine Übernachtung oder einen Tagestrip, wie es das Forum gemacht hat.
Denn nach dem Besuch ging es wieder in den Bus und gemütlich zurück nach Rumänien zum Abendessen in Venus (in der Nähe des Hotels in Saturn), ein perfekter Abschluss für einen schönen Tagestrip.








