Die Festnahme und der Rücktritt des IWF-Chefs und der zu erwartende zähe Kampf um die Neubesetzung der Stelle, die sich abzeichnende Pleite Griechenlands, die Absage an den US-Dollar als Leitwährung – auch die Bukarester Wertpapierbörse BVB bekam den internationalen Pessimismus voll zu spüren. Und auch im Inland herrscht eine gewisse Desorientierung, was den Kapitalmarkt betrifft. Kein Wunder also, dass die Börse wieder im Minus schloss.
Die Marktkapitalisierung ging weiter zurück und steuert auf die 110-Milliarden-Lei-Grenze zu (27 Milliarden Euro). Der Umsatz lag bei umgerechnet über 5 Millionen Euro – ausgenommen dem vergangenen Donnerstag, als er auf über 8,4 Millionen Euro kletterte und dem Freitag darauf: da sackte der Umsatz auf 1,35 Millionen Euro ab.
Indizes und Aktien
Allerdings hielten sich die Verluste im Vergleich zur Vorwoche in Grenzen, was den bislang besonders gebeutelten Finanzwerte-Index BET-FI betrifft. Dieser verlor auf Wochensicht nur 2,45 Prozent und fiel auch unter die 23.000-Punkte-Marke. Das leichte Comeback am letzten Handelstag der vergangenen Woche lässt auf eine Rückkehr des Index über diese Marke hoffen. Wie vorausgesehen verloren Proprietatea-Aktien (FP, 0,5065 Lei, ISIN ROFPTAACNOR5) weiter an Wert (minus 5,14 Prozent). Unter den zum Index gehörenden SIF-Aktien tat sich SIF Muntenia (SIF4, Lei, ISIN) hervor, sie schafften ein Wochenplus von 2,79 Prozent. Die übrigen SIF schlossen im Minus und belasteten somit ihren Index weiter.
Eine erfreuliche Ausnahme schaffte der Energiewerte-Index BET-NG. Er schaffte nämlich inmitten eines rückläufigen Marktes ein bescheidenes Plus von 0,8 Prozent und näherte sich wieder seiner psychologischen Marke von 800 Punkten. Dazu trugen vor allem die Schwergewichte Transelectrica (TEL, 258,7 Lei) und Transgaz (TGN, 21,71 Lei), die in jüngster Vergangenheit höhere Einbußen hinnehmen mussten. Pharmawerte entwickelten mehrheitlich positiv. Wie so oft in Zeiten der Unsicherheit, spielen Pharmaaktien die Rolle des sicheren Hafens für Anleger.
Ausblick
Die Börsenaufsicht hat die Verlängerung der Handelszeit um 15 Minuten und den Handelsschluss somit auf 16:45 Uhr verschoben. Begründung der Neuregelung war, dass die Anleger besser auf die Entwicklung in Übersee reagieren können sollen. Man darf gespannt sein, ob die Entwicklungen der US-Börse sich in Zukunft schneller auf die Bukarester Börse auswirken werden.
Aktie der Woche
Die allgemeine Orientierungslosigkeit erlaubte es, Spekulationen Boden zu gewinnen. So lässt sich der Wochenzuwachs von 30,8 Prozent des Metallverarbeiters Ves Sighișoara (VESY, 0,0785 Lei) erklären.
Der Geschäftsmann Cătălin Chelu hat im Laufe der Woche knapp 30 Prozent an dem Unternehmen über die Börse erworben. Er besitzt wichtige Beteiligungen an mehr als 20 börsennotierten Unternehmen Chelu ist als professioneller Anleger bekannt. Ves Sighisoara setzte im vergangenen Jahr 44,5 Millionen Lei um, um acht Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Der Reingewinn betrug 116.000 Lei, im Vorjahr hatte das Unternehmen noch Verluste geschrieben. Angesichts des niedrigen Umsatzes am vergangenen Freitag ist davon auszugehen, dass in der vergangenen Woche nur der Kauf von VESY-Aktien die Handelstätigkeit an der Börse aufrecht erhalten hat.
Rasdaq und Devisen
Der Sekundärmarkt überraschte in der vergangenen Woche mit einem sehr regen Handel, der Tagesumsatz lag mehrfach im Millionen-(Lei)-Bereich. Auf Wochensicht betrug der durchschnittliche Tagesumsatz umgerechnet knapp 0,9 Millionen Euro, ein seltener Wert. Dafür waren gleich mehrere Sondertransaktionen aber auch sonst großes Interesse für Aktien am Sekundärmarkt verantwortlich. Der Hauptindex Rasdaq-C jedoch verlor weiter an Wert, wenn auch weniger stark wie in der Vorwoche (-0,5 Prozent).
Der rumänische Leu gab auf Wochensicht nur sehr leicht nach gegenüber Euro (+0,0755 Prozent) und US-Dollar (0,0905 Prozent), insgesamt verlief die Handelswoche am Devisenmarkt ungewöhnlich ruhig. Zwar rüttelten auch keine fundamental veränderten Daten am Wechselkurs, die Ruhe am Markt kam aber sogar manchem Devisenhändler erstaunlich vor. Ein Euro kostete am vergangenen Montag 4,1091 und ein US-Dollar 2,8746 Lei – also fast unverändert zum Vorwochenwert. Die hier dargestellten Angaben und Mitteilungen sind ausschließlich zur Information bestimmt. Sie stellen keine Rechts- oder Anlageberatung dar. Keine der hier enthaltenen Informationen begründet in keinem Land und gegenüber keiner Person eine Aufforderung, ein Angebot oder eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Der Autor haftet nicht für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von der Benutzung der hier dargestellten Mitteilungen entstehen können. Alle Werte entstammen der letzten vor Redaktionsschluss abgeschlossenen Handelssitzung.
